Ich möchte Teil einer sozialen Bewegung sein

von Stephan Höyng

Geschichte eines Konflikts
Als ich 1986 begann, mich mit dem Thema Männer zu befassen, verstanden in dieser kleinen, kaum so zu nennenden Männerbewegung eigentlich alle die Frauenbewegung und die Schwulenbewegung als Vordenker. Es wurde darum gestritten, ob die Herrschaftsverhältnisse durch Kapitalismus oder Partriarchat bestimmt waren. Die bewegten Männer befassten sich in Absetzung von Politfreaks mit Themen wie Sexualität und Partnerschaft, was ihnen oft als Bauchnabelperspektive vorgeworfen wurde. Gruppen wie das Göttinger Männerbüro suchten zu Beginn der neunziger Jahre vor dem Hintergrund von Robert Blys Buch „Eisenhans“ den verloren geglaubten Kern ihrer Männlichkeit zurückzugewinnen – und konnten dies ganz traditionell nur in Absetzung von Frauen und allem als weiblich wahrgenommenen. Mir schien damals, so mancher dieser Mythopoeten hatte sich zuweit mit feministischen Frauen und Forderungen identifiziert und musste nun dagegen steuern mit tief im Inneren erkundeter traditioneller Männlichkeit. Mit Dissens e.V. waren wir zunächst die einzigen, die Männer und Beruf thematisierten. Wir sprachen davon, dass Männer in dieser Gesellschaftsordnung einen hohen Nutzen haben, aber dafür auch einen individuell verschiedenen Preis zahlen. Schnack/Neutzling konnten 1990 diesen Preis in ihren Buch „Kleinen Helden in Not“ für Jungen benennen, und dies war grundlegend für eine parteiliche soziale Arbeit mit Jungen, die im Übrigen gut mit parteilicher Mädchenarbeit harmonierte.

Betroffenheit von einer gesellschaftlichen Veränderung
Die Frauenbewegung setzt sich sehr stark für die Gleichstellung von Frauen im Beruf ein. Es sind jedoch kaum Klagen von Männern zu hören, die sich sorgen, beruflich gegenüber Frauen zu verlieren.
Vor den Zeiten der Frauenbewegung entsprach es dem normalen Rollenbild, wenn Väter nach Trennungen kaum Kontakt zu ihren Kindern hielten, wenn sie darunter litten, sprachen sie nicht darüber. Es war eine Forderung der Frauenbewegung, dass Väter sich mehr um ihre Kinder kümmern sollten.
Heute möchten aktive Väter bei den zunehmenden Trennungen die Beziehung zu ihren Kindern erhalten. Mit Partnerinnen und Familiengerichten haben viele Männer verletzende persönliche Erfahrungen gemacht und Benachteiligung erfahren. Mitte der Neunziger führte ich die ersten Gespräche, in denen Männer für sich reklamierten, die eigentlich Benachteiligten im Geschlechterverhältnis zu sein.
Ich erkläre mir das so, dass diese Männer von ihren Erfahrungen so belastet sind, dass sie gar keine anderen Themen mehr wahrnehmen können. Sie verallgemeinern damit das eigene leidvoll erfahrene Thema so sehr, dass es in kein Verhältnis gesetzt werden kann zu anderen, der eigenen Erfahrung widersprechenden Geschlechterverhältnissen. Sie können eine soziale Bewegung wie die Frauenbewegung in ihren vielfältigen Wirkungen, die auch durch wirtschaftliche Entwicklungen bedingt sind, nicht einordnen.

Sie möchten Teil einer Bewegung sein
Inzwischen sind Väterrechtler zu Männerrechtlern und in den Medien zu Meinungsführern geworden. Männer nehmen für sich in Anspruch, die eigentlich Benachteiligten, die Opfer zu sein. Damit können sie das Gefühl gewinnen, gegen das Establishment zu kämpfen und Teil einer Bewegung zu sein, die sozialen Widerstand leistet. Das stärkt in der belastenden Lage das Selbstwertgefühl, führt aber auch zu Überhöhungen und Verallgemeinerungen.

Frauen und Feminismus als Gegner
Es fällt mir schwer nachzuvollziehen, warum nun ausgerechnet „der Feminismus“ als feste Instanz gesehen und zum Gegner, zum zu bekämpfenden Establishment wird. Sind die Frauen, die sich von ihren Partnern trennen, so häufig Feministinnen? Nur die wenigsten würden sich so bezeichnen. Frauen mit feministischem Bezug lassen sich inzwischen in einigen sozialpolitischen Verwaltungen an wichtigen Stellen finden, als das bestimmende Establishment kann ich sie weder für Familienpolitik noch für irgendein Politikfeld wahrnehmen. Männerrechtler überhöhen die Macht von Frauen. Sicher gibt es neben Frauen, die Männer in sozialen Bereichen fördern, auch Frauen, die Macht im familiären Bereich nicht gerne abgeben. Sicher gibt es Frauen, die nicht wahrhaben wollen, dass es noch andere im Geschlechterverhältnis Benachteiligte gibt. Doch wie kann man die Männer nicht sehen, die aktiver Vaterschaft im Weg stehen? Wer über das Politikfeld Familie schaut, Führungsmänner in Unternehmen, die wenig Zeit für Kinder lassen, sieht männliche Familienrichter, die meinen, Kinder gehörten immer zu ihren Müttern. Solche Männer vertreten ein patriarchales Verständnis von Männern und Frauen, das Familien in ihrer Entfaltung einschränkt. Es fehlt eine Analyse der Gesellschaftsordnung, die dann reformiert werden soll.
Da wird versucht, Äußerungen von Biologen zur Erziehung von Kindern als Bestätigung für die Benachteiligung von Jungen zu nutzen. Für den Bereich der Sozialwissenschaften können Männerrechtler wirklich zu recht sagen, dass man an feministischen Bezügen nicht mehr vorbei kommt. Aber die aktuell wichtigste Theorielinie infolge des Feminismus, der Dekonstruktivismus, ist keine vorherrschende Meinung, die gesellschaftliche Gestaltungsmacht hat. Sozialwissenschaft hat viel zu wenig Einfluss auf Politik und Wirtschaft und Medien.

Doch das Feindbild des machtvollen Feminismus wird von Männerrechtlern mit aller Kraft bekämpft. Wer Gruppen von Menschen pauschal abwertet, entzieht sich damit einer Vernetzung mit sozialen Bewegungen, kann sich mit anderen sozialen Diskursen nicht verbinden, ist nicht Teil einer sozialen Bewegung. Auch feministische Gruppen werteten in den Anfängen des Feminismus Männer pauschal ab. Aber schon längst geht es um das Gegenteil: Die Vielfalt von Menschen ist im Mittelpunkt feministischer Theorie und Praxis, und aufgrund ihres Geschlechts Ausgegrenzte und Abgewertete erfahren viel Solidarität solange sie sich nicht selber ausgrenzend verhalten.

Kampf um Gelder
Mit ihren Provokationen einen hohen Neuigkeitswert in den Medien zu haben, ist ein Vorteil der abwertenden Haltung von Männerrechtlern. Sie können dann zutreffend noch eine Benachteiligung ausmachen: ihre Projekte erhalten tatsächlich kaum öffentliche Gelder. Und dies ganz zu recht, denn Initiativen mit ausgrenzenden Menschenbildern sollten keine öffentlichen Finanzen erhalten. Ist der Kampf um Gelder ein Grund für die Gegnerschaft zu Mädchen und Frauenarbeit? Ich fürchte die mittelständischen Männer, die sich genauso betroffen sehen wie sozial randständigen Jungen, wenn sie aus einer Bildungskatastrophe eine Jungenkatastrophe und aus Sorgerechtsverweigerungen ein Feminat machen, unter dem angeblich alle Männer leiden. Dabei hätten Männer und Frauen mehr Chancen, mehr Geld für geschlechterbewusste soziale Arbeit zu fordern, wenn sie gemeinsam vorgingen.

Solidarische Haltung nicht aufgeben
Gleichstellung eröffnet mir eine Perspektive, mit der ich analytisch alle sozialen Vorgänge betrachten kann. Ich brauche anderen nicht ihr Leid abzusprechen, ich sehe vielmehr Verbindungen und Gemeinsamkeiten. Es gibt Erklärungen, die nicht den nächstliegenden zum Schuldigen erklären, sondern Verbindung zu anderen sozialen Bewegungen eröffnen. Geschlechterverhältnisse können eine weitere Perspektive auf Rassismus und Umweltzerstörung geben.
Die Geschlechterforschung ist trotz der Provokationen aufgefordert, die zuhauf dokumentierten Benachteiligungserfahrungen von Männern im familienrechtlichem Bereich zum Ausgangspunkt für eine Ergänzung ihrer Perspektiven zu nehmen. Es gibt bei Männern und Jungen Benachteiligung aufgrund ihres Geschlechts. Es ist ein feministischer Grundgedanke, Betroffenen mit wissenschaftlicher Forschung eine Stimme zu geben. Parteilichkeit auch für diese Jungen und Männer kann und darf aber nicht zurück zu den Generalisierungen führen, die in der Anfangszeit der Politisierung der Geschlechterverhältnisse auftauchten. Es geht nicht mehr um „die“ Jungen oder „die“ Männer. Soziologisch lassen sich bestimmte Gruppen zusammenfassen, die bestimmte Probleme und Benachteiligungen erleiden. Die kann und muss man aber auch präzise benennen. Um ihnen zu helfen, sollte man den Blick weiten und die Ressourcen der Männer einfordern, die in unserer Gesellschaft immer noch große Gewinne einfahren.

