Wer fühlt sich eigentlich von wem herausgefordert? Und wo bleibt die Gerechtigkeit? Versuch einer Provokation…

von Astrid Rothe-Beinlich

Wer fühlt sich eigentlich von wem herausgefordert? Und wo bleibt die Gerechtigkeit? Versuch einer Provokation…

Auf jeden Fall ist der Streitwert rund um die Geschlechterdebatte – zumindest in einigen Kreisen – hoch im Kurs; in unterschiedlichsten Ausprägungen.
Auch hier vielfach nachlesbar: akademische Diskurse, die oft abstrakt erscheinen und so vermutlich schon wieder viele außen vor lassen.
Zudem: Wirklich neu ist das ja auch alles nicht…

Doch was heißt Geschlechtergerechtigkeit eigentlich im täglichen Leben? Was ist denn der Streit wert – sprich: Welche Konsequenzen folgen auf so viel Erkenntnis? Und wo bitte bleibt die Gerechtigkeit?

Ich möchte mit meinem Beitrag bewusst provokante Fragen aufwerfen, die über den bildungsbürgerlichen Tellerrand hinaus auf Antworten warten, wenn es uns ernsthaft darum geht, die geschlechterpolitischen Verhältnisse zum Tanzen zu bringen.

Seit Jahrzehnten bereits erhalten Frauen für gleichwertige Arbeiten fast ein Viertel weniger Lohn, gibt es nach wie vor kaum Frauen in Führungspositionen, kommt Frau in Aufsichtsräten nicht vor, kümmert sich selbstverständlich überwiegend Frau um Kind, Haushalt und Pflege – und wenn es der grüne Bundesvorsitzende oder der grüne Oberbürgermeister Palmer für ein paar Wochen übernehmen, ist das gleich Dutzende Artikel wert (Das Klischee ist tot. Es lebe das Klischee…). Doch der große gesellschaftspolitische und geschlechterübergreifende Aufschrei über so viel Ungerechtigkeit bleibt aus.

An mangelndem Wissen und fehlender Statistik kann es kaum liegen. Auch der grüne Bundestagsabgeordnete Kai Gehring hat in seinem Beitrag die Problemfelder durchaus treffend beschrieben. Aber: Was folgt denn nun daraus?

Kehren wir die Lebensrealität doch einmal gedanklich um.
Stellen wir uns doch einfach mal vor, was wäre, wenn Männer auf dem Arbeitsmarkt und im gesellschaftlichen Leben benachteiligt würden. Was würden denn die Männermanifestautoren, die dankenswerter Weise keine Machos mehr sein wollen, sagen oder tun, wenn sie plötzlich 25 Prozent weniger Lohn erhielten, beim Bewerbungsgespräch zum gehobenen Management schon deshalb scheitern, weil sie Mann und potenzieller verantwortungsvoller Vater sind oder auf die Frage antworten, warum Mädchen die Bildungsverliererinnen an den Grundschulen sind, weil es dort vor männlichen Bezugspersonen nur so wimmelt?

Oder machen wir es mal an Funktionen fest: was wäre auch innerparteilich passiert, wenn mit der grünen Regierungsbeteiligung im Bund selbstverständlich nur Frauen die Ministerinnenposten besetzt hätten (als Ausgleich hätte es dann auch viele männliche Staatssekretäre gegeben) und wenn in Baden Württemberg selbstverständlich ein reines Frauenteam den Bündnisgrünen zu ungeahnten Höhenflügen im anstehenden Landtagswahlkampf verhülfe?

Ausgehend von der „alten“ Maxime, dass alle Menschen – gleich ihrer Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechts – tatsächlich gleiche Chancen haben sollen, ist es aus meiner Sicht höchste Zeit für eine radikale Gerechtigkeitsdebatte, um Diskriminierungen endlich zu beenden – auch und gerade in der Geschlechterpolitik.

Dazu gehört dann auch der Streit um geeignete Instrumente. Die Quote ist da ja ein „Lieblingsobjekt“ des Streits, für die zu streiten sich ganz gewiss lohnt, da zwar bestimmt nicht charmant – aber einzigartig wirkungsvoll.

