Immergleiches, Wohlstandsprobleme und Gemeinplätze – wir brauchen eine gelassene und differenzierte Debatte um Männlichkeiten.

von Sven Glawion

Immergleiches, Wohlstandsprobleme und Gemeinplätze – wir brauchen eine gelassene und differenzierte Debatte um Männlichkeiten.
Feministische Theorie, emanzipatorische Politik und Männer- und Männlichkeitsforschung haben viel zur Verbesserung von Chancengleichheit und Geschlechterdemokratie zu bieten. Die Begleitmusik von Antifeministen sowie von „Grünen Feministen“ ist hingegen aus der Zeit gefallen.

Das Männermanifest der „Grünen Feministen“ – so die Selbstbezeichnung – wird in Online-Diskussionsforen auch als „Memmenmanifest“ bezeichnet. Die lauter werdende Väterbewegung provoziert sehr unterschiedliche politische Reaktionen. Kommentator/-innen wittern einen erstarkenden Antifeminismus, neue Feminismen oder männliche Nestbeschmutzer. Viel Lärm um nichts?

Wohlbekanntes und Immergleiches

Manche aktuelle Beiträge zur Lage der Nation, zum Beispiel einige der zahlreichen Artikel zu Jungen als Bildungsverlierer, erwecken tatsächlich den Eindruck, Feministinnen regierten die Republik und führten Jungen und Männer in die Knechtschaft. Gruppen mit einer Affinität zum Antifeminismus oder zur Männerbündelei – der Soziologe Michael Meuser spricht hier vom „Maskulinismus“ und von differenzorientierten „Mythopoeten“ – melden sich zu Wort. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Massenbewegungen. Politisch einflussreicher sind die Väterrechtler, die oft gegen Feministinnen auftreten. Jenseits solcher Gruppierungen artikuliert sich in Internet-Foren und Verständigungsliteratur ein dumpfes und undifferenziertes Unbehagen mit der Gleichberechtigung, was von den Medien gerne bedient wird. Dass Talkshows und Boulevardpresse statt der Expertise von Männerforschern lieber polarisierende Emotionsausbrüche präsentieren, mag ärgerlich sein, hängt aber mit der Logik des Marktes zusammen.

Diesen diffusen und leicht paranoiden Ausfällen gegen feministisches Denken und emanzipatorischer Politik kann jedoch, so denke ich, mit Gelassenheit entgegengetreten werden, da sich hier letztendlich nur Wohlbekanntes und Immergleiches artikuliert. Von Otto Weiningers Ausführungen in „Geschlecht und Charakter“ über C.G. Jungs Artikel „Die Frau in Europa“ bis zu sexistischen Ausfällen selbst in linken Medien begleitete der Antifeminismus die Erste und Zweite Frauenbewegung und manche erkennen in dem aktuellen Gewimmel von Neokonservativen, populistischen Soziobiologen und Väterrechtlern das berechenbare antifeministische Pendant zu einer dritten feministischen Welle. Selbst Frauen mischen hier mit, was sich nicht zuletzt 2006 an der – kurzlebigen (!) – Kontroverse um Eva Hermans „Eva-Prinzip“ zeigte. Was diese Perspektiven durch die Jahrzehnte verbindet, ist oft der Gedanke einer Entfremdung, nach der sich sowohl Frauen als auch Männer durch feministische Egalitätsvorstellungen und Gleichberechtigung der Geschlechter von sich selbst entfernten. Männer und Frauen hätten demnach qua Natur unterschiedliche Fähigkeiten und Grenzen, bei einer Relativierung dieser vermeintlichen Konstanten drohe ein Geschlechterkampf, der den Mann psychisch kastriere.