Prof. Dr. Stephan Höyng lebt mit seiner Familie in Berlin und unterrichtet dort Jungen- und Männerarbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen. Als Mitbegründer von Dissens e.V. befasst er sich seit über 20 Jahren mit dem Verhältnis verschiedener Männlichkeiten zu Erwerbsarbeit und fürsorglichem Verhalten. Er hat ein europäisches Forschungsprojekt zu Männlichkeiten in einer sich verändernden Arbeitswelt geleitet. Gegenwärtig befasst er sich mit Männern in der frühkindlichen Erziehung.

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Diskussion

  1. „…und die Ressourcen der Männer einfordern, die in unserer Gesellschaft immer noch große Gewinne einfahren.“

    Welche Gewinne sollen das sein? Die 7 Jahre geringe Lebenserwartung? Die Tatsache, dass mein Zwangsdienst mich ca. 25.000 EURO, 18 Monate Lebenszeit im besten Lebensabschnitt und wertvolle Berufserfahrung gekostet hat? Das ich kein Sorgerecht für mein Kind habe? Das ich per Geschlecht von sämtlichen Fördermassnahmen ausgeschlossen bin? Das ich als Arbeiter seit 20 Jahren keine einzige arbeitende Frau auf unserer Baustelle gesehen habe? Das die Arbeitslosigkeit von jungen Männern um satte 60% über denen von gleichaltrigen Frauen liegt, und trotzdem ausschliesslich Frauenförderung betrieben wird? Das 3/3 meiner Zeitarbeiter-Kollegen Männer sind? Das mein Sohn in der Schule krass benachteiligt und Mädchen bevorzugt werden?

    Herr Höyng, die „Gewinne“ die ich als Mann in unserer Gesellschaft angeblich einfahre, haben schon längst einen negativen Saldo, und fast allen Männern die ich kenne geht es ähnlich. Glücklicherweise merken immer mehr Männer, dass sie in unserer Gesellschaft krass benachteiligt werden.

  2. @Herr Höyng:

    „Es fällt mir schwer nachzuvollziehen, warum nun ausgerechnet „der Feminismus“ als feste Instanz gesehen und zum Gegner, zum zu bekämpfenden Establishment wird.“

    Na, ist doch klar – weil „der Feminismus“
    ( @Nick: super Ihre Definition von „Feminismus“ und „Feminismen“ – ich hatte schon gedacht, selber mal zu diesen bornierten Abgrenzungen etwas zu schreiben, aber ihre Def. ist nicht zu topen – selten so gelacht! )

    zwar vorgeblich nach Geschlechtergerechtigkeit sucht, in der politischen Praxis aber leider ein „Mehrheitsproblem“ hat, in der Form, dass leider die meisten Frauen niemals feministisch wären, würden sie ihrer „patriarchalen Dividenden“ beraubt. Was eben in der politischen Praxis dazu führt, dass „der Feminismus“ einfach eine Lobbyveranstaltung für Frauen ist, die zusammenrafft, was zusammenzuraffen ist und dabei eben auch eine unheilige Allianz mit konservativen Männern eingeht, die aus anderen Gründen Männer ausbeuten.

    Und wer sich da „ausgrenzend“ verhält, ist doch sehr die Frage, finde ich – wenn ich Stimmen gelesen oder gehört habe, die sich z.B. gegen eine staatlich geförderte Verbesserung des Zugangs von Jungen zu höherer Bildung aussprechen, dann sind es – eigentlich immer Feministinnen. Wenn ich kritische Artikel gegen z.B. das neunzigste Urteil des EGH lese, welches Deutschland wg. Menschenrechtsverletzung im Zusammenhang mit den Rechten von Vätern verurteilt, dann stammen diese Artikel von Feministen. Wenn ich irgendwo höre, zur gesundheitlichen Situation von Männern könne man nichts weiter als ein „selbst schuld“ äussern, dann sind das hundert zu eins zu wetten … Äusserungen von Feministen.
    Und was glauben Sie, worauf die Frauen, die sich scheiden lassen, Bezug nehmen – auf Bilder von „sich nicht kümmernden Männern“, „auf die Unpartnerschaftlichkeit, mit der sie angeblich auf das Hausfrauendasein ( ganz gegen ihren Willen ) von den bösen Typen verwiesen wurden“ etc. – also auf Bilderwelten, wie sie „der Feminismus“ geschaffen und verbreitet hat und nach denen Männer nun „gerichtet“ werden, ob es passt oder nicht.

    Im übrigen fällt mir an Ihrem Artikel wieder einmal auf, was an allen anderen vorgeblich „männerfreundlichen“ Artikeln auf dieser website auch auffällt – keine konkrete Äusserung, keine konkrete Forderung, keine Wünsche, keine …

    Bester Herr Höyng,

    dann schlagen Sie doch mal etwas Konkretes zur Verbesserung der Situtation von Männern im Sorge- und Familienrecht vor; und bitte denken sie daran, dass man, um Rechte wahrzunehmen, auch das Geld haben muss, um es wahrzunehmen.

    Gehen Sie in eine x-beliebige Partei und versuchen es durchzusetzen, darüber zu kommunizieren.

    ( Einzige Bedingung: Es muss etwas sein, was sich nicht auf der Ebene von Dissens a la „wir erweitern das verkorkste Bewußtsein von Jungen“ abspielt, sondern etwas Materielles zugunsten derselben fordert ).

    Dann – ich müßte mich sehr wundern, falls das nicht stimmt – werden Sie ganz schnell Ihre Antworten auf Ihre Fragen finden, warum denn nur so sehr auf die armen Feministen eingedroschen wird, die das doch gar nicht verdient haben !

    Und im übrigen kann man auch gegen den Feminismus sein, weil man z.B. glaubt
    a). dass die berufliche Benachteiligung von Frauen gar nicht eine auf Grund des Geschlechts ist – sondern im Gegenteil Frauen, was ihre sozialen Rollen angeht, mehr und attraktivere Auswahl zur Verfügung haben als nun gerade die Ochsentour im Job.
    b). die gebetsmühlenhaft wiederholten 25 % Gehaltsrückstand zu 90 % auf fehlende Überstunden, nicht marktgerechtes Studien- und Ausbildungsverhalten zurückzuführen sind.
    c). Quoten die individuelle Gleichberechtigung von Männern und Frauen ausser Kraft setzen zugunsten einer Gruppendefinition.
    d). Quoten dafür sorgen, dass in manchen Berufen auf Jahre jungen Männer keine Chancen haben, weil erst einmal der Überhang alternder Männer abgebaut werden muss – so im öffentlichen Dienst zu bewundern.
    e). „der Feminismus“ immer noch nicht seine alten Feindbildkonstruktion von „der männlichen Lebensweise“ abgelegt hat.
    f). selbst in neueren Feminismen (haha) der Versuch unternommen wird, die Ungleichheit von Männer und Frauen zu relegitimieren, indem Frauen als durch Sozialisation besser, vernünftiger, kooperativer ( man denke an den Mobbingbericht der Bundesanstalt für Arbeit: in sozialen Berufen mit hoher Frauendichte wird am meisten gemobbt, und zwar gegen Männer ) dargestellt werden.

    g). und und und ….

    Alles legitime Gründe, wie ich finde, um nicht gerade ein begeisterter Feminist zu sein …

  3. „Vor den Zeiten der Frauenbewegung entsprach es dem normalen Rollenbild, wenn Väter nach Trennungen kaum Kontakt zu ihren Kindern hielten, wenn sie darunter litten, sprachen sie nicht darüber. Es war eine Forderung der Frauenbewegung, dass Väter sich mehr um ihre Kinder kümmern sollten.“

    Wie so häufig wird zur Legendenbildung die Hälfte verschwiegen. Das galt nur für nichteheliche Väter, deren Einfluß als schädlich für das Kindeswohl erachtet wurde. In den 1920ern gab es Bestrebungen, nach dem Vorbild Norwegens Eheliche und Nichteheliche Kinder gleichzustellen, was die Fürsorgebürokratie im Verbund mit den Konservativen zu verhindern wusste. Erstere, um Geldströme aufrecht zu halten, und letztere um die Ehe zu retten.

    Bitte Effi Briest lesen. Und Anita Heiliger..

  4. „Sie können dann zutreffend noch eine Benachteiligung ausmachen: ihre Projekte erhalten tatsächlich kaum öffentliche Gelder. Und dies ganz zu recht, denn Initiativen mit ausgrenzenden Menschenbildern sollten keine öffentlichen Finanzen erhalten.“

    Ist das Ihr Ernst? Sie fordern hier durch die Blume, dass z. B. Frauenhäuser keine öffentliche Finanzierung mehr erhalten, weil sie männliche Opfer häuslicher Gewalt ausgrenzen? Ganz schön mutig, das ausgerechnet in diesem Blog zu tun. 🙂

  5. >>Und dies ganz zu recht, denn Initiativen mit ausgrenzenden Menschenbildern sollten keine öffentlichen Finanzen erhalten.