Greifen wir doch einfach das Gedankenspiel von vorhin noch einmal auf. Was würden wohl unsere selbsterklärten Feministen antworten, wenn sie dem Vorwurf ausgesetzt wären, dass sie nur wegen der Quote auf ihrem Platz säßen, großzügig vergessend, dass Millionen von Männern auf der ganzen Welt ihre Position nur deshalb innehaben, weil sie ein Mann sind?

Trotzdem kommt fast niemand auf den Gedanken, ihnen genau das vorzuwerfen, auch wenn Thomas Sattelberger das Dilemma erst jüngst in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau wie folgt auf den Punkt brachte:

„Wenn man 15 Jahre zu einem Thema immer Lippenbekenntnisse hört, sich aber nichts verändert hat, dann wäre auf jedem anderen Feld Ordnungspolitik angesagt. (…) Man kann doch nicht davon ausgehen, dass eine Quote von 87 Prozent Männern bei der Telekom in Deutschland die Talentverteilung korrekt widerspiegelt.“ Wie wahr…
Die Studie des DIW aus dem Juli 2010 lässt Zahlen sprechen. Seit 2006 liegt der Frauenanteil bei Führungskräften in der Privatwirtschaft bei gerade mal 27 Prozent, obgleich mehr als die Hälfte der Angestellten weiblich sind. Sobald die Führungsfrauen jedoch Kinder haben, sinkt deren Beteiligung rapide, da sich, so heißt es in der Studie „die in Führungspositionen üblichen langen Wochenarbeitszeiten sich kaum mit Hausarbeit und Kindererziehung in Einklang bringen lassen“ (sic: hörthört…., wo sind da die aktiven Väter…) und weiter: „Im Schnitt übernehmen Männer in Führungspositionen nur 20 Prozent der Hausarbeit in der Partnerschaft“. Ist das gerecht?

Oder kommt jetzt der Verdacht, Frau wäre eigentlich lieber ein Mann?

Mitnichten. Und natürlich bin auch ich heilfroh, heute jungen Menschen zu begegnen, die selbstbewusst und reflektiert – egal ob Frau oder Mann – der Meinung sind, da gäbe es keine Unterschiede mehr, auch die Rollenzuschreibungen wären Schnee von gestern, der Kampf um Emanzipation sei längst gekämpft und Gleichberechtigung würde doch längst allerorten gelebt.

Auch mit unseren Töchtern führe ich solche Debatten um Einschätzungen wie, sie hätten doch gleiche Chancen und seien bislang keinen Benachteiligungen ausgesetzt. Gern würde ich ihnen die Illusion bewahren aber die Realität sieht gerade jenseits alternativer oder bildungsbürgerlicher Milieus für viele Frauen anders aus – spätestens wenn sie sich für eigene Kinder entscheiden.

Ich war und bin den Verfassern des grünen Männermanifests dankbar für ihr Papier. Ein Papier per se ist allerdings noch keine Herausforderung. Vielmehr stellt sich die Frage, was nun an praktischem Handeln folgen muss und welche Rolle der Politik dabei zukommt. Dieser Auseinandersetzung stelle auch ich mich gern. Allerdings gilt es dann, früher anzusetzen – sprich auch zu schauen, wann und wie und geprägt durch was und wen wird der Junge zum Mann und das Mädchen zur Frau. Fakt ist doch, dass schon in jüngsten Jahren Stereotype Konjunktur haben… Da brauchen sich Frau oder Mann nur mal lauschend auf einen Spielplatz setzen…

Die Modebranche für unsere Kleinsten boomt in trendigen Farben: Rosa leuchtende Kleidchen und dazu die passenden Lillifeebücher für das kleine Mädchen und himmelblaue Jeans mit Ritterschwert schon für den männlichen Säugling, auch das Spielzeug gibt’s im Spielwarenladen nach Geschlecht sortiert in unterschiedlichen Regalen… Im Kindergarten raufen die Jungs und spielen die Mädchen in der Puppenecke, begleitet von wohlwollenden Kommentaren, solange niemand aus der Rolle fällt…Und: Das Leben ist noch viel bunter. Denn hier sind wir noch längst nicht bei der Frage, wie wir beispielsweise mit Menschen umgehen wollen, die sich keinem einzelnen Geschlecht zuordnen lassen wollen. Auch das gehört zur Anerkennung von Lebensrealitäten und wird viel zu oft verdrängt.

