Grüne Feministen und „Männerrechtler“ fordern Frauen- und Geschlechterpolitik heraus. Was ist der Streit-Wert?

Barbara Unmüßig, Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung

Antifeministische Strömungen machen sich im politischen Feuilleton und vor allem in Online-Medien breit. Nicht nur in einschlägigen Blogs oder Zeitschriften, sondern gerade in bürgerlichen Medien wie ‚FAZ’, ‚Die Welt’ oder ‚Der Spiegel’ beanspruchen sie seit einiger Zeit immer mehr Raum. Was steckt dahinter? Ein Phänomen von kurzer Dauer, nicht den Streit wert? Oder müssen sich alle, denen Geschlechtergerechtigkeit ein politisches Anliegen ist, damit auseinandersetzen?
Selbst ernannte „Männer- und Väterrechtler“, viele aus dem rechts-konservativen Spektrum, sprechen vom „Staatsfeminismus“, der in der (westlichen)Gesellschaft inzwischen zu einer Benachteiligung von Männern führe. Jungen schnitten in der Schule wegen deren „Feminisierung“ schlechter ab; Scheidungsvätern würden die Kinder weggenommen. Frauen hätten inzwischen mindestens so viele Rechte wie Männer und würden sich nur aus individuellen Gründen öfter als Männer gegen die Karriere entscheiden. All diese Argumente haben ein gemeinsames Feindbild: „den“ Feminismus. Zusammen gewürfelte Einzelbeispiele und Polemiken sollen undifferenziert und pauschal die Benachteiligung von einer homogen dargestellten Gruppe der Jungen und Männer beweisen. Mit dieser Analyse(un)fähigkeit und Argumentationslogik disqualifizieren sich diese „Männerrechtler“ selbst.
Wenn ein von seiner Frau geschlagener Mann bei der Polizei anruft und von dem Polizisten am Telefon als „Memme“ (vgl. MANNdat) ausgelacht wird, ist dies kein Beispiel für bösen Feminismus, sondern es zeigt einmal mehr, wie tief Geschlechterstereotypen vom harten und aggressiven Mann und der passiven, schwachen Frau in der Gesellschaft verankert sind. Die Schuldzuweisung an die Feministinnen wird zur Projektion für den vermeintlichen Machtverlust der Männer. Einzelfälle werden häufig generalisiert. Mit der Wahrnehmung der Wirklichkeit von Geschlechterdifferenzen oder der gesellschaftspolitischen Reichweite feministischer Politik hat das nichts mehr zu tun.

Ohne Zweifel: es gibt Ungerechtigkeiten und Tabuthemen, wie Gewalt gegen Männer, Wehrpflicht oder Männergesundheit. Der undifferenzierte Blick auf unterschiedliche Schulabschlüsse von Jungen und Mädchen bleibt jedoch beim Geschlecht stehen, ohne auf die Mehrdimensionalität von Benachteiligungen und Identitäten zu achten, also darauf, dass Noten und Verhaltensweisen in der Schule immer auch mit ethnischer Herkunft oder sozialen Klassen zusammenhängen können.

„Männerrechtler“ beanspruchen heute für sich, „die Männerbewegung“ zu sein. Mit den in den 1970er und 80er Jahren entstandenen Männergruppen, die sich als „profeministisch, antisexistisch, linksradikal“ (Kemper, 2009) verstanden oder mit emanzipatorisch orientierten Männern, haben die „Männerrechtler“ aber nichts gemein. Leider besteht hier die Gefahr, dass emanzipatorisch ausgerichtete Männlichkeitsdiskurse in der Öffentlichkeit verunglimpft werden.

Einige grüne Männer haben dies erkannt und sind ihrerseits mit dem „Grünen Männermanifest“ im April 2010 in die Offensive gegangen. Das Manifest weist auf die unzureichende Auseinandersetzung mit Männerrollen/ männlichen Identitäten, Männer und Gesundheit und Väterrollen hin. Außerdem greift es feministische Diskurse auf. Es wendet sich gegen traditionelle Männlichkeitskonzeptionen sowie gegen das vorherrschende männliche Ernährermodell und spricht sich für andere Rollenmodelle für Jungen/ Männer aus sowie für ein vielfältigeres Verständnis von Männlichkeit.
Wir meinen: Geschlechterpolitische und feministische Akteur_innen sind herausgefordert den selbsternannten „Männerrechtlern“ Paroli zu bieten und sich in den öffentlichen Diskurs um Geschlechterverhältnisse und Geschlechterdemokratie einzumischen. Mit dieser Online Debatte „Was ist der Streit-Wert“ wollen wir dazu beitragen. Interessante Fragen sind u.a.