    Aha. Sowas wie „Ziel ist nicht eine andere männliche Identität, Ziel ist gar keine männliche Identität.“ Kommt mir auch ein klein bisschen ausgrenzend vor …

  6. Und täglich leiert die 23-Prozent-Tibetanische-Gebetsmühle…. weil Frauen für gleiche Arbeit doch angeblich mal wieder 23 Prozent weniger
    verdienen…..
    Also empören wir uns auch ob solcher Diskriminierung. Nur: Es stimmt
    einfach nicht, ist vielmehr ein arger Missbrauch statistischer
    Globaldaten.
    Denn erstens: Welche Firma ist so idiotisch, jemandem für die gleiche
    Arbeit ein Viertel mehr zu zahlen? Jeder Geschäftsführer, der das
    täte, würde vom Eigentümer mit nassen Fetzen davongejagt.
    Zweitens: Wo sind eigentlich die zehntausenden Anzeigen bei den (um
    die eigene Wichtigkeit und Daseinsberechtigung ringenden) Gleichbehandlungs-Beauftragtinnen, die jene Statistik durch Exempel aus dem wirklichen Leben unterlegen würden?
    Drittens gibt es in der Tat Bereiche, wo Männer für anscheinend
    gleiche Arbeit wirklich mehr verdienen: im Fußball, im Tennis oder in
    der Kunst. Dort strömen zu den Männern in der Regel viel mehr
    Zuschauer. Sollen diese künftig immer auch Tickets für Frauenfußball
    erwerben müssen?
    Viertens, und nur hier ist staatliches Gegensteuern legitim, wählen
    auch heute noch Mädchen in Massen überbesetzte, daher schlecht
    bezahlte Berufe wie Friseurin oder Kosmetikerin. Während sie die
    außerhalb von Krisenzeiten boomenden Branchen rund um Maschinen und
    Software meiden.
    Fünftens gibt es von der Bundeswehr bis zur Lebenserwartung
    viele nicht auf dem Gehaltszettel erscheinende Bevorzugungen von
    Frauen.
    Sechstens sei auf die enormen Steuerverschwendungen unter dem Titel
    „Gender“ verwiesen, auf die frauenlastige Scheidungsindustrie oder
    auf Mineralwasserfirmen, die gerne für Brustkrebs-, aber nie für die
    Prostatakrebsbekämpfung spenden.
    Siebentens sind weit mehr Männer arbeitslos.
    Und achtens zeigen zumindest deutsche Statistiken (für Österreich
    werden solche nicht erstellt), dass Männer im Schnitt viel mehr
    arbeiten. Bei den Selbständigen sind das etwa 49 Wochenstunden
    gegenüber 36 weiblichen. Von der überwiegend weiblichen Teilzeit ganz
    zu schweigen.
    Trotz all dem gelten eigentlich Frauen als unsolidarisch und Männer
    als Machos, die diese Fakten auch nur zu erwähnen wagen.
    http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090925_OTS0297/channel/politik

    Es gibt übrigens eine ganze Reihe von Frauendomänen in denen richtig abgesahnt wird, z.B. Psychologin, Tierärztin, Grundschullehrerin, Bankkauffrau.

    (Diese Berufe werden bezeichnenderweise bei der girls-day-klein-Ausgabe: „Boys day“ den Jungen nicht nahe gebracht).

  7. Das ist überhaupt nicht zu diskutieren. Wenn Stefan Hoyng meint, dass die familienpolitische Entrechtung in gegenwärtiger Form zu vertreten ist, er also eindeutig mit dem rechtbeugenden Familienrecht kollaboriert, ist die Tischdecke zerschnitten. Wer Menschenrechte nach Geschlecht verteilen will, gehört auf die andere Seite des demokratischen Konsens. Ob jemand das intellektuell aufgeblasen oder in in einfachen Sätzen der Strasse verbalisiert, ist dabei völlig unerheblich.

    Männerrechtler der Schweiz organisieren den ersten Feminismus-Kongress – es ist nur eine Frage von Monaten oder wenigen Jahren bis eine Vielzahl von Medien auch hier noch stärker thematisieren, dass sich im Schutze europäischer Hinterzimmer-Kultur ein Aktionsbündnis anti-maskuliner Ausprägung etabliert hat, welches die Schwächen der EU weidlich ausnutzt. Im Zuge dessen werden auch andere Institutionen und Strukturen des Feminismus kritisch hinterfragt werden. Und die Rechnung ist relativ einfach aufgemacht. Da ein Großteil der Ehen geschieden wird, ist schon die momentane Scheidungspraxis für viele Männer der Punkt, wo man sie nur abholen muss. Es bleibt also fraglich, wie Vereine wie Dissens da eine lebbare Alternative bieten wollen.

    Städte, Gemeinden und Kommunen werden im Laufe der nächsten Jahre immer häufiger sehr sorgsam überlegen, welche Aufgaben zu finanzieren sind und falls, warum ausgerechnet Vereine, die im Widerspruch zum Grundgesetz stehen. Gerade weltanschaulich totalitäre Konzepte des Feminismus werden dem Rotstift zum Opfer fallen, ehe noch jemand Gender rufen kann.

    Der Versuch ausgerechnet Männerrechtler in die rechtsradikale Ecke zu stellen, ist längst gescheitert. Schon deswegen, weil diese Zuschreibung so inflationär gebraucht wurde, dass die Glaubwürdigkeitsdefizite auf Breite und Länge in der Bevölkerung erkannt sind.

    Mein Rat: Spart euch ein wenig Geld auf – das Pendel schlägt zurück und Geld für eure Projekte laufen nach und nach aus. Bonne Chance.

  8. „Kampf um Gelder“

    Und dies ganz zu recht, denn Initiativen mit ausgrenzenden Menschenbildern sollten keine öffentlichen Finanzen erhalten.

    ..

    Männer (sic!) [..], die in unserer Gesellschaft immer noch große Gewinne einfahren

    Na, da haben Sie ja eine schöne und einfache Erklärung für Kapitalismus / das Elend auf der Welt. Ein Feindbild gibts dazu gleich mit. Identitätspolitik ist doch wohl mehr als offenkundig nicht nur bei „den Männerrechtlern“ verbreitet, sie betreiben diese ja selbst.

    Die Ressourcen können Sie natürlich nur dann „einfordern“, wenn die von Ihnen angedachte Klasse von „Männern“ sie weiterhin (auf dem Weltmarkt) „ergaunert“. In meinen Augen ist das – gerade aus der von Ihnen vorgeblich betriebenen Politik der Entkategorisierung von Geschlecht – nicht gerade durchdacht, es ist wohl eher der Ruf nach dem „guten Patriarch“. Sie vergessen wohl völlig, dass es zuallermeist Familien sind, die Kapital besitzen und das Haifischbecken der „transnationalen Unternehmermännlichkeit“ (gemeint sind wohl Investmentbanker) betreiben um es maximal zu vermehren.

    Sie sind längst keine soziale Bewegung mehr, Sie gehören zur Administration, die natürlich gerade bei Männerthemen stets aufs neue um Gelder und Fortbestand hart kämpfen muss. Kann man dabei nicht wenigstens versuchen, mit intelektueller Lauterkeit zu argumentieren? Oder sind Sie tatsächlich bei der „Abschaffung des Patriarchates“ als Weltrettung stehengeblieben?

  9. Es ist schon erschreckend, was für eine Wut sich in vielen Reaktionen zeigt. In ihrem Alltag befangen suchen sich die Briefeschreiber gerne verkürzte Aussagen über Soziales, Arbeitsmarkt und Wirtschaft. Das hinterlässt den falschen Eindruck, DIE Männer wären Opfer. Die mangelhafte Information lässt sich verhindern, wenn man mehrere Quellen liest! Aber da schreiben Männer, verborgenen hinter ihren „Nick“names die Schuld an ihren Entäuschungen generell einer sozialen Gruppe, den Frauen, zu. Da drängt sich die Vermutung auf, das gegnerische Lager könnte früher das begehrte, geliebte Lager gewesen sein, und wir hätten es hier mit enttäuschter Liebe zu tun?

    Es sollte keiner zugeschrieben werden, dass sie aufgrund des bei ihrer Geburt festgestellten Geschlechts schon zum gegnerischen Lager gehört. Jemand, der aufgrund von Genen oder ähnlichem vorgeburtlichen Qualitäten Menschen auf- oder abwertet, verliert schon mal seinen seinen Posten bei der Bundesbank – bislang aber nur, wenn es um Ethnie und nicht, wenn es um Geschlecht geht.

    Wer von den Männern als Verlierer und den Frauen als Gewinnern spricht sieht nicht die unterschiedlichen Gründe für Benachteiligungen von manchen Jungen und Männern.