Geschlechtersensible Erziehung und Genderkompetenz sind noch lange nicht selbstverständlicher Bestandteil in der ErzieherInnen- oder LehrerInnenausbildung. Es gibt kaum männliche Erzieher (und da noch weniger mit Genderkompetenz), obwohl hier jede und jeder weiß, dass die fehlenden Aufstiegschancen und die schlechte, teilweise unverschämt niedrige Bezahlung Hauptgründe für die Berufswahl sind. Gleiches gilt für Grundschullehrer – erst das Gymnasium lockt dann auch den männlichen Pädagogen.

Besonders deutlich wird die ungleiche Anerkennung auch im Fußball. Ja, es gab 2010 ein deutsches Sommermärchen. Die U20-Auswahl der Frauen holte sich den Weltmeisterschafts-Titel und bekam als Anerkennung immerhin schon etwas mehr als das vielzitierte Kaffeegeschirr, während die drittplatzierte Männermannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft geschmückt mit Heldentiteln und voll ausfinanziert aus Südafrika zurückkehrte.

Doch was folgt aus all dem, wenn dieser Beitrag sich nicht nur einreihen will in weitere Zustandsbeschreibungen – gespickt mit der ein oder anderen bewusst überzogenen Provokation?

Ich wünsche mir, dass sich Männer wie Frauen tatsächlich herausgefordert fühlen, der Ungleichheit zu begegnen und für Gerechtigkeit zu streiten. Doch dafür braucht es konkrete Angebote und eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe, die anerkennt, dass die Forderung nach „der Hälfte der Macht“ nicht nur völlig legitim, sondern wesentliche Voraussetzung für das friedliche Miteinander der Geschlechter ist.

Astrid Rothe-Beinlich, Jahrgang 1973, lebt mit ihrer Tochter und ihrem Mann (drei Töchter) mit Hauptwohnsitz in Erfurt, wo 1987 ihr Engagement in der kirchlichen Umweltbewegung in der DDR begann. Nach mehreren politischen Stationen in Thüringen wurde sie 2006 zur Frauenpolittischen Sprecherin in den Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Seit 2009 ist sie Vize-Präsidentin des Thüringer Landtages und Parlamentarische Geschäftsführerin der Thüringer Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN.

Dieser Artikel wurde unter Männerrechtler kategorisiert und ist mit , , verschlagwortet.

Diskussion

  1. Sehr geehrte Frau Rothe-Beinlich,
    leider reproduzieren Sie, indem Sie den „abstrakten Diskurs, der angeblich Leute aussen vorlässt“, ignorieren, nur das, was eben in den Siebzigern
    akademischer Diskurs war und mittlerweile soweit Eingang in den mainstream gefunden hat, dass es Leuten als Frage nach
    „Geschlechtergerechtigkeit im alltäglichen Leben vorkommt“.

    Allerdings ist selbst der „akademische Diskurs“ dank der Männerbewegung nicht mehr so einseitig, wie Sie in
    Ihrer Aufzählung von Dingen, die Sie, koste es was es wolle, als Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen verstehen wollen – Lohnungleichheit,
    Führungspositionenabstinenz, Familienbezogenheit, eine immerhin bemerkenswert kurze Liste.

    Warum nicht auch Themen wie Obdachlosigkeit, Arbeitlosigkeit unter Jugendlichen, Lebenserwartung,
    Transferzahlungen ( von Männern an Frauen, durch die verschiedenen sozialen Kassen ), Unterhalt usw.usf. ?

    Können Sie sich vorstellen, dass es sogar sich nicht lohnt, nur die letztere Liste sich rauszupicken und „Ungerechtigkeit“ zu schreien?

    In Wirklichkeit sind doch alle diese Dinge nicht Ungerechtigkeiten, sondern Folgen bestimmter Strukturen, die Männer und Frauen
    gleichermassen in ihrer persönlichen Freiheit einschränken, nämlich dann, wenn sie eben ein anderes Leben wollen als jenes, welches durch
    eben diese Strukturen gefördert wird.