  • Was ist dran an diesem vor allem in der Medienöffentlichkeit „gehypten“ Streit?
  • Werden Probleme von Jungen und Männern verharmlost oder ignoriert? Wenn ja, wie lässt sich das ändern ohne in geschlechterstereotype Antworten zu flüchten?
  • Wie steht das grüne Männermanifest zu den „Männerrechtlern“? Ist die Abgrenzung geglückt? Wodurch kennzeichnet es sich als „profeministisch“?
  • Und: Wie sollte (grüne) Geschlechterpolitik aussehen, die Perspektiven von Jungen und Männern von vorneherein mit einbezieht? Ist Identitätspolitik der richtige Weg oder ist eine Öffnung zu queeren Perspektiven vonnöten?
  • Was kann aus der Geschichte der Frauenbewegung und von feministischen Ansätzen und Erfahrungen gelernt werden?
  • Kann ein traditioneller Gleichstellungsansatz als Schablone genutzt werden oder ist z.B. tatsächliches Gender Mainstreaming der Weg?

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Diskussion

  1. 1. Ich ändere hier mal einen Auszug aus dem Text zum Nachdenken:
    „Der undifferenzierte Blick auf den unterschiedlichen Verdienst von Männern und Frauen bleibt jedoch beim Geschlecht stehen, ohne auf die Mehrdimensionalität von Berufskarrieren und Interessen zu achten, also darauf, dass Gehaltsfragen und berufliche Entwicklung in der Karrieren immer auch mit ethnischer Herkunft oder sozialen Klassen zusammenhängen können.“ Wir sollen also nicht so auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern schauen, sondern sehen wie viele andere Faktoren da mit hineinwirken! Das Geschlecht an sich ist nicht so wichtig, wenn es um Probleme von Jungen geht. AHA!

    Wenn wir jede Benachteiligung einer Gruppe in Zukunft damit relativieren, dass es doch innerhalb dieser Gruppe viel größere Unterschiede als gegenüber anderen gibt, dann haben wir bald gar keine Unterschiede in gesellschaftlichen Großgruppen. Ist diese Argumentation wirklich ernst gemeint? Das wäre schlimm und ganz schön zynisch.

    2. Wenn die Männerrechtler sich nicht selbst so ernennen dürfen, wer darf das dann machen? Dieser abfällige Blick aus feministischer Perspektive ist genau das, warum Feminismus heute anscheinend nicht mehr so recht überzeugend wirkt. Wer hat sich denn bisher für Aufmerksamkeit gegenüber den echten Problemen von Jungen stark gemacht, wenn nicht die oben genannten.

    3. Und dass die grünen Männer vom Manifest und der Text oben ein Problem mit Männlichkeit haben, sieht man darin, dass nur klar ist, wogegen man sich wendet und Männer wieder nur umerzogen werden sollen. „Gegen“ kommt in dem Text zig mal vor. Aber wofür? Für Dekonstruktivismus und Rollenkritik. Ist das alles?

    Es ist schon krank: da sind die Grünen die Partei, die auf Generationen-Nachhaltigkeit und Natur setzt. Aber wenn es um den Menschen geht, wird genau das vergessen und viel eher dem unsäglichen egozentrischen Genderbegriff aufgegriffen, der uns weismachen will, Geschlecht sei nichts natürliches. Das kann sich letztlich jeder selber auswählen. So ein Schwachsinn! Was denn sonst als natürlich ist mein Geschlecht?