    Viele der aufgelisteten Benachteiligungen sind im Feld der Familienpolitik erlebt worden. Wer entscheidet da? Wir haben auch nach 20 Jahren Gleichstellungsgesetzen etwa in der Berliner Senatsverwaltung nicht mehr Frauen in entscheidenen Positionen. Wie kann eine so erfolglose Maßnahme Frauenförderung soviel Aufregung schaffen? In Berlin beispielsweise arbeiten in den für familienpolitischen Themen zuständigen Senatsabteilungen für Integration, Arbeit und Soziales sowie Justiz unterhalb der – politisch gewählten – Führungskräfte: 7 männliche Abteilungsleiter, darunter 19 männliche Referatsleiter und 7 Referatsleiterinnen. Männer sind auch weiterhin überwiegend die Entscheider in öffentlichen Einrichtungen. Oder sind das jetzt genau diese 7 Frauen, die als fiese Feministinnen die anderen Führungskräfte übertölpeln und dafür sorgen, dass Männer ihre Kinder nicht sehen können? Wo steuern denn all diese als feindlich wahrgenommenen Frauen? Familienpolitik für Väter ist sinnvoll, es ist begrüßenswert, wenn Väter echten Kontakt zu Kindern suchen, aber dafür müssen sie sich nicht als Underdog gegenüber einem angeblichen feministischen Establishment stilisieren.

    Moderne Väter in Trennungen sollten benachteiligte Kinder und Jugendliche nicht als Kronzeugen für ihre Benachteiligung heranziehen. Ganz anders als bei ihnen entstehen so manche Probleme, die junge Männer heute haben, gerade in Folge des Festhaltens an einem alten nicht mehr funktionierendem Männerbild. Wenn ich in meinem aktuellen Projekt für mehr Männer im Erzieherberuf werbe, so auch deshalb, weil Jungen dieses recht stabile Berufsfeld immer noch links liegen lassen, um sich auf „männliche“ Berufsfelder zu stürzen. Da gibt’s aber immer öfter unsicheren Perspektiven, viele dieser Arbeiten finden längst in Billiglohnländern statt. Junge Männer, die daran festhalten, dass sie „das Geld nach Hause bringen“, haben je nach Sichtweise Probleme mit ihrer Einstellung oder mit der Wirtschafts- und Arbeitspolitik, aber nicht mit Frauen oder ein paar Feministinnen.

    Bei manchen Benachteiligungen ist zu fragen, wer wem gegenüber benachteiligt wird. Wenn ein Zeitarbeiter beruflich wenig Vorteile seines Mannseins für sich sieht, kann ich das nachvollziehen – er wird benachteiligt. Aber nicht gegenüber Frauen, sondern gegenüber Festangestellten, Vollzeitangestellten – und das sind überwiegend Männer. Es wäre schön, wenn die kämpferische Kraft dieser Männer sich nicht gegen die viele Frauen neben Ihnen lenken würde, die in vergleichbaren Positionen sind, sondern gegen die über ihnen, die Gewinne mit Ihrer prekären Arbeit machen – viele Männer und wenige Frauen.
    Und wenn sich hier schon bei den Grünen diskutieren – schauen wir über den Tellerrand – wer macht Geheimverträge mit der Bundesregierung, bei denen er Millardengewinne einfährt? Männliche Konzernchefs. Wer schaltet Anzeigen für die Atomindustrie? 40 Männer. Verallgemeinern manche Männer von ein paar Frauen, mit denen sie Schwierigkeiten haben, oder trauen sie sich nicht, wirklich Mächtige und damit meist Männer anzugreifen? Eine klare Positionierung gegenüber herrschenden Verhältnissen und ihrer Repräsentanten hat auch nichts Ausgrenzendes, damit werden Machtstrukturen angegriffen und diejenigen kritisiert, die sich entschieden haben, diese zu vertreten.
    Wenn in all diesen Lebenslagen „die Feministinnen“ Verursacher sind, würde ich gerne wissen: Welche mächtigen Frauen repräsentieren denn bitte den angeblich herrschenden Feminismus? Welche gesellschaftlich bedeutsame Strukturen haben sie geschaffen, welche haben sie erobert? Und kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit Schwarzer und der Emma.

  10. Herr Höyng, nun bemühen Sie doch bitte nicht das leidige „Der/Die hat doch nur keine/n Abgekriegt“-Argument, wenn Ihre Analyse unseres Wirtschaftssystems kritisiert wird. Es ist wirklich traurig.

    Es stellt sich die Frage, wer sich nicht traut Macht in Frage zu stellen – wenn plötzlich eine stereotype Personifizierung der Interessensvertreter des Kapitals selbst zu den maßgeblichen Kapitaleignern werden. Als ob Ursula v.d. Leyen nicht ein allzu deutliches Beispiel dafür wäre, wie prächtig sich Partikularinteressen des Geldadels mit „Genderpolitik“ verstehen.

    Es wäre schön, wenn die kämpferische Kraft dieser Männer sich nicht gegen die viele Frauen neben Ihnen lenken würde, die in vergleichbaren Positionen sind, sondern gegen die über ihnen, die Gewinne mit Ihrer prekären Arbeit machen – viele Männer und wenige Frauen.

    Viele Männer und wenige Frauen? Sie projezieren offenbar ihr eigenes, geschlechtsspezifisches Vorurteil auf „Die Männerrechtler“ – Nur leicht entschärft dadurch, dass es „AUCH gute Männer und WENIGE böse Frauen“ geben soll. Oder lebt etwa die Mehrheit der Frauen in prekären Verhältnissen?

    Ein eventuell noch vorhandener Ausschluß von Frauen aus der Produktionssphäre ist wohl klar ganz ein anderes – natürlich diskussionswürdiges – Thema, wenn es um den Profit an der globalen Wertschöpfung geht. Für letzteren sind selbstverständlich Transferleistungen mit zu berücksichtigen. Freiheit ist etwas, wonach die allerwenigsten Menschen streben. Sie selbst leben von Transferleistungen.

    Wie kommen Sie nur darauf, dass es gegen Frauen ginge? Sind sie so davon überzeugt die Wahrheit gefunden zu haben, dass sie meinen dass jeder, der Ihre Paradigmen nicht teilt ein rückständiger Frauenhasser sein müsse?

    Es entsteht leider der Eindruck, der gegenwärtige institutionalisierte Profeminismus habe sich seit 1975 nicht wesentlich geändert.

  11. Wenn in all diesen Lebenslagen „die Feministinnen“ Verursacher sind, würde ich gerne wissen: Welche mächtigen Frauen repräsentieren denn bitte den angeblich herrschenden Feminismus? Welche gesellschaftlich bedeutsame Strukturen haben sie geschaffen, welche haben sie erobert? Und kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit Schwarzer und der Emma.

    Sie setzen voraus, dass nur Feministinnen „Feminismus“ vertreten können.

    Das einfache Feindbild des Feminismus vieler Männerrechtler kritisiere ich ja auch. Es blendet aus, das hegemonialer Feminismus zumeist sich im Kontinuum tradierter Männlichkeits- und Weiblichkeitsmythen bewegt.

  12. Sehr geehrter Herr Höyng,

    ich habe einfach mal ein bischen abgewartet um zu sehen, was passiert, und es passierte :

    Die üblichen Standardmantras :

    „Die 7 Jahre geringe Lebenserwartung?..mein Zwangsdienst… kein Sorgerecht…per Geschlecht von sämtlichen Fördermassnahmen ausgeschlossen..seit 20 Jahren keine einzige arbeitende Frau auf unserer Baustelle gesehen habe?“

    Ich könnte jetzt auf die aktuelle Debatte zum Wehrdienst hinweisen, auf das Thema Männergesundheit, traditionell männliches Berufswahlverhalten u.a., es ist aber mittlerweile in meinen Augen sinnlos.

    Ich setze einfach zielführende Hoffnungen in die weitere Arbeit von DISSENS e.V., die ja mittlerweile auch international vernetzt ist (Quelle : Heldendämmerung, Ute Scheub) wie auch des Bundesforums.

    Zu den Themen gibt es genügend weibliche Unterstützung, z.B. Mona Lisa im ZDF, FrauTV im WDR u.a.

    „Sind die Frauen, die sich von ihren Partnern trennen, so häufig Feministinnen?“

    Ich glaube, dass das Klagen wesentlich kleiner wäre, hätten die Leute eine Beziehung zu einer bekennenden und literaturbelesenen Feministin gehabt. Meiner Erfahrung nach sind eher die, die mit kokettem, devotem Augenaufschlag die vermeintliche Männlichkeit so hold bestätigen die, die hier die größten Wunden schlagen.

    „Allerdings hat die Frau auch ein Bedürfnis, das männliche Universum zu achten, denn sobald sie es in seiner Gesamtheit anficht, fühlt sie sich in Gefahr, ohne ein Dach über dem Kopf…Wie ein Kind stellt die Frau sich Gut und Böse in der Schwarzmalerei von Bilderbgen vor.“ (de Beauvoir, Das andere Geschlecht, S.757)

    „SIE WÜRDEN NICHT ALS ZWERGE ERSCHEINEN, WENN MAN NICHT VON IHNEN VERLANGTE, SIE MÜSSTEN RIESEN SEIN. Darin liegt ein Fluch, der auf der leidenschaftlich Liebenden lastet : ihre Großzügigkeit verwandelt sich sogleich in Ansprüche!“ (ebd.,S.815)

    „Die Frau, die sich selbst genügt, befreit den Mann von der ehelichen Sklavenschaft.“ (ebd.,S.858)

    Männerrechtler überhöhen die Macht von Frauen.