    Es ist eben heutzutage ganz unglaublich verlogen, Frau Rothe-Beinlich, noch „Ungerechtigkeit“ im Zusammenhang mit „Lohnungleichheit“ zu rufen.
    Wir können die Lohnungleichheit ja gerne abschaffen, aber nur im Zusammenhang mit dem Abbau von Transferzahlungen
    ( Unterhalt, Renten, Versicherungen )an Frauen und ihrer Einbeziehung in finanzielle Pflichten ( z.B. Barunterhalt für Kinder ).
    Und in Wirklichkeit kann kein Mensch entscheiden, was bei der Lohnungleichheit eigentlich die treibende Kraft ist – die Männer, die
    Frauen nicht so viel Einkommen gönnen, oder die Frauen, die sich gerne auf dem Einkommen von anderen ausruhen.

    Ebenso ist es verlogen, die Familienbezogenheit von Frauen als Ungerechtigkeit zu interpretieren. Wir können die Familienbezogenheit von
    Männern ja gerne stärken – ich selber plädiere immer dafür, dass Männer, die sich nicht um ihren Nachwuchs persönlich kümmern,
    wenigstens mehr für den zahlen sollten. Und natürlich dafür, dass Betreuungsunterhalt nur noch auf Gegenseitigkeit gezahlt wird.
    Aber Ungerechtigkeit gegen Frauen, wenn angesichts solcher Forderungen, wie ich sie gerade gestellt habe, neunzig Prozent der Frauen in
    Deutschland ein langes Gesicht ziehen, weil sie erstens ihren Typen nicht finanzieren wollen und zweitens schon gar nicht dem um den Preis,
    dass der selber aussuchen kann, ob er seinen Kids lieber Geld oder Sorge zukommen lässt?

    Wenn Ihre Fußballweltmeisterinnen mehr Geld wollen, sollen sie halt mehr Frauen für ihren Sport begeistern – solange Ihnen das nicht gelingt,
    ist es mehr als billig, scheel auf das Einkommen männlicher Fußballer zu schauen. Wenn Politikerinnen keine weiblichen Wählerstimmen bekommen,
    weil in den Parteien kaum Frauen aktiv sind, müssen Männer per Quote zur Wahl von Frauen gepresst werden? Nein – sollen Politikerinnen halt
    ihre männlichen Wähler überzeugen. Wenn Eltern ihre Mädchen rosa und ihre Jungen blau kleiden, dann prägen sie die nicht nur, sondern sie
    unterstützen diese auch in ihren jeweiligen Stärken, die sie von Geburt an auf Grund ihres Geschlechts wahrscheinlich
    mitbringen – da ist noch genügend Raum für Abweichung.

    Eine Rückkehr zu den Siebzigern, ein Diskurs, der sich im Schreien von „Ungerechtigkeit“ erschöpft und über den eigenen Tellerrand nicht
    wegzublicken vermag, wie ein rumkeifendes Ehepaar, ist wohl kaum das, was uns weiterbringt.

  2. Sehr geehrte Fr. Rothe-Beinlich,

    „…rosa leuchtende Kleidchen und dazu die passenden Lillifeebücher für das kleine Mädchen und himmelblaue Jeans mit Ritterschwert schon für den männlichen Säugling, auch das Spielzeug gibt’s im Spielwarenladen nach Geschlecht sortiert in unterschiedlichen Regalen.“

    Ich sehe hier mittlerweile ebenfalls die soziokulturell bedingten Gründe für die sog. vertikale Segregation.

    Auch die von mir gern genutzten Zitaten aus Susan Pinker, „Das Geschlechterparadox“ sehe ich im Hinblick auf die sog. Orientierungspräferenzen begründet.

    Hier werden dermaßen alte Klischees widerbelebt, dass ich selbst darüber sehr überrascht war.

    Ich hatte mir künzlich ein Weihnachtsvideo von 2004 mit meiner Tochter angesehen, wo sie gerade mal 6 Jahre alt war und mir die Chips im Hals steckenblieben, als ich meine Tochter zu meinem Geschenk (Auto mit Fernsteuerung) im Video komentieren hörte, „mir ist ja egal ob die anderen über mich lachen.“

    Früher ist mir soetwas gar nicht aufgefallen.

    Ich denke auch, dass sich hierzulande konservative Bildgefängnisse recht gut halten. Dr. Gesterkamp hat dies auf den S. 85 ff in „Krise der Kerle“ ebenso gut beschrieben und auch Orientierungspräferenzen bemerkt wie auch die weibliche Bereitschaft, sich in häuslichen Rollen wiederzufinden.