Solche Fantasmen haben nicht nur eine Tendenz zum antidemokratischen Denken, sondern bieten kaum pragmatische Antworten für junge Menschen, die mit den Realitäten einer flexibilisierten Arbeitswelt konfrontiert sind. Sie haben außerdem nichts mit einem ausdifferenzierten, wandelbaren und politisch oft sehr konkreten Feminismus (von dem eher im Plural zu sprechen ist) zu tun, sondern basieren vielmehr auf Zerrbildern und Projektionen sowie auf verallgemeinerten Erfahrungen. Dass Männer gelegentlich schlechte Erfahrungen mit Frauen machen, ist (so wie der umgekehrte Fall) Alltag. Doch das rechtfertigt keinen Pauschalangriff gegen Feminismus und Gleichberechtigung. Es gibt auch keinen kausalen Zusammenhang zwischen eventueller rechtlicher Reformbedürftigkeit aus Väterperspektive und der Sehnsucht nach dem Patriarchat.

In einer pluralistischen Gesellschaft darf es aber auch Schmollecken für die Männer geben, die sich von Chefinnen, gesunder Ernährung und dem Handarbeitsunterricht ihrer Söhne in ihrem Innersten bedroht fühlen. Politisch gilt es jedoch, Demokratie zu gestalten und soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen. Dafür hat die Vielfalt des Feminismus viel zu bieten – und zwar für alle.

Jammern auf hohem Niveau

Wie dürftig jedoch die diesbezüglichen Angebote der „Grünen Feministen“ ausfallen, ist irritierend. Ihr Manifest ähnelt in seinem Pathos und seiner Betroffenheitsrhetorik einem Flugblatt aus vergangenen Zeiten, inhaltlich wirkt es eher wie eine Vorbereitung für schwarz-grüne Koalitionsverträge. Die Kritik am Modell des männlichen Hauptverdieners, die Forderung nach einer geschlechtersensiblen Pädagogik, das Bedürfnis nach neuen Zeit- und Jobmodellen, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern – das alles sind sinnvolle Überlegungen, die allerdings nicht neu sind. So fallen die „Grünen Feministen“ weit hinter die aktuellen feministischen Theorien und Interventionen, die Männer- und Männlichkeitsforschung sowie hinter die Realitäten vieler Männer zurück.

Wenn die Autoren des Manifestes zum Beispiel die „Klimakrise, Finanz- und Wirtschaftskrise, Hunger- und Gerechtigkeitskrise“ als „männlich“ bezeichnen, dann artikulieren sie – da helfen auch die inkonsequent gesetzten Anführungszeichen nichts – eine simple und dualistische Vorstellung von männlichen Tätern und weiblichen Opfern, die in der feministischen Theorie weitestgehend ausgedient hat. Inkongruent wird diese dramatische Selbstanklage außerdem durch den Verweis, dass Männer doch auch ein bisschen Opfer seien. So sehen die Autoren – tief beleidigt – in dem vermeintlichen Fakt, dass Männer hier „nur selten eine Rolle“ spielten, einen „Makel“ (O-Ton) feministischer Diskurse. Männlichkeit ist demnach also etwas Grundböses, Feministinnen haben aber auch etwas Schuld – das ist wohl eher ein schwacher Beitrag für die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit.

Obwohl die „Grünen Feministen“ kritisieren, dass unsere Gesellschaft von einem „tief sitzenden Geist der geschlechtlichen Polarität durchflutet“ sei, gelingt es ihnen nicht einmal, männliche Identitäten als etwas Vielfältiges zu begreifen. So muss das Klischee des Machos herhalten, damit der vermeintlich bessere Mann etwas hat, wovon er sich abgrenzen kann. Das wirkt moralinsauer und missionarisch und wird Männer, die weder unter ihrem Job noch unter dem Windelwechseln leiden und in beidem keinen Widerspruch erkennen können, wahrscheinlich eher befremden. Auffällig einseitig sind auch die Forderungen, mit denen die „Grünen Feministen“ die destruktive Orientierung an Wachstum und Profit bekämpfen wollen, denn sie spiegeln überwiegend die Lebenswelten des Mittelstands. Schade eigentlich, dass Grüne daran erinnert werden müssen, dass nicht alle Männer an ihrer Karriere, sondern viele an deren Gegenteil leiden.

Gemeinplätze und Ausblendungen

Die Debatte um Jungen als Bildungsverlierer wird von verschiedensten männerpolitischen Strömungen aufgegriffen, so auch von den Autoren des Männermanifestes. Ihr Beitrag kommt ohne antifeministische Anspielungen aus, bleibt aber leider auch bei den üblichen Gemeinplätzen.