    Die Beantwortung dieses Konfliktfeldes liefert m.E. ein interessanter Ansatz von Prof. Hollstein, Geschlechterdemokratie, S.92, „Die Angst der Männer vor der Weiblichkeit“.

    Angesichts einer geringeren Repräsentanz von Frauen in der Politik und vor allem Wirtschaft ist die Vermutung einer „Femokratie“ m.E. nur vor diesem Hintergrund erklärbar, was m.E. auch die blindwütige Hitzigkeit der Argumentationen erklärt.

    „Femiphobie“ beschreibt es „Männliche Identitäten“ von Dammasch.

    Eine zielführende Darstellung finde ich in Ihren Ausführungen, vor allem in einer solidarischen und dialogischen Aufstellung einer Männerentwicklung. Die mythopoetische Männerbewegung nach Robert Bly findet von mir deshalb in Teilaspekten Zustimmung, weil sie sich sehr emanzipatorisch darstellt und MIT den Frauen zu leben vermittelt, nicht GEGEN sie. Alle Aspekte dort muß ich auch nicht übernehmen, aber die Ansätze mehr Selbstempathie und einfach vermutete Lebenswelten zu hinterfragen, halte ich für einen zielführenden Ansatz. Zumindest habe ich es so in „Steve Biddulph, Männer auf der Suche“, verstanden.

    Die weiteren Aufstellungen von DISSENS e.V., die männlichen Lebenswelten aufzufächern statt das traditionell-männliche „Konkurrenz-Karriere-Kollabs“ halte ich für sinnvoll, hier authentische Männlichkeiten modern zu definieren. Ein junger Mann, der sich z.B. selbst versorgen kann, kochen kann u.a., sucht sich eine evtl. Lebensgefährtin aus anderen Aspekten als den Wäscheservice.

    Auch psychologische Ansätze wie z.B. Hr. Kropp-Wichmann

    http://www.frauen-wollen-erwachsene-maenner.de/

    sind zielführend. Der Titel sollte nicht irritieren und richtet nicht nur auf Außenwünsche ab, sondern versucht Männer da abzuholen, wo sie sich auch gerne mal aufhalten : vielen Frauen gefallen zu wollen.

    Der Inhalt ist auf das eigenständige, von der Mutter losgelöste Erwachsensein abgestellt.

    Ich halte diese Ansätze gut für eine sinnvolle Jungmannsozialisation.

  13. „Inzwischen sind Väterrechtler zu Männerrechtlern und in den Medien zu Meinungsführern geworden.“

    Ich bin der Auffassung, man sollte diese Kleingruppen, die lediglich in den Medien sehr auffallen, nicht überbewerten. Es sind viel weniger als gemeinhin vermutet.

    Möchte die Gelegenheit auch nutzen, um im Zusammenhang mit der traditionellen Männlichkeitsvermutung auf einen drolligen Nebeneffekt aufmerksam zu machen.

    Der Mann auf dem Pferd raucht eine Frauenzigarette :

    https://diegesellschafter.de/diskussion/forum/thread.php?fid=13&nid=182311

    „Damals (1924) war Marlboro als reine Frauenzigarette positioniert und wurde mit einem rosa Filterende…“

    Meine Meinung : voll in Ordnung!

    Auf einer Feier hab ich nach einem Bierchen oder zwei auch schonmal geraucht.

    Na, wenn das kein Meilenstein zu einer konsequenten Gleichstellung in allen Lebensbereichen ist.

  14. Ich glaube, dass das Klagen wesentlich kleiner wäre, hätten die Leute eine Beziehung zu einer bekennenden und literaturbelesenen Feministin gehabt. Meiner Erfahrung nach sind eher die, die mit kokettem, devotem Augenaufschlag die vermeintliche Männlichkeit so hold bestätigen die, die hier die größten Wunden schlagen.

    Wenn Menschen emotional mit dem Rücken an der Wand stehen, greifen sie manchmal zu allem was sich anbietet. Die von denjenigen, denen die Ressourcen für eine „Elaboriertheit“ zuteil wurde vorgetragene Kritik des praktischen Familienrechtes bemängelt deshalb nicht die Menschen die ihre Kinder nicht aus dem Speil lassen können, sondern die Tatsache, dass dies allzu einfach gemacht wird. Der Diskurs ist auch einer der „Mittelschicht“ gegen die „Unterschicht“, weil die Administration oft aus einem merkwürdigen Feminismus heraus für „Unterschichtfrauen“ Partei ergreift. Das hat in Deutschland, was sich leicht durch historische Quellen (z.B.: Meyers Konversationslexikon von 1885) belegen lässt, eine sehr lange Tradition.

    Vorstellungen, die Frauen per se als die in Beziehungen schwächeren sehen und dies in geltendes Recht/moralische „Legitimtät“ umsetzen / umgesetzt sehen wollen sind dabei der Anlaß der Kritik, es geht doch nicht darum dass es ein paar bekennende Feministinnen gibt.

  15. Herr Höyng, mich persönlich interessiert es überhaupt nicht, ob, wie Sie schrieben, in den führenden Positionen Männer oder Frauen sitzen und entscheiden. Solange deren Entscheidungen zu meinen Lasten gehen, habe ich als Mann vom angeblichen Patriarchat überhaupt nichts, im Gegenteil. Kennzeichen von Patriachen war und ist es Frauen gesellschaftliche Schutzräume zu ermöglichen, die ich als Mann nie bekommen werde, sei es bei den Zwangsdiensten, der Möglichkeit auf Kosten des Partners zu leben, oder auch als geschlagener Mann in ein Frauenhaus zu gehen.

    Und es ist keineswegs so, daß nur Männer in Machtpositionen sitzen und Männern das Leben schwer machen, ich darf da mal z.B. an Frau Zypries mit ihrem Vaterschaftsverbotsgesetz erinnern, an Frau von der Leyen, die sagte sie fände es nicht schlimm, wenn die Mädchen in der Schule an den Jungs vorbeiziehen, an Frau Leutheusser-Schnarrenberger, die noch Anfang des Jahres keinen Reformbedarf beim Sorgerecht sah, an Frau Hahne vom BGH, dem mächtigen djb, dem größtenteils weiblich besetzten Familienrechtsausschuss des Bundestages, etc. pp.
    Ohnehin waren die meisten Justizminister, und bis auf eine Ausnahme alle Familienminister weiblich. On top gibt es noch den VAMV, tausende von „Gleichstellungsbeauftragten“, die Parteien in denen es Frauenquoten und Frauenpolitik aber nichts für Männer gibt. Dies alles ergibt einen feministischen Wust, der sich inzwischen wie Mehltau über unser Land legt.

    Gottseidank erlebt eine vom Feminismus unabhängige Männerbewegung einen Aufschwung, während die etablierte, profeministische Männerbewegung immer mehr an Boden verliert. Es war auch höchste Zeit.

  16. @Stephan Höyng:

    „Da gibt’s aber immer öfter unsicheren Perspektiven, viele dieser Arbeiten finden längst in Billiglohnländern statt.“

    Oh, nein, bitte nicht sowas!

    Uns als Exportland kann so ziemlich nichts schlimmeres passieren, als dass Handwerk oder produzierendes Gewerbe ins Ausland abwandern, weil bei uns das niemand mehr lernt, keiner mehr technische Berufe ergreift etc.

    Verwerfungen auf Grund des Niedriglohns in anderen Ländern sind sowieso nur momentan – auf Dauer wollen die Leute dort denselben Lebensstandard haben, den wir haben.

    Aber wenn einmal Wissen abgewandert ist, kommt es nur zurück, wenn … man selber zum ehemaligen Niedriglohnland geworden ist.

    Dienstleistungssektor ist ja schön und gut, aber wir können uns nicht gegenseitig Musik beibringen und die Haare kämmen und gleichzeitig satt werden – und ich glaube, der Export von Musikern und Putzkräften in die Emirate ist schon von den Philipinnen besetzt.

    Aktuell habe ich neulich erst wieder von einem Aufruf der Hamburger Handwerkskammer gelesen, dass junge Menschen doch bitte ihre Ausbildung in Handwerksberufen suchen sollen, es würden mittlerweile auch Hauptschüler genommen und die Betriebe würden die Bildungslücken, die die Schulen gelassen haben, aufzufangen versuchen.

  17. Junge Männer, die daran festhalten, dass sie „das Geld nach Hause bringen“, haben je nach Sichtweise Probleme mit ihrer Einstellung oder mit der Wirtschafts- und Arbeitspolitik, aber nicht mit Frauen oder ein paar Feministinnen.

    ..und manchmal auch mit neoschwarzen Pädagogen, die darin nur die böse „Hegemoniale Männlichkeit“ erkennen, und nicht auch das Bedürfnis, für andere sorgen zu wollen.