    Weiterhin wird auch zum Schluß die Geringerschätzung „weiblicher“ Berufe angebracht, m.E. eine Folge nach wie vor von Frauen und Männern verinnerlichter Wertegefälle „männlich-weiblich“.

    Hinzukommt, dass die oberen Etagen für viele Frauen, die wohlwollend und mehr selbstempathisch sozialisiert werden als viele Männer (Stichwort : Selbstverleugnung und Externalisierung), nicht unbedingt attraktiv und erstrebenswert erscheinen.

    Ich bin daher ein Quotenbefürworter, und zwar aus mehreren Gründen :

    1. Es wäre erfolgversprechender als die Selbstverpflichtung der Wirtschaft, und als Strategie „top-down“ wäre sie zu befürworten, bevor hier die oberen männlich dominierten Etagen, von denen die Männer in den unteren Hierarchieebenen gar nichts haben, lediglich halbherzig „weiter unten“ doktern und sich so selbst vor Veränderungen schützen.

    2. Aufbruch von gut gewachsenen Loyalitätsketten und wirksamere Kontrolle Vorstand/Aufsichtsrat gem. §100 AktG, was auch zukünftige Wirtschaftskrisen vorbeugen helfen würde.

    3. Und was ich gerne favorisiere : Frauen als „Agentinnen des Wertewandels“, was für viele Männer, für die auch Themen wie Vaterschaft und work-life-balance wichtig ist, mehr als positiv wäre.
    Denn die „akzeptierten Frauen“ verstärken meinem Eindruck nach das Hamsterrad in den Unternehmen mit eindimensionaler Gewinnmaximierung (Stichwort : „Erfolgsbeteiligungen“ und Boni), indem sie bewiesen haben noch „männlicher“ zu sein.

    Daher bin ich mittlerweile für eine Frauenquote „ganz oben“, und zwar in Aufsichtsräten UND Vorständen.

  3. Fr. Rothe-Beinlich, ich möchte meinen Standpunkt noch etwas erweitern und Sie höflichst auf diese Zusammenhänge aufmerksam machen :

    http://maedchenmannschaft.net/unter-maennern/#comment-21936

    http://www.corporate-governance-code.de/index.html

    “5.4.4 Vorstandsmitglieder dürfen vor Ablauf von zwei Jahren nach dem Ende ihrer Bestellung nicht Mitglied des Aufsichtsrats der Gesellschaft werden,…”

    Seit dem 18.06.2009 wurde der Punkt “Diversity” mitaufgenommen :

    “5.1.2 …Bei der Zusammensetzung des Vorstands soll der Aufsichtsrat auch auf Vielfalt (Diversity) achten“

    Die Bedenklichkeit sehr gut zusammenarbeitender Aufsichträte und Vorstände wurde scheinbar schon 2002 erkannt. Der Corporate governance code als freundlich gemeinter Appell hat die Wirtschaftskrise leider nicht verhindern können, zumal gute Freundschaften bei einem Glas Wein oder zwei hier auch bei Vertragsverhandlungen gepflegt wurden, deren Rechnung der Steuerzahler zu zahlen hat.

    http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,8106999,00.html

    Hier per Quote gute Freundschaften und wellness-Verträge durch gut funktionierende Kontrollstrukturen zu ersetzen, sollte ein willkommenes Instrument sein hier auch solchen Maßlosigkeiten entgegenzuwirken, die letztendlich tausenden Frauen UND Männern den Arbeitsplatz gekostet haben, damit ein Mann es sich etwas besser gehen lassen kann :

    http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,8106795,00.html

    Vielleicht wäre es hilfreich, hier ggf. mit der sehr geehrten Fr. Franziska Brantner in EU-Richtung den Schulterschluß zu suchen – falls nicht sowieso schon geschehen.

    Ich weiß, dass die Frauen der Grünen wie kürzlich Renate Künast z.B. gegen die Wehrpflicht oder schon länger für die gemeinsame Sorge nichtehelicher Väter sind.

    Ich würde mir mehr grüne Politiker_innen als „Agentinnen des Wandels“ im Parlament und in den Gremien wünschen.