    Ich als Mann kann mich schminken, ich kann Röcke und Stöckelschuhe trage, ich kann vielleicht weinen aber ich habe einen Stimmbruch gehabt, den kein Mädchen so heftig hatte. Ich hing in der Pubertät den Mädchen meilenweit hinterher, musste lernen, mit nächtlichen Samenergüssen klarzukommen und werde nie schwanger sein können. Bisher habe ich keine Frau getroffen, die schneller rennt als ich und mehr Klimmzüge kann (gibt dennoch sicher viele) – aber viele viele Männer. Was, wenn nicht der Körper und die Biologie, macht meine Männlichkeit aus? Ich werde nie Mutter sein können, aber bin gern Vater! Ich habe keinen Zyklus und die rührseeligen Stimmungsschwankungen von vielen Frauen werden mir immer ein Rätsel bleiben.

    Anstatt ständig über irgendwelche Dekonstruktion von Rollen usw. sich ewig die Köpfe zu zerbrechen, was dann eh keiner versteht, wären wir schon Meilen weiter, wenn denn klar sein würde: Vatersein und Männlichkeit ist etwas gutes genauso wie das Muttersein und Weiblichkeit. Aber es ist eben nicht das gleiche! Deswegen ist das Miteinander von beiden doch das Spannende. Wer die Männlichkeit/Weiblichkeit von der Körperlichkeit trennt, braucht ja dann kulturelle Stereotype, um überhaupt beide Begriffe noch sinnvoll anwenden zu können, wenn sie nicht das gleiche meinen sollen.

    Und zur Schule eine Bemerkung: als ich zu Beginn des letzten Schuljahres in einer fünften Klasse hospitierte und in der ersten Stunde ein Lehrer vor der Klasse stand, da strahlte ein Junge und sagt „endlich mal ein Mann!“ Kein weiterer Kommentar.

    Feministen sehen Geschlechtlichkeit des Menschen anscheinend zuerst als Problem, während das Mädchen/Jungesein für die meisten Heranwachsenden etwas zentrales und in ihrer Sicht gutes für ihre Identität ist. Deswegen braucht man vor „dem“ Feminismus keine Angst zu haben – er hat zumindest jungen Leuten kaum noch was zu sagen. Bitter ist: Je verunsicherter Jugendliche in ihrer Geschlechtlichkeit sind, desto mehr orientieren sie sich an Zerrbildern. Die beiden Handbücher zu Jungen und Mädchenpädagogik im Beltz-Verlag weisen hier neue Wege sind zum Glück schon drei Schritte weiter als die grün gefärbte Geschlechterdebatte, die noch auf Verunsicherung statt Stärkung setzt.

    Wenn die Grünen auch in der Geschlechterdebatte begreifen, dass Kultur sich nur angemessen und dauerhaft entfalten kann, wenn sie die Natur ernst nimmt und wertschätzt, dann werden sie für mich vielleicht wieder wählbar. So ist Naturschutz bisher weithin nur ein ideologisches Feigenblatt. Offensichtlich gehen die wirklichem produktiven Impulse in gesellschaftlichen Debatten eher vom rechten Lager aus (Elterngeld (VdL), Islamgipfel (Schäuble), Jungenförderung (Schröder). Das tut schon weh.

  2. Liebe Frau Unmüßig,

    ich würde gerne auf Ihre Frage eingehen „Was kann aus der Geschichte der Frauenbewegung und von feministischen Ansätzen und Erfahrungen gelernt werden?“

    Der Männerrechtler Arne Hoffmann zitierte in einem Beitrag für die Internetzeitung „Freie Welt“ aus einer Rede, die die liberale amerikanische Feministin Wendy McElroy vor einer Gruppe von Männerrechtlern hielt: „Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich weiß, das die beste Hoffnung des Feminismus – vielleicht seine einzige Hoffnung, jemals wieder Bedeutung zu erlangen – darin besteht, den Männern zuzuhören, die Gerechtigkeit verlangen. Wenn sie sprechen, klingen ihre Stimmen wie der Frauen in den sechziger Jahren, als die Frauenbewegung wie eine Naturgewalt durch unsere Kultur fegte und sie für immer verändert zurückließ. Die Frauen verlangten von den Männern: Gewährt uns gleiche Rechte, gewährt uns Respekt. Vierzig Jahre später hat sich die Situation umgedreht. Jetzt sind es Männer, nicht Frauen, die gegen die systematische Diskriminierung ihres Geschlechts protestieren. (…) Der Feminismus der sechziger Jahre war eine kulturelle Revolution. Und es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, dass eine neue Revolution im Anmarsch ist – dieses Mal angeführt von Männern. Sie wird nicht angeführt von Stimmen der Elite oder gefördert von Organisationen, die mit Steuergeldern ausgestattet sind. Es ist eine Graswurzelbewegung, bestehend aus Individuen, die vom System dermaßen zusammengeprügelt worden sind, dass sie jetzt einen Großteil ihres Lebens damit verbringen Nein zu sagen. Die typische Frau, die sich für Männerrechte ausspricht, tut das aufgrund einer Verpflichtung zur Fairness und einer Sorge für die überwältigende Mehrheit der Männer in unserem Leben, die anständige Menschen sind … unsere Väter, Brüder, Söhne … unsere Freunde.“