  18. [QUOTE]..und manchmal auch mit neoschwarzen Pädagogen, die darin nur die böse “Hegemoniale Männlichkeit” erkennen, und nicht auch das Bedürfnis, für andere sorgen zu wollen.[/QUOTE]

    Wobei man im Grunde das Bedürfnis „Geld nach Hause zu bringen“ viel mehr Frauen anerzogen wünscht – ich finde, Frauen wird viel zu sehr eingetrichtert, sie könnten nun mittlerweile einen Beruf ausüben, weil sie „befreit“ sind; statt dass Ihnen gesagt wird, auch bitte/endlich mal ein Scherflein zum Unterhalt von Männern und Kindern beizutragen.

    mit der Folge, dass Frauen entweder Selbstverwirklichungsfächer, die für 75 % gerade mal dazu taugen, später die gebildete Gastgeberin zu spielen, studieren oder aber Ausbildungsberufe annehmen, die kaum sie selber ernähren.

  19. Hr. Prof. Hyöng,

    möchte nochmal gerne auf diese Passagen Bezug nehmen und ein paar Anregungen einbringen :

    „Solidarische Haltung nicht aufgeben
    Gleichstellung eröffnet mir eine Perspektive, mit der ich analytisch alle sozialen Vorgänge betrachten kann. Ich brauche anderen nicht ihr Leid abzusprechen, ich sehe vielmehr Verbindungen und Gemeinsamkeiten.“

    Genauso sehe ich das auch.

    Eine ganzheitliche Betrachtung der Thematik weg von Patrikularbetrachtung ist zeitgemäß und m.E. auch optimistisch auf die Schiene gesetzt.

    So wird gender-mainstreaming nicht in der „Frauenecke“ belassen, was Hr. Prof. Hollstein in „Geschlechterdemokratie“ gut recherchiert hat, sondern die Lebenswelten von Frauen UND Männern berücksichtigt.

    „Es gibt Erklärungen, die nicht den nächstliegenden zum Schuldigen erklären, sondern Verbindung zu anderen sozialen Bewegungen eröffnen.“

    Die Schuldfrage ist müßig. Angesichts der erheblichen Veränderungsprozesse innerhalb der letzten 2 Jahre gilt es m.E. optimistisch nach vorn zu schauen und z.B. moderne, erweiterte Konzepte von Männlichkeit zu definieren.

    Der Betreiber des „Väterblogs“ Väter-und-Karriere Hr. Nelles, Mitunterstützer des Bundesforums Männer, betreibt hier auch gute Öffentlichkeitsarbeit und wirbt z.B. für erweiterte Unternehmenskulturen, wie sie z.B. in Schweden Normalität sind.

    http://vaeter-und-karriere.de/blog/index.php/2010/09/04/dad-culture-in-schweden/

    „..dokumentierten Benachteiligungserfahrungen von Männern im familienrechtlichem Bereich zum Ausgangspunkt für eine Ergänzung ihrer Perspektiven zu nehmen. Es gibt bei Männern und Jungen Benachteiligung aufgrund ihres Geschlechts. Es ist ein feministischer Grundgedanke, Betroffenen mit wissenschaftlicher Forschung eine Stimme zu geben. Parteilichkeit auch für diese Jungen und Männer kann und darf aber nicht zurück zu den Generalisierungen führen,…“

    Ich kenne z.B. Erlebnisberichte aus dem Kreis Väter helfen Vätern e.V. Ich denke, hier aus konservativen alten Klischeebildern herauszukommen wie „Kinder gehören natürlich zur Mutter“ sind durch moderne Erkenntnisse anzureichern wie Beiden Elternteile sind wichtig.

    Ich einen Mitarbeiter eines Jugendamtes schonmal höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass seine Mutterorientierung eher sehr antifeministisch und unemanzipatorisch ist.

    „Es wird immer Tanten, Großmütter oder Cousinen geben, die ein Gegengewicht zum Einfluß des Vaters bilden. Normalerweise wird ihm in Bezug auf seine Tochter ohnehin eine Nebenrolle zugewiesen. Ein Fluch, der auf der Frau lastet – genau das hat Michelet hervorgehoben -, besteht darin, daß sie in ihrer Kindheit Frauenhänden überlassen bleibt.“

    (de Beauvoir, Das andere Geschlecht, S.349)

    Vor diesem Hintergrund würde ich auch das m.E. aktuell eher zu kurz kommende Thema Töchter-Väter beleuchten, was wiederum Schnittstellen zu feministischen Ambitionalitäten aufzeigt.

    Das Herausstellen von Gemeinsamkeiten wirkt m.E. einer Polarisierung entgegen und weist die Männersache nicht als einfache Contra-, sondern als eine zielorientierte, professionelle Pro-Bewegung aus.

    Hier sehe ich noch Innovations- und weiteres Aufbaupotential im Hinblick auf die Kommunikationsebene und die public relations.

    http://vaeter-und-karriere.de/blog/index.php/2010/09/06/eine-lobby-furs-starke-geschlecht/

    Überträgt man Konzepte des strategischen Marketings auf die Sache, finden sich Potentiale zum Aufbau einer Corporate Identity, die z.B. als untergeordneten Punkt einen „corporate behavior“ beinhaltet.

    Das bedeutet im Klartext, wie in professionellen global-playern wäre z.B. ein „Verhaltenskodex“ im Rahmen des CI, wie er z.B. in Diskussionsrichtlinien und Umgang mit Kritiken, Argumentationen, solidarische Aufstellung mit Frauen u.a. fixiert werden könnte.

    Die schweizer Männer.ch z.B. bezog bei der Veranstaltung im April in Köln ganz klar dahingehend Stellung, polarisierende Positionen oder grenzwertige stereotypisierende Einstellungen dem weiblichen Part gegenüber werden nicht geduldet.

  20. @Höyng:

    „Viele der aufgelisteten Benachteiligungen sind im Feld der Familienpolitik erlebt worden. Wer entscheidet da?“

    Die letzte Reform wurde ja unter den Grünen und der SPD von Zypries durchgeführt, die ja bekanntermaßen eine Feministin ist.

    Ich erinnere mich an eine Talkshow, in der die Dame dasass und gegenüber den Angriffen von ein paar Feministen ( auch vom VAMV, wenn ich mich richtig erinnere), die ihr aufgeregt vorwarfen, dass da ja Männer aus der Verantwortung entlassen würden, verkündete, sie habe ja überhaupt keine Veränderung – es bleibe alles beim alten, nur bei den Mangelfällen werde ein wenig korrigiert.

    Wer nicht das Glück gehabt hat, 2008 geschieden zu werden, als die Gerichte das grün-rote Unterhaltsrecht anwendeten wie es geschrieben steht, hat auch mittlerweile wieder gute Chancen, der grün-roten Unterhaltsintention aufzusetzen: Das alte Altersmodell der Betreuung wird gerade durch die Hintertür von einer konservativen Richterschaft wieder eingeführt, was bedeutet, dass man wieder jahrelang Unterhalt zahlen kann.

    Ein Paradebeispiel, für das, was ich unheilige Allianz von Konservativen und Feministen nenne – und das getragen von der SPD, wofür ich mich immer noch schäme, wenn ich mal wieder jemandem erklären muss, wieso er nach nahezu drei oder vier Jahrzehnten Ausbildung, Sorge für seine Familie und Vollzeitarbeit … auf Sozialhilfeniveau leben muss.

    Wissen Sie, Herr Höyng, ich glaube, Sie stellen nur deswegen nirgendwo konkrete Forderungen, weil sie dann aufwachen müßten und erkennen würden, dass die von Ihnen beschworenen „Bündnisse“ nicht existieren – und damit sind sie in der Tat ein Bestandteil des Establishments, nicht der Kritiker, als der sie gerne fungieren wollen.

  21. Noch drei Fragen an Herrn Höyng:

    1.) Halten Sie es es für Nützlich, dass Unterhaltszahlungen bei der offiziellen Armutsstatistik als „Konsumausgaben“ nicht berücksichtigt werden, und dass so unsichtbar bleibt, dass zumeist zu jeder in Armut lebenden Alleinerziehenden und ihre Kinder ein „Mangelfall“-Vater , der logischerweise dann ebenfalls in Armut lebt, gehört?

    2.) Inwieweit stellt eine solche Politik der Darstellung von Armut in Ihren Augen ein Ausspielen von nichtprivilegierten Männern gegen nichtpriviligierte Frauen dar?

    3.) Ist es ethisch und akademisch zu vertreten, nicht die für die Erstellung der Armutsstatistik Verantwortlichen für dieses Gegeneinanderausspielen verantworlich zu machen, sondern diejenigen, die diese Form der Statistik – natürlich ebenfalls mit den gängigen Identitätsstiftenden Mechanismen sozialer Bewegungen – zu Kritisieren? Als „Frauenfeindlich“ zu Framen, obgleich sie von „Feminismus“ sprechen, und nicht von „Frauen“? Ist Wahr, was der „Bewegung“ nützt?

    Sorry, ich habe vielleicht zuviel DDR erlebt..