Es ist sicher wünschenswert, dass sich mehr junge Männer für einen sozialen Beruf entscheiden, trotzdem ist Mann-Sein noch keine Qualifikation und sind reine Frauenteams nicht defizitär. Der Psychologe Tim Rohrmann schreibt dazu: „Die Forderung nach mehr Männern in Kindertagesstätten reicht nicht aus. Es muss nach den besonderen Qualitäten gefragt werden, die diese Männer in ihre Arbeit und in die Beziehungen zu Jungen und Mädchen einbringen sollen“. Bei den „Grünen Feministen“ heißt das „geschlechtersensible Männer in klassischen Frauenberufen“ und bleibt schwammig.

Erzieher, die alle Jungen zum Fußball verdonnern, sich über Schwule lustig machen und Frauen die Bohrmaschine aus der Hand nehmen, sind nämlich keine Mangelware. Das scheinen die Autoren des Manifestes auch so zu sehen, gerade deshalb wäre es schön gewesen, wenn sie sich hier deutlicher von den Männern abgegrenzt hätten, die Erzieherinnen und Lehrerinnen als Bedrohung für ihre Söhne ansehen. Schließlich geht es doch um eine Erweiterung von Handlungsoptionen für Jungen und Mädchen und nicht darum, die Männlichkeit von Jungen zu retten, nur weil die Erwachsenen in ihren Identitäten verunsichert sind.

So positiv es ist, dass das Programm „Neue Wege für Jungs“ im Männermanifest Aufmerksamkeit bekommt, so problematisch ist es, dass auch hier die soziale Ungerechtigkeit des deutschen Bildungssystems aus dem Blick gerät. Entschieden zu skandalisieren, dass der mehrheitsdeutsche Lehrersohn die x-fach höheren Chancen hat, ein Abitur zu erwerben, als die Arbeitertochter mit Migrationshintergrund – das wäre auch Grüne Politik!

Antifeministen versus „Grüne Feministen“ – lohnt sich hier also eine Debatte? Sicher, aber mehr Gelassenheit, Differenzierung und Kontextualisierung wäre wünschenswert. Statt bei allerlei Wohlstandsleiden zu verharren, wären konkrete Ziele wünschenswert, die nicht nur die bürgerlichen Jungen und Männer umsorgen, sondern Chancengleichheit für alle schaffen. Feministische Theorie und Männer- und Männlichkeitsforschung können hier hilfreich sein.

Sven Glawion, geboren 1974, ist Germanist und Gender-Wissenschaftler. Er unterrichtet an einer evangelischen Fachschule für soziale Berufe und lehrt und publiziert zur deutschen Literatur sowie zur Männer- und Männlichkeitsforschung.

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Diskussion

  1. Sie sind echt komisch. Sie pauschalisieren „Väterrechtler“ und greifen ad hominem an, und beschweren sich dann über „tendenziell antidemokratische(sic!)“ „pauschalangriff[e] gegen Gleichberechtigung und Feminismus“. Lustigerweise benötigen Sie für Ihre Argumentation natürlich auch einen verallgemeinernden Begriff von Feminismus..

    Eine Auseinandersetzung mit den Hauptanliegen der „Väterrechtler“ haben sie jedenfalls konsequent vermieden: Die auch vom EUMGR kritisierten Menschenrechtsverletzungen in der Familenrechtspraxis und die Dichotomie von Täter- und Opfergeschlecht. Denken Sie tatsächlich, dass Sie mit solchen Feindbildern, ad hominem- und Strohmannargumenten länger als kurzfristig überzeugen können?

    Anschließend konstatieren Sie selbst „eine simple und dualistische Vorstellung von männlichen Tätern und weiblichen Opfern“ im Grünen Männermanifest und behaupten implizit, dass diese im Gleichberechtigungsdiskurs doch längst überwunden sei. Würden sich dann zig namhafte Grüne für sowas hergeben? Gab es dazu eine Woge feministischer Kritik? Gab es konkret dazu eine Woge kritischer Presse?