  4. Andreas schreibt: „Warum nicht auch Themen wie …
    Transferzahlungen ( von Männern an Frauen, durch die verschiedenen sozialen Kassen ), Unterhalt usw.usf. ?“

    Frauen sollen den Männern noch dankbar dafür sein, dass sie — auch bei besserer Ausbildung — weniger verdienen und seltener beschäftigt sind… Da macht sich die traurige Einopferung der „Manndat“-Tröpfe bemerkbar: Unter dem Titel „Männer finanzieren, Frauen profitieren“ stellen sie eine „Studie“ vor, die an Sarrazins Modellrechnungen erinnert. Dies tun sie angeblich „gegen die Gender-Ideologie deren eigene Instrumente wendend“.
    Siehe
    http://manndat.de/fileadmin/Dokumente/Studien/Analyse_Gender-Budgeting.pdf
    Dazu ist oben im Prinzip schon alles gesagt, außer vielleicht, dass die Herren selbstverständlich die geldwerten, aber leider unbezahlten Beiträge der Frauen in Hausarbeit und Kinderaufzucht vergessen. Naja, dient halt nicht dem eigenen Interesse.
    Manndat? Not in my name!

  5. „..die anerkennt, dass die Forderung nach „der Hälfte der Macht“ nicht nur völlig legitim, sondern wesentliche Voraussetzung für das friedliche Miteinander der Geschlechter ist.“

    Und für Männer nach der Strategie „Agentinnen des Wandels“ viele Vorteile bereithält :

    http://www.zeit.de/2010/36/C-Arbeitswelt

    „Die Methode Frau.
    Eine Revolution kündigt sich an: Sie wird verändern, wie wir morgen Arbeit und Leben einrichten.“

    http://www.zeit.de/2010/36/C-Arbeitswelt?page=3

    „In einer entgrenzten Arbeitswelt hält die absolute Hingabe an den Beruf nicht nur Frauen fern, weil sie eben auch noch Kinder bekommen – sie macht auch zunehmend krank, und das verursacht Kosten. Wer mit einer psychischen Erkrankung zu Hause bleibt, tut das länger als jemand mit Husten.“

    „Es sind auch harte wirtschaftliche Gründe, die für die Frauen sprechen – und die Frauen sind genau wie Männer bereit, für eine Karriere viel zu leisten. Allerdings ist Lorths Erfahrung, dass Frauen eher auf eine angemessene Balance zwischen Beruf und Privatem achten. Denn sie kennt auch Beispiele von Managern, deren einziger Lebensmittelpunkt die Arbeit war, und sie hat erlebt, wie Kollegen in der Krise den Job und damit jegliche private und berufliche Bodenhaftung verloren. Sie ist sich sicher, dass Frauen von Männern viel lernen können – »aber eben auch umgekehrt«. Dass es bei Besprechungen nicht darum gehen muss, wessen Idee verhandelt wird, sondern dass über die beste Idee verhandelt wird, dass es nicht darum geht einen Dienstwagen zu fahren, sondern zum Dienst zu fahren – und dass manche Wochenenden einfach Wochenenden sind.“

    „dass etwas in Bewegung ist, ein Prozess aus der Mitte der Gesellschaft, dessen Ergebnis schwer zu prognostizieren ist. Klar ist, dass er zu Verunsicherungen führt, dass Männer und Frauen ihre Rollenbilder neu finden müssen – und doch könnte sich der Aufstieg der Frauen für alle, selbst für die Männer, als Segen erweisen….und in der viele Männer gern kürzer und ein Großteil der Frauen gern länger arbeiten würde…Wenn dazu Bereiche wie die Gesundheitsbranche, in denen Frauen schon heute sind, wichtiger werden, dürften sie dort auch aufsteigen.“

    „Es ist eine Zeit, in der deutlich wird, dass entgrenzte Arbeitszeiten krank machen, und sich die Rolle der Väter wandelt. Eine Zeit, in der Unternehmen Frauen aus wirtschaftlichen Gründen für sich entdecken. »In dem Moment, in dem das Konstrukt des allzeit bereiten Machers als ein Konstrukt entlarvt wird, verschieben sich die Chancen der Geschlechter..“

    Mein Kommentar : Perfekt!

Comments are closed.