  22. („Kritisieren“ – und nicht „zu Kritisieren“ sollte es heißen)

  23. Ich propbier es nochmal, den Gedanken unterzubringen:

    @Höyng:

    „Junge Männer, die daran festhalten, dass sie „das Geld nach Hause bringen“, haben je nach Sichtweise Probleme mit ihrer Einstellung oder mit der Wirtschafts- und Arbeitspolitik, aber nicht mit Frauen oder ein paar Feministinnen. “

    Junge Männer, die Dissens folgen und nicht das Geld nach Hause bringen, haben aber in der Regel auf Dauer Probleme mit dem Familiengericht und werden von Feministen als Väter, die sich ihrer Unterhaltsverpflichtungen entziehen, denunziert.

    Es ist schade, dass Sie, Herr Höyng und mit Ihnen Vereinen wie Dissens nicht über die im wesentlichen komplett unvereinbaren Anforderungen reflektieren, denen jungen Männer heutzutage ausgesetzt sind.

    Ich persönlich halte diese doppelten Botschaften, die junge Männer heutzutage erhaltne, für einen wesentlichen Grund für Dinge wie ADS, Schulversagen, etc. …

  24. @Andreas:

    ..weil sie dann aufwachen müßten und erkennen würden, dass die von Ihnen beschworenen “Bündnisse” nicht existieren..

    Naja, das lang tradierte Bündnis der Linken mit Feminismus (man denke nur an August Bebel) wurde mitte der 1970er vom radikalen Feminismus aufgekündigt. Gebildete Mittelschichtfrauen zu der Zeit hatten ja die wahre Wurzel des Übels herausgefunden 😉 Natürlich kann man sich da mit Konservativen verbünden, es sind doch alles Männer..

    Sozialistische Feministinnen und Profeministen (z.B. Connell) konnten dem teils entgegenwirken, indem sie einen ursächlichen Zusammenhang zwischen „Patriarchat“, „Rassismus“ und „Kapitalismus“ theoretisierten. Dies bot Legitimationsspielraum für eine Funktionärskaste: Indem sie gegen die „hegemoniale Männlichkeit“ agiert, steht sie ja vermeintlich auf der Seite aller Unterdrückten. „Marginalisierte Männlichkeiten“ können dabei „Bündnispartner“ sein, wenn sie der „Komplizenschaft“ mit der „hegemonialen Männlichkeit“ abschwören. „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die Männliche abschaffen“ – Das schöne daran ist, dass man so konservative Vorstellungen ganz leicht als „Progressiv“ markieren kann. Man ist doch nicht essentialistisch, gemeint ist doch die „hegemoniale Männlichkeit“..

    Dann kommen u.A. die Beusts, Wowereits und Westerwelles daher und führen, für jeden sichtbar, das Kernparadigma ad absurdum: Die Welt dreht sich einfach wie gewohnt weiter, obwohl sich mächtige und nach Macht strebende Männer als Homosexuell outen, sie bleiben einfach in ihren Positionen trotz der Tatsache dass sie das „Patriarchat“ nicht „am effektivsten legitimieren“. Die „marginalisierten Männlichkeiten“ unterstützen sie einfach weiterhin, obwohl ihnen doch theorethisch die „patriarchale Dividende“ abhanden zu kommen droht. Der „transnationalen Unternehmermännlichkeit“ scheint die Abgrenzung vom Weiblichen ebenfalls ziemlich piepegal zu sein, wie Connell ja – offenbar einigermaßen enttäuscht – feststellen muss: Sie kann sich doch glatt Frauenquoten leisten, obwohl sie die Umwelt zerstört und Frauen in den Sweatshops ausbeutet. Muss wohl daran liegen, dass sie häufig auf gekauften Sex zurückgreift..

    Damit kommt einerseits die Illusion abhanden, man könne die Welt durch die Veränderung von Männlichkeit retten, andererseits werden Pöstchen und Legitimationen eines Teils der Mittelschicht obsolet.

    Streng genommen müsste man sagen: hegemoniale Männlichkeit ist profeministisch geworden, was aber nach dem Paradigma doch gar nicht sein kann, ohne dass die Welt aus den Fugen gerät.

    (Bevor mir jemand vorwirft, ich würde reduzieren: Ob theoretische Konzepte „in Wahrheit“ fundierter sind oder nicht speilt für die politische Praxis keine Geige. Entscheidend ist die Anwendung)

  25. Herr Prof. Höyng, Sie möchten Teil einer sozialen Bewegung sein? Nun, warum grenzen Sie sich dann von Männerrechtlern wie agens oder manndat ab? Gerade bei agens ist definitiv kein „ausgrenzendes Menschenbild“ zu erkennen, im Gegenteil.
    Das Sie mit Dissens e.V. zum Establishment gehören, wurde ja bereits erläutert. Sie bekommen Fördergelder, und machen Männer- und Jungenarbeit, die sich an feministischen Zielen orientiert. Bestes Beispiel ist ihr Projekt „Neue Wege für Jungs“, bei denen Jungs z.B. einen „Haushaltsparcours“ absolvieren, unter den gestrengen Augen der Frauenbeauftragten:
    http://www.neue-wege-fuer-jungs.de/Neue-Wege-fuer-Jungs/Service-Download/Haushaltsparcours
    Während den Jungs dort Tätigkeiten wie Bügeln und Wäsche waschen nahegelegt werden, werden Mädchen am Girls Day qualifizierte Praktika in Naturwissenschaften und im IT-Bereich angedient. Mal ehrlich Herr Prof. Höyng, wie glaubwürdig ist das bitte?

  26. „Bestes Beispiel ist ihr Projekt “Neue Wege für Jungs”, bei denen Jungs z.B. einen “Haushaltsparcours” absolvieren, unter den gestrengen Augen der Frauenbeauftragten:

    Während den Jungs dort Tätigkeiten wie Bügeln und Wäsche waschen nahegelegt werden, werden Mädchen am Girls Day qualifizierte Praktika in Naturwissenschaften und im IT-Bereich angedient.“

    Hr. Prof. Höyng, bitte gestatten Sie mir hierzu ein paar klärende Anmerkungen :

    1. Im Rahmen der Jungmannsozialisation ist es sinnvoll, auch jungen Männern ein Stehen auf eigenen Beinen zu ermöglichen. Hierzu gehört auch die selbstständige Eigenversorgung wie Kochen und auch das Waschen und Bügeln der Wäsche. Nach Hr. Kopp-Wichmann liegt das ideale Alter für Männer einen eigenen Haushalt zu betreiben bei ca. 23 Jahren.

    2. Ich sehe keine rechtliche oder naturbedingte Legitimation dafür, dass o.g. Tätigkeiten, die Männeraktivisten als unbequem empfinden, ausschließlich Sache des weiblichen Geschlechts ist.
    Eine solche Forderung ist nicht hinnehmbar.
    Darüberhinaus ist es im Rahmen des persönlichen Wachstums und Loslösung vom häuslichen Umfeld, um lebensfähig zu sein, nicht sinnvoll, dass Männer wie früher vom Hotel Mama ins Hotel Ehefrau hinüberwechseln.
    Dies wird von Männern und Frauen wie auch modernen Feminist_innen zu recht reklamiert.

    3. Früher wurde von Männeraktivisten beanstandet, dass es zum girls-day, der ja überaus erfolgreich war, kein Pendant gibt (Quelle : TV-Beitrag des SWR „Jungs auf der Kippe“ aus 05/2008 bei einer ordentlichen Jahreshauptversammlung von MANNdat e.V.).

    http://www.zeit.de/karriere/beruf/2010-07/frauenanteil-auszubildende

    „Auch der Frauenanteil bei den Meisterprüfungen habe sich in knapp 20 Jahren auf etwa 20 Prozent verdoppelt.“

    Im Rahmen der Pluralisierung der Lebensentwürfe von Frauen und Männern und Self-Empowerment von Männern im Hinblick auf ihr Berufswahlverhalten ist ein boys-day angedacht, was bei AGENS e.V. leider unerwartet kritisch angemerkt wurde.

    http://www.freiewelt.net/blog-1760/%22boy%27s-day%22%3F-nein-danke%21.html

    Abgesehen davon, dass ich Begrifflichkeiten wie „Umerziehung“ bzw. „Ideologie der Radikalfeministinnen“ oder „Sozialverträglich machen von Jungs“ sehr kritisch bewerte, ist auch aus dem Grunde die Erweiterung der männlichen skills sinnvoll und notwendig, da nunmal die Zeiten vorbei sind, wo Saurier zum Lebensunterhalt gejagt werden müssen und das Überleben in der Zivilisation andere tools erfordert.

    Auch sind in den Schulen die etwas sensibleren „Kopfjungen“ vor den gewaltdefinierten „Faustjungen“ besonders zu schützen, um hier die Förderung wertvoller gesellschaftlicher human ressources bei Jungen UND Mädchen zu ermöglichen.