    Kritik darf wohl nur anerkannten „Frauen“ und von elaborierten (und alimentierten) Vertretern des feministischen Elfenbeinturmes geäußert werden, und dies möglichst entweder hinter vorgehaltener Hand oder erst nach ausgiebiger Polterrhetorik gegen vorgebliche Frauenfeinde. Alles Andere ist wohl „antidemokratisch“ – Ein merkwürdiger Begriff von Demokratie, die eigene Theorie von Geschlechtergerechtigkeit zum Maßstab demokratisch legitimer Meinungsäußerungen zu machen..

    Wenn sich der Feminismus als Summe weiterhin beharrlich weigert, sich nachhaltig und auf breiter Front mit seinem unterschwellig tief verwurzelten viktorianisch-bürgerlichen Frauenbild und der dazugehörigen Männerdämonisierung auseinanderzusetzen, wird der freie Fall auf dem Müllhaufen der Geschichte nicht mehr zu stoppen sein. Sie haben das zwar offenbar begriffen, poltern aber doch lieber auf den Überbringer der Botschaft herum.

  2. Nachtrag, um Missverständissen vorzubeugen: Die Anführungszeichen bei ‚anerkannten „Frauen“‚ bezieht sich natürlich auf das weit verbreitete „Wir Frauen“ – Wozu z.B. eine Eva Herman wohl nicht gehören dürfte.

    Immer wieder lustig dieses Erstaunen darüber, dass „Selbst Frauen“ „antifeministisch“ sein können – Das sind dann offensichtlich ganz einfach keine „richtigen Frauen“

  3. Thomas Schmidt

    „..Diesen diffusen und leicht paranoiden Ausfällen gegen feministisches Denken und emanzipatorischer Politik kann jedoch, so denke ich, mit Gelassenheit entgegengetreten werden..“

    Ich habe hierzu ein interessantes Beispiel aus der Praxis :

    „Als die SPD-Abgeordnete Ulla Schmidt in einer Debatte des 15. Deutschen Bundestages anregte, für Männerfragen einen männlichen Beauftragten einzusetzen, erregte dies auf der Regierungsbank das unbändige Gelächter des Kanzlers.“

    (Quelle: Geschlechterdemokratie, Prof. Hollstein, 2004, S. 285)

    Ein Beispiel dafür, dass Männer in der Politik Männerfragen auch schonmal gerne lächelnd beiseite schieben. Ob hier Vorstellungen von traditionell-männlicher Stärke u. a. stereotype Rollenerwartungen wirken, vermag jeder selbst beurteilen.

    Seit dem Männerkongress Feb. 2010 ist mir von einer Teilnehmerin bekannt, dass ein Männergesundheitsbericht (Robert-Koch-Institut) in Planung ist.

    „Was unter einer Ulla Schmidt ein Ding der absoluten Unmöglichkeit war, soll jetzt unter dem neine FDP-Gesundheitsminister tatsächlich wahr werden.“

    (Quelle: Forum MANNdat e. V., Ausschreibung Männergesundheitsbericht, 29.07.2010,21.03 Uhr)

    Ein Mitdiskutant stellt folgende Vermutung auf :

    „Na das ist mal ein toller Tag, Kachelmann draußen, Feministinnen sterben aus, Ausschreibung für Männergesundeheitsbericht – so kanns weitergehen!. Ich frage mich allerdings, inwieweit Frauen bei der Ausschreibung bevorzugt berücksichtigt werden …“ (29.07.2010,21.32 Uhr)

    Ich persönlich neige mittlerweile dazu, solche Effekte als „Benachteiligungskonstruktionen“ zu identifizieren.

