Lasst euch nicht versimplifizieren: Beobachtungen zum Diskurs um religiöse Beschneidung

von Laura Kajetzke

Das Kölner Urteil im Mai 2012, das religiös motivierte Beschneidung als einfache Körperverletzung wertete, kam scheinbar aus dem Nichts. Zuvor war in der Öffentlichkeit keine Rede von einem sich formierenden Protest, auch beklagte sich keine nennenswerte Zahl von „Betroffenen“ über das Einbüßen ihrer Vorhaut und infolgedessen den potentiellen Verlust (sexueller, sozialer, religiöser) Möglichkeiten. Keinesfalls handelt es sich also um den vor Gericht erstrittenen Erfolg eines volljährigen Mannes mit Rückendeckung einer Graswurzelbewegung, das Urteil erwuchs vielmehr aus der Dynamik […]

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Viel Lärm um drei Millimeter Haut

Anna Adam sorgt sich um die deutsche Streitkultur

Brit Mila – Bund der Beschneidung
Buch Moses 17:11 Dies soll das Zeichen sein zwischen mir und euch.
Im Talmudtraktat Kidduschin gehört es zur Pflicht eines Vaters seinen Sohn zu beschneiden.
Bereits im alten Rom war den Juden die Ausführung dieser Pflicht und das Studium der Tora verboten. Aber wir lassen uns nicht verbieten, was uns lebenswichtig ist.
Im zweiten Buch Moses 4: 24-26 finden wir eine merkwürdige Geschichte.
Moses kehrt mit seiner Frau Zippora und den Kindern […]

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Das beschnittene Recht

von Necla Kelek

Der Bundestag hat auf Initiative der Bundesregierung mit Mehrheit das „Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes“ beschlossen. Es wird fortan legal sein, was bisher undenkbar war, nämlich, dass das Grundrecht  auf Unverletzlichkeit der Person einem wie auch immer begründeten religiösen Ritual und dem „Kindeswohl“ geopfert wird. Religionsausübung ist nicht mehr ein Teil der durch die Verfassung garantierten Freiheit, sondern steht trotz aller gegenteiligen Behauptungen fortan über ihr. Das

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Okzidentale Überlegenheitsphantasien gepaart mit Heteronormativität

von Antke Engel

Angesichts der rassistischen und antisemitischen Argumentationen, welche die 2012 in Deutschland geführte Mediendebatte über Vorhautbeschneidung geprägt haben, kann das seit Anfang des Jahres geltende „Gesetz über den Umfang der Personensorge bei der Beschneidung des männlichen Kindes“ als gelungene Gegenmaßnahme betrachtet werden. Die Gesetzesformulierung, die die Vorhautbeschneidung prinzipiell erlaubt, so sie gemäß medizinischer Standards stattfinde und das Kindeswohl nicht gefährde, zeichnet sich dadurch aus, dass sie Beschneidung nicht als Minderheitenpraxis markiert (ein Lob, dass sich allerdings weder auf die […]

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Eltern dürfen Kindern keinen unabänderlichen Stempel aufdrücken

 von Katja Dörner

Die Beschneidung von Jungen ist ein heikles Thema. Nicht nur, weil es sich um eine jüdische Praxis handelt, die auch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte mit höchster Sensibilität zu diskutieren ist. Maßgeblich ist zudem die Frage tangiert, wo das Recht von Eltern endet, Entscheidungen für ihre Kinder zu treffen, und wo Kinder selbst ein Mitspracherecht, wenn nicht sogar ein Selbstbestimmungsrecht haben bzw. haben sollten. Diese Frage lässt sich auf die religiöse Erziehung von Kindern anwenden. Sie lässt […]

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Bereits die Frage ist falsch gestellt

von Heinz-Jürgen Voß und Zülfukar Çetin

Seit Ende Juni 2012 wurde in der Bundesrepublik Deutschland „religiöse Vorhautbeschneidung“ breit thematisiert. Zuvor gab es in der BRD keine Beiträge zur Zirkumzision, die eine mediale Aufmerksamkeit erfahren hätten. Es existierten im deutschsprachigen Raum keine Selbstorganisationen von vorhautbeschnittenen Männern, die die Praxis problematisierten.

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