    Desweiteren sind solche Erscheinungen der Geringerschätzung weiblicher Kompetenzen nicht länger hinnehmbar und m.E. skandalös :

    http://www.focus.de/finanzen/news/ausbildungsreport-hotelazubis-fuehlen-sich-ausgenutzt_aid_547707.html

    „Weiterhin verdienten Frauen im Schnitt monatlich rund 110 Euro weniger. Ein Grund sei, dass sie „typische“ Frauenberufe ergriffen, so Sehrbrock. Ihrer Meinung nach dürften weibliche Lehrlinge aber nicht länger dafür bestraft werden, dass sie Dienstleistungen einbringen, Menschen pflegen oder beruflich Kinder erziehen.“

  27. Dissens-Ziel ist „nicht der andere Junge sondern gar kein Junge“

    im folgenden ein Auszug aus Spiegel online vom 30.12.2006 zur Thematik Gender Mainstreaming. Konkret geht es um den Verein „Dissens e.V“, den Herr Hyöng mitbegründete.

    „So spielten Dissens-Mitarbeiter bei einer Projektwoche mit Jungs in Marzahn einen „Vorurteilswettbewerb“, an dessen Ende die Erkenntnis stehen sollte, dass sich Männer und Frauen viel weniger unterscheiden als gedacht. …..Am Ende warfen die beiden Dissens-Leute einem besonders selbstbewussten Jungen vor, „dass er eine Scheide habe und nur so tue, als sei er ein Junge“, so steht es im Protokoll.“

    Weiter im Text wurden die Ziele des Vereins konkretisiert: „Das Ziel einer „nichtidentitären Jungenarbeit“ sei „nicht der andere Junge, sondern gar kein Junge“.“

    Diese Vergewaltigung der eigenen Identität wünsche ich niemandem, insbesonderen nicht Kindern und Jugendlichen, weder Mädchen noch Jungen.

    Weitere Ziele sind:“…Jungs früh zu Kritikern des eigenen Geschlechts zu erziehen.“

    Ich habe es schon einmal in diesem Blog erwähnt: Vieles hier erinnert mich zu sehr an die Hauswirtschaftsschulen der 50er Jahre. Darin wurden Frauen auf Ihr Rollenbild als brave Hausfrau trainiert. Jetzt läuft es bei den “feministischen Männern” ähnlich, nur mit anderen Vorzeichen. Das Männer diesen Herren nicht trauen, sollten Sie verstehen. Zu lange hat der Feminismus das männliche Geschlecht per Definition diskriminiert und für alle gesellschaftlichen Übel verantwortlich gemacht. Und dies tut er noch heute.

  28. „.Auszug aus Spiegel online vom 30.12.2006 zur Thematik Gender Mainstreaming.“

    Dieser Einzel-Bericht aus 2006 wird immer wieder ausgegraben. Erstmal handelt es sich um Zitate in einem Bericht eines Mediums, und weiterhin sind die Aussagen vor dem Hintergrund des Gesamtkonzeptes alles andere als „identitätszerstörend“, wie gemeinhin behauptet. Ich kenne die Erfahrung, das einzige, was Männer wirklich kaputtmacht, sind überkommene Rollenbilder und -erwartungen an sich selbst, die heutzutage nicht mehr erfüllt werden können und u.a. im Extremfall zu früherer Mortalität, Risikoverhalten, Alkoholismus u.a. führen können.

    Es geht um die Erweiterung männlicher Lebensoptionen und deren gesellschaftliche Wertschätzung. Die hohen soziokulturellen Einflüsse auf Geschlechterrollen werden immer wieder offenbar, so dass die Schäden angelernter Rollen zu hinterfragen zeitgemäß und schlüssig ist.

  29. @ Th. Schmidt:
    Richtig erkannt, hier wird mal wieder alles ausgegraben und interessiert missverstanden, was Erkenntnis verdunkelt.

    Jeder, der mal in einer Schule oder außerhalb mit Jugendlichen gearbeitet hat weiß, dass solche Sätze wie die zitierten provozieren, aber die „Identitätszerstörung“ allenfalls bei ein paar Journalisten und Männer-Rechtlern mit offenbar labiler Geschlchtspolsterung vor sich geht.

    Offenbar müssen immer noch Leute der Kampagne von damals auf den Leim gehen. Sie wurde übrigens hauptsächlich am Leben gehalten von „MannDat“ (die damals in ihrem Forum sogar Aufrufe verbreiteten, Dissens zu verklagen) und der rechtsradikalen „Jungen Freiheit“, für die der nach rechts ohnehin gut vernetzte Blogger Arne Hofmann über Dissens hetzte. Garniert wurde das mit Einlassungen von Gerhard Amendt, der die Arbeit von Dissens gar in die Nähe von Folter rückte.
    Amendt selbst wiederum will Homosexuellen pauschal das Recht auf Elternschaft absprechen und Frauenhäuser auflösen. Mit Hofmann kooperiert er in der Antifeminismus-Gruppe „Agens“. Soviel zu diesem Spektrum.

    Anders der (durchaus selber feminismus-kritische) Pädagoge und Jungenarbeiter Reinhard Winter, der laut taz (17.01.2007) „die Aufregung um den Verein Dissens für unnötig“ hält. Weiter:
    >>“Das viel größere Problem ist, dass sie in der Schule einer Dauerberieselung mit unreflektierten Geschlechterstereotypen ausgesetzt sind.“ Und diese können seiner Ansicht nach beide verbreiten: feministische LehrerInnen, die die Jungs pazifizieren wollen – genau wie Lehrer, die meinen, alle Jungs müssten Fußball lieben. Denn beides geht über die Bedürfnisse des Einzelnen hinweg. (…) Den konstruktivistischen Ansatz hält er dabei für sinnvoll: „Die Jugendlichen lernen, dass sie ihre Identität situativ herstellen und deshalb auch situativ verändern können“, erklärt er. Das Herangehen von „Dissens“ sei deshalb erst einmal gut und auch seriös.
    Der Verein selbst betont, das provokante Vorgehen der Pädagogen habe mit der Zielgruppe zu tun gehabt: Es seien keine labilen, problematischen Jungen gewesen, sondern die neunte Klasse einer Realschule. „Das waren stabile Personen, die die Provokation als solche verstanden haben“, sagt Andrea von Marschall. Ohnehin sei diese Art des Infragestellens von Identitäten nur eine von vielen unterschiedlichen Methoden des Vereins.“

    Aber wer nachweist, dass Sätze wie „

  30. @Spin :

    Erstmal vielen Dank für die weiterführenden Hintergrundinformationen.

    Ich hatte damals im Sportverein Jugendliche für Wettkämpfe trainiert und sehe dies ebenfalls sehr gelassen vor dem Hintergrund, über die eigene Rolle als Mann nachzudenken. Von „Identitätszerstörung“ zu sprechen sehe ich männerrechtlerisch radikalisiert und radikalisierend und deutet meinem Eindruck nach auf konservative Rollenfixierungen.

    „..Antifeminismus-Gruppe “Agens““

    Ich war seinerzeit zunächst interessiert aufgrund der Begrifflichkeit „Geschlechterdemokratie“, die ich aus der Fachliteratur jedoch anders definiert kenne. Auch die Teilnahme am „Antifeminismustreff“ ist nicht das, was Hr. Prof. Hollstein unter „Demokratisierung von Geschlechterverhältnissen“ analysiert hat. Die vorwiegend antifeministische Positionierung wie auch die Schnittstellen zu MANNdat e.V. kann ich nicht teilen.

    „Das viel größere Problem ist, dass sie in der Schule einer Dauerberieselung mit unreflektierten Geschlechterstereotypen…, die meinen, alle Jungs müssten Fußball lieben. Denn beides geht über die Bedürfnisse des Einzelnen hinweg.“

    Dies trifft genau meinen Standpunkt. Hier werden wieder eindimensionale stereotype Ausrichtungen und Geschlechterdichotomien vermittelt, die freie Lebensplanungen m.E. prägen und einschränken.

    „Das Herangehen von “Dissens” sei deshalb erst einmal gut und auch seriös. Der Verein selbst betont, das provokante Vorgehen der Pädagogen habe mit der Zielgruppe zu tun gehabt: Es seien keine labilen, problematischen Jungen gewesen, sondern die neunte Klasse einer Realschule. “Das waren stabile Personen, die die Provokation als solche verstanden haben”, sagt Andrea von Marschall.“

    Ich bin der Auffassung, dass diese Arbeiten und die professionelle Aufstellung von DISSENS e.V. oder „Neue Wege für Jungs“ stärker medial kommuniziert in den Mainstream transportiert werden sollten. Die wenigen Männerrechtler trommeln viel, haben jedoch außer vorwiegend antifeministischer Protestpositionen meinem Eindruck nach inhaltlich nicht viel zu bieten.

    Große Bedenken habe ich, wenn selbsternannte Jungenförderer ohne pädagogischen Background in die Schulen gehen oder an Jugendblogs herantreten :

    http://webjungs.de/jungs/jungs-erwachsene/bruno-kohler-jungs-zum-helden-machen-schwarzwaelder-bote-de/

    Hier sind z.B. auch Schnittstellen zu „Femokratieblog“ erkennbar.

    Aus diesem Grunde setze ich auf eine deutliche und konsequente Ausweitung der Pressearbeit des inhaltvollen professionellen „Bundesforums Männer“ und seiner Akteure wie z.B. DISSENS e.V. oder auch „Neue Wege für Jungs“.

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