  4. Andreas Biehler

    Nun, lieber Herr Schmidt,
    dieser Gesundheitsbericht ist ein öffentlicher Auftrag. Es ist geltendes Gesetz, Frauen „bei gleicher Eignung“ den Vorzug zu geben. Das ist keine “Benachteiligungskonstruktion”, das ist ein Faktum. Bei dieser Gelegenheit kann ich Sie beunruhigen. Feministinnen sterben nicht aus. Ihnen schwimmen nur die Felle davon.
    Ein Faktum ist ebenfalls, daß ausgerechnet von der Partei, für die Gleichstellung im Prinzip nichts als Gängelung bedeutet, und für die eigentlich alles – auch Gesundheitsfragen – Privatsache ist, zumindest bei Männergesundheit tatsächlich einen Schritt in Richtung Gleichstellung macht, und daß die Parteien, die am lautesten von Gleichstellung reden über Männeranliegen höhnisch lachen. Davon, daß bei dem Gelächter „Vorstellungen von traditionell-männlicher Stärke … wirken“ brauchen wir nicht auszugehen. Wer glaubt, Rot-Grün hätte kein (regierungskonformes) Gendergespür, hat keine Ahnung von diesen beiden Parteien. Eher dürfte dies auf die im Hamburger Parteiprogramm angestrebte „Überwindung der männlichen Welt“ zurückzuführen sein, die Passage also, die eigentlich über die Haltung der SPD gegenüber den Männern alles Notwendige vermittelt. Gleichzeitig überrascht mich positiv, daß ausgerechnet Ulla Schmidt diese Anregung brachte. Es gibt auch Lernfähige in der SPD. Ich will das ausdrücklich nicht übersehen.

  5. Lieber Herr Schmidt,

    ein Männergesundheitsbericht war im Bundesgesundheitsministerium unter Ulla Schmidt definitiv nicht erwünscht. Inwieweit das mit Ulla Schmidt persönlich zu tun hat ist unklar, die Kommunikation dazu fand auf einer tiefer angelegten Ebene statt. Befragen Sie dazu z.B. Klaus Hurelmann.

    Selbstverständlich können auch Männer „Männerfeinde“ sein, insbesondere wenn sie auf Regierungsbänken sitzen oder sonstige exponierte Pöstchen bekleiden. Das war schon immer so. Auf der anderen Seite ist selbstverständlich nicht jede Feministin mit jeder Faser ihrens Seins Männerfeindlich. Der französische Feminismus Beispielsweise, sie berufen sich ja auf Simone de Bouvoir, steht nicht in der Tradition einer Mary Daly.

    Die Logik Ihrer Arumentation will sich mir partout nicht erschließen.

  6. Thomas Schmidt

    „Es ist geltendes Gesetz, Frauen “bei gleicher Eignung” den Vorzug zu geben.“

    Es gibt sicherlich Bereiche, die ich auch schon gesehen habe. Im Zusammenhang mit der Ausschreibung war davon nichts zu erkennen. Von daher halte ich diese ergänzende Anmerkung für eine stilisierende Vermutung. Ich weiß aber, dass in den Kreisen wo solche Vermutungsdiskussionen geführt werden solche Zusatzanmerkungen nicht nur unwidersprochen bleiben, sondern vielleicht sogar Anerkennung finden.

    „..kann ich Sie beunruhigen…“

    Wie kommen Sie darauf, dass ich darauf Wert lege oder legen könnte, hier beruhigt zu werden?

    „Die Logik Ihrer Arumentation will sich mir partout nicht erschließen.“

    Das finde ich persönlich nicht tragisch.

    Ich wollte Ihnen in dem o.g. Beispiel versuchen nachzuvollziehen, wie ggf. Vermutungen sich gegenseitig so hochschaukeln können, bis irgendwann „feministisch infiltrierte Wissenschaften“ oder „Umerziehungsstaaten“ wahrgenommen werden.

  7. Thomas Schmidt

    Vielen Dank für den Hinweis auf Mary Daly, ich werde dazu etwas recherchieren.

  8. Thomas Schmidt

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mary_Daly

    „Als erste Autorin definierte sie den Radikalfeminismus, als dessen wichtigstes Ziel sie die Abschaffung des Patriarchats sieht. …Dalys feministische Gesellschaftsanalyse wird kontrovers diskutiert. Während die einen in ihren philosophischen Werken neue gynozentrische Gesichtspunkte finden, klagen andere über ihre vermeintliche Männerdiskriminierung und behaupten, sie würde zum Gendercide aufrufen. Tatsächlich hat Daly in einem Interview mit dem EnlightenNext Magazine auf die Frage, was sie von Sally Miller Gearharts Forderung nach einer Reduktion der Männer auf 10 % der menschlichen Rasse hielte, geantwortet: „Ich denke, das ist durchaus keine schlechte Idee. Wenn Leben soviel heißt wie Überleben auf diesem Planeten, dann muss es eine Entseuchung (decontamination) geben. Ich denke, das wird begleitet sein von einem evolutionären Prozess, der in einer drastischen Reduktion der Männer bestehen wird.“

    Wollen Sie das nicht lieber noch einmal überdenken?

