Mein Körper gehört mir! Oder?

Ende 2013 wurde in Deutschland heftig über Sexarbeit und Prostitution gestritten. Und die nächste Debatte kommt bestimmt. In der Zwischenzeit bittet das Gunda-Werner-Institut in seinem Blog um Beiträge zur Frage „Was ist der StreitWert?“ Feminist_innen streiten seit langem und differenziert zum Thema. Welche Geschichte, welche Hintergründe haben unterschiedliche feministische Deutungen von Sexarbeit und Prostitution?

In der Prostitutionsdebatte geht es um Körper, Sex und Sexualität. Um Freiheit, Macht und Recht. Um die Rolle des Staates und die Bedingungen des „Fleischmarktes“. Mein Körper gehört mir? Über Brüste und Gebärmutter reden viele mit. Nicht nur bei Sexarbeit, auch bei Abtreibung oder bei der Pille danach. Das hat einen Streitwert!

Wir laden alle ein, in diesem Rahmen mitzudiskutieren. Melden Sie sich zu Wort mit Kommentaren (http://streit-wert.boellblog.org) und eigenen Beiträgen an Gunda-Werner-Institut.hbs@BOELL.DE

Wir freuen uns auf einen konstruktiven Streit und Perspektivenwechsel. Mit Beiträgen von Pieke Biermann, Antje Schrupp, Mithu Sanyal, Maria Wersig, Gesine Agena, Johanna Weber u.a.

Kontakt: Susanne Diehr und Momo Palme

E: Gunda-Werner-Institut.hbs@BOELL.DE

T: +49 (0)30 28534-123

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Diskussion

  1. Meiner Ansicht nach richtet die Einstellung zu Prostitution sich unbewusst nach der Einstellung zum eigenen Sex.

    Wer sich nicht vorstellen kann, Sex nur um des Sex Willen (also nicht wg. Liebe oder Familengründung) zu haben, kann sich nicht vorstellen, dass andere Frauen und Männer so etwas gerne tun und meint, etwas dagegen unternehmen zu müssen.

    Wer hier Verbote für Dritte (Sexworker/innen) will, die er/ sie gar nicht kennt, sollte besser hinterfragen, ob seine/ ihre Einstellung zum Sex vielleicht etwas kleinlich und altmodisch ist.

    Von den Feministinnen sind es auch nur die älteren, die gegen Prostitution sind. Die jüngeren Feministinnen haben schon ein anderes Verständnis von Körperlichkeit.

  2. Bist du dafür oder bist Du dagegen? Ist Prostitution eine Generationenfrage? Es gibt auch ältere, sogenannte Feministinnen, die Prostitution ganz toll finden. „Endlich bezahlen die Männer dafür“. Das Rotlicht scheint für etliche Frauen die Bühne zu sein, um Machtphantasien und Rachegelüste ausleben zu können.Und es gibt junge Frauen, die für sich erkannt haben, dass der noch so „freiwillige und selbstbestimmte“ pay sex nur dazu führt, dass das Bild der sexuell verfügbaren und käuflichen Frau in die Gesellschaft zurückgespiegelt wird.
    Die Gleichung, wer für Prostitution ist, lebt sexuell frei und wer sich dagegen ausspricht oder es wagt, Zweifel anzumelden, ist sexuell unfrei und irgendwie von vorgestern, geht nicht auf.
    In der Prostitution geht es um vieles: Um Geld, Sex und Macht, um das Ausleben von kulturell überformten Geschlechterrollen, um einen Wirtschaftsmarkt, der von seinen AkteurInnen entwickelt werden will, um Männer und Frauen, die es genießen, etwas „Verbotenes“ zu tun, die Bestätigung suchen für ihr Mannsein und ihr Frausein, um Männer, die sich zum Anti-Bürger hochstilisieren, um Frauen, die auf Anerkennung ihrer sexuellen Attraktivität hoffen und glauben etwas Wertvolles für die Gesellschaft zu tun.

    Ich glaube nicht, das es in der Prostitution um Freiheit geht, schon gar nicht um die Freiheit der Frauen. Auch wenn sie ihre „Sexdienste“ noch so freiwillig verkaufen.In mir keimt der Verdacht auf, dass die „Sexworkerin“ das „neue brave Mädchen“ ist.

  3. Unter „Akteur_innen“ habt ihr kaum oder gar keine prostitutionskritische Gruppen verlinkt.

    Zu denen, die wichtige Arbeit im Feld der Prostitution und in der Debatte leisten, gehören auch Solwodi und Karo e.V. Als relativ neue Gruppe ist Abolition 2014 aktiv, die sich mit Nachdruck für die Einführung des Nordischen Modells in Deutschland einsetzen. Es wäre schön, wenn ihr diese Gruppen auch verlinken könntet.

    Solwodi: http://www.solwodi.de/
    Karo e.V.: http://www.karo-ev.de/startseite/index.html
    Abolition 2014: http://abolition2014.blogspot.de/

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