    Also nach dem eingehenden Studium jedes Satzes von Simone de Beauvoir habe ich solche Denkmuster partout bei ihr nicht gefunden.

    Die Analysen und Visionen von Simone de Beauvoir sind mir auf den ersten groben Blick wesentlich angenehmer.

  9. Ich schrieb doch ausdrücklich: Der frz. Feminismus (z.B.: Badinter) steht *nicht* in der Tradition einer Mary Daly.

    Natürlich liegt die Ursache für diesen Unterschied nicht allein bei den Personen der „Mary Dalys“, die radikalen bzw. kulturellen Feministinnen haben wohl eher auf das viktorianische Erbe der Mittelschicht aufgebaut. Französinnen haben natürlich kein nennenswertes viktorianisches Erbe. Der Deutsche Feminismus wiederum ist sehr stark vom US-Amerikanischen geprägt, was wohl an unseren spezifischen bürgerlichen Traditionen liegen dürfte. Sag mir was über Deinen Feminismus, und ich sage Dir was über die Geschichte Deines Landes..

    „feministisch infiltriert“: Eine Wissenschaft mit einem feministischen bzw. profeministischen („kritische Männerforschung“) Selbstverständnis ist nun mal eben eine feministisch geprägte. Was gibt es daran zu deuten? Die historischen Wurzeln liegen dabei im kulturellen Feminismus, und in der dazugehörigen „antisexistischen Männerbewegung“ der USA.

  10. „Jenseits solcher Gruppierungen artikuliert sich in Internet-Foren und Verständigungsliteratur ein dumpfes und undifferenziertes Unbehagen mit der Gleichberechtigung[…]“

    Hier muß ich widersprechen. Dieses auch von mir wahrgenommene Verhalten richtet sich gewöhnlich keineswegs gegen Gleichberechtigung, sondern viel mehr primär gegen den Feminismus, genauer gesagt gegen gewisse Stömungen dessen, da eine Korrelation dieser beiden Konzepte, meiner Meinung nach zu recht, nicht hergestellt wird.

  11. @Nick : „… Sag mir was über Deinen Feminismus, und ich sage Dir was über die Geschichte Deines Landes..“

    Diesen Passus finde ich gut. Ich habe auch immer wieder das leise Gefühl, ob Moritz Schreber und Johanna Haarer nicht eine Erblast in unserer deutschsprachigen Kultur hinterlassen haben, die immer wieder in verschiedensten Denkschablonen hervorlugt.

    Ich habe auch den Eindruck, derzeit zu beobachten was möglicherweise auch mit den Feminismus-Verzerrungen der 70`er geschehen sein muß. Gleichberechtigung und Feminismus ja, aber irgendwie doch nicht so ganz und mit einem ganz dicken “aber”.

    http://maedchenmannschaft.net/ledige-vater/

    Dafür sind m.E. homonormative Themen vermehrt auf der Tagesordnung :

    http://maedchenmannschaft.net/blos-nicht-verwirren-lassen-die-debatte-zur-homo-ehe/

    Als ich zu Mary Caly etwas recherchierte, fiel mir noch eine bemerkenswerte Passage auf :

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mary_Daly

    “…stellt sie an die Stelle des unterdrückenden Vatergottes die Göttin. Sie fordert, dass Homosexualität als Form weiblicher Lebenskunst anerkannt wird.”

    Diesen Gedanken sollte man m.E. nicht überwerten, aber im Hinterkopf behalten, wenn ich da auch so an Positionen des VAMV zu dem Thema „Keine Palme in Deutschland“.

    „Erstens kann die heteronormative Anlage des Trainings nicht unterstützt werden.“

    (Quelle : VAMV.de)

  12. nochsoeinblödertroll

    Lieber Herr Glawion,

    Ihren Ausführungen zum grünen Männermanifest kann Ich teilweise zustimmen,denn dieses ist an Verlogenheit wirklich kaum zu überbieten;Bsw. faseln dort die grünen Feministen etwas davon,dass es sich lohnen würde „Macht abzugeben“ und merken dabei nicht,dass sie selber zu den wenigen Männern gehören die überhaupt sowas wie Macht besitzen,die sie abgeben könnten.Ferner wird suggeriert,dass ein männlicher Arbeitsethos für alles Übel in der Welt verantwortlich sei.
    Den Autoren müsste dabei eigentlich klar sein,dass dieses Argumentationsmuster jeglichem antifaschistischen Überzeugungen entgegensteht; Der Kapitalismus kennt eben keine Religion,keine Hautfarbe und auch kein Geschlecht! Das die „simple und dualistische Vorstellung von männlichen Tätern und weiblichen Opfern, in der feministischen Theorie weitestgehend ausgedient hätte“
    wie sie sagen,ist so kaum zutreffend;Der Feminismus kann sich im Grunde gar nicht von dieser Vorstellung verabschieden,da der Kern jeglicher feministischer Ideologien,nämlich die Patriarchatsthese hierauf beruht.Zu erkennen ist dies etwa an der Diskussion über häusliche Gewalt gegen Männer;Dass diese immer noch von den meisten feministischen Akteuren geleugnet wird(und etwa im NRW-Koalitionsvertrag mit keinem Wort erwähnt wurde!),obwohl hunderte internationaler Studien zum Schluss kommen,häuslische Gewalt kennt kein Geschlecht,liegt neben der Verlustangst liebgewonnener Staatssubventionen vor allem daran,dass häusliche Gewalt gegen Männer aus feministischer Perspektive kaum erklärbar ist,dient häusliche Gewalt gegen Frauen doch immerhin als Beleg patriarchaler Machtausübung.An solchen Beispielen zeigt sich,dass eine vernünftige Geschlechterkritik nur auf maskulistischer Grundlage basieren kann,da das feministische Grundgerüst auf einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit beruht!
    -Mit ihrem letzten Absatz zum Grünen Männermanifest liegen sie,soweit Ich ihre Ansichten richtig interpretiere denke Ich Goldrichtig;Die grünen Männer sind nämlich anders als sie selber glauben alles andere als emanzipiert,da sie ohne es zu merken Gechlechterklischees reproduzieren;Sie meinen sich, als edle Ritter,als die starken beschützer aller vom Patriarchat unterdrückten Frauen aufspielen zu müssen,und sich selber dabei als neuen Mann abzufeiern
    und erklären damit auch in misogynistischer Manier Frauen zu unmündigen,karitativen Wesen.
    Emanzipiert sieht freilich anders aus!

    Zu ihrer Kritik an der Männerbewegung wurde hier ja schon einiges gesagt.Ich denke;Wenn sich ihre Kritik an bestimmte Teile des Maskulismus richten würde,dann könnte Ich ihnen sogar zustimmen,aber sie scheren (wie auch andere)völlig undifferenziert alles über einen Kamm,das ärgert mich wirklich!Vor allem sollten sie bedenken,dass der relativ geringe Anteil linker Maskulisten,nicht zuletzt auch damit zusammenhngt,dass de Fakto die gesamte politische Linke den (real existierenden)
    Feminismus entweder zur heiligen Kuh erklärt hat,oder ihn doch zumindest widerspruchslos toleriert.Aus emanzipatorischer Perspektive könnte man hier vielleicht auch die These aufstellen,dass die politische rechte ihre gesellschaftliche Berechtigung als Korrektiv der linken hat
    und ihre Existenz daher auch(zum jetzigen Zeitpunkt) notwenig ist…..

    Ich persönlich finde ja manches was im Männerrechtsdiskurs
    vertreten wird für nicht Zielführend;etwa Jungenleselisten,
    Männerquoten in pädagogischen Berufen und so weiter.
    Einiges ist auch geradezu verlogen;Etwa wenn Männerquoten im öffentlichen Dienst gefordert werden,da hier Frauen überrepresentiert sind,gleichzeitig aber Frauenquoten an anderer Stelle abgelehnt werden.Nur handelt es sich hierbei um die Reaktion auf die jahrzehntelange einseitige Frauenförderung der letzte Jahrzehnte.Die Männerbewegung ist quasi sowas wie der Spiegel des Feminismus;Wenn sie innerhalb ihrer Diskurse manchmal zu widersprüchlichkeiten neigt,so zeigt dass nur dass es diese an anderer Stelle bereits gibt,man dort nur nicht bereit ist,sie zur Kenntnis zu nehmen!

    Die Vermutung,wir würden uns inmitten der dritten Welle des Feminismus befinden,halte Ich für sehr gewagt;
    Ist es doch vielmehr so,dass immer weniger Leute Bock auf Feminismus haben und sich die Jungen Frauen oftmals geradezu für diese Ideologie schämen.Das Problem ist nur,
    dass der Feminismus institutionalisiert ist und Filz bekanntlich hartnäckig haftet.Wer heutzutage für Gleichberechtigung und die Überwindung von
    Geschlechterstereotypen ist,der kann daher nicht gleichzeitig dieses Politfeminat unterstützen,da dies zwangsläufig genau das reproduziert,was es eigentlich bekämpfen will…

    Grundsätzlich sollte es denke Ich um neue Wege für Männer(und Frauen)gehen,nur eben ohne den ganzen feministischen Ballast,den etwa der arme Herr Gesterkamp den ganzen Tag mit sich rumschleppen muss;)

    antifeministische Grüße;ihr nochsoeinblödertroll!

    PS:Die Kommentare die hier bereits geschrieben würden,widerlegen in gewisser Weise ihr pauschales Bild
    von der Männerbewegung,da sie ja überaus differenziert
    sind(das nur mal so am Rande erwahnt;)

  13. Lieber Nochsoeinblödertroll,

    „dass immer weniger Leute Bock auf Feminismus haben…“

    Ich z.B. finde nach dem Lesen von Simone de Beauvoir, „Das andere Geschlecht“ oder „Wir Alphamädchen“ von Susanne Klingner, Meredith Haaf und Barbara Streidl Feminismus toll.

    „..der kann daher nicht gleichzeitig dieses Politfeminat..“

    Gestatten Sie mir die Rückfrage, was ein „Politfeminat“ ist?

    Soweit ich weiß, sind die DAX-Vorstände schwerpunktmäßig männlich dominiert – von dem wir Männer übrigens recht wenig haben. Im Gegenteil, eine Frauenquote täte uns Männern mehr gut als Viele vielleicht glauben.

  14. Politfeminat siehe Frauensttatut der Grünen.
    Warum täte eine Frauenquote uns
    Männern gut?
    Was genau soll ich persönlich
    davon haben?

  15. http://vaeter-und-karriere.de/blog/index.php/2010/10/01/auch-vater-profitieren-von-der-quote/

    Weiterhin :

    „Engagierte Zeitpionierinnen haben in Funk- und Verlagshäusern unkonventionelle Modelle durchgesetzt – etwa, indem sich drei Mitarbeiterinnen zwei Stellen teilen. Die rein weibliche Schreibweise ist an dieser Stelle Absicht. Erst der wachsende Frauenanteil in den Medien hat dazu geführt, dass die Herren in den Personalabteilungen das Thema Familie nicht mehr einfach ignorieren können.“

    (Quelle : Die neuen Väter zwischen Kind und Karriere, Dr.Gesterkamp, S.19)

    Mein Komentar : Agent_innen des Wandels, von dem Männer profitieren können (Stichwort : work-life-balance).

    „…siehe Frauensttatut der Grünen.“

    Fr. Renate Künast sprach sich kürzlich öffentlich in denMedien für eine Streichung der Wehrpflicht aus dem Grundgesetz aus. Die grünen Frauen waren 2008 engagiert, nichtehelichen Vätern das gemeinsame Sorgerecht zuzugestehen.

    Wenn das ein „Politfeminat“ sein soll – mehr davon!

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