    Der Einsatz dieser Frauen nutze auch ihrem eigenen Geschlecht: „Denn es kann keinen Frieden oder guten Willen in unserer Gesellschaft geben, solange das Gesetz verschiedene Kategorien von Menschen unterschiedlich behandelt, solange fünfzig Prozent der Bevölkerung – Männer – Bürger zweiter Klasse sind. Umgekehrt müssen Frauen aufhören, sich auf einen paternalistischen Staat und sie bevorzugende Gesetze zu verlassen. Wir müssen auf eigenen Füßen stehen.“

    Leider vermisse ich bei Ihnen, Frau Unmüßig die starke Empathie, die Wendy McElroy und viele andere Frauen, die sich für Männerrechte einsetzen, dem anderen Gesclecht entgegenbringen. Stattdessen wirkt Ihr Beitrag sexistisch auf mich. Warum sprechen Sie beispielsweise von „selbsternannten Männerrechtlern“, aber nicht von „selbsternannten Feministinnen“? Warum sind für Sie Menschen, die sich kämpferisch für die Rechte der Frauen einsetzen, „emanzipatorisch“, aber Menschen, die sich kämpferisch für die Rechte von Männern einsetzen nicht? Warum darf für Sie das „Patriarchat“ kritisiert werden, aber die feministische Ideologie nicht?

    Die Männerrechtsbewegung ist ja längst international und durchzieht so unterschiedliche Länder wie die USA, Großbritannien, Tschechien, Indien und Israel. Ich fürchte, Sie und Ihre Schwestern werden sich genauso an aufmüpfige Männer gewöhnen müssen, wie sich die alten Patriarchen seit den sechziger Jahren an aufmüpfige Frauen gewöhnen mussten.

  3. Forderungen dieser Männer (Quelle: MANNdat)
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    Ich nehme diese hier einfach mal, weil es eben eine der zentralen, wenn nicht die zentrale Initiative ist. 😉
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    Thematik: Schule
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    verstärkte Männerförderung in der Pädagogik für mehr männliche Bezugspersonen in Schulen und KIndergärten!
    -> Soll ja jetzt auch durchgeführt werden. Auf meiner Liste doch mal ein guter Anfang, bisher war es immer abgelehnt worden.
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    neben der Mädchenförderung auch eine gezielte Jungenförderung.
    -> Wieso nicht? Es ist nachweislich so, dass Jungen in der Schule schlechter abschneiden. Da wäre eine entsprechende Förderung sicherlich ökonomisch wertvoll.
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    eine stärkere Berücksichtigung der Eigenarten von Jungen in Unterricht und Erziehung
    -> Also so wie ich die Schule erlebe sicherlich keine schlechte Idee, den Jungen etwas Freiraum z.B. zum Toben zu gewähren – denn Bewegung kommt in der Schule wirklich kurz – ebenso wie Grobmotorik.
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    flächendeckend Zukunftstage auch für Jungs
    -> Da sie eine ebenso wirtschaftlich wertvolle Gruppe darstellen, wieso nicht?
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    Thematik: Wehrpflicht
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    Zur Herstellung wirklicher Gerechtigkeit muss die Wehrpflicht abgeschafft oder für beide Geschlechter eingeführt werden.
    -> Ja, das nenne man doch Gleichbehandlung.
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    Nagut, das könnte man jetzt ewig fortsetzen. Wer interessiert ist kann sich die Argumente ja mal komplett durchlesen. Ich gehöre eben zu diesen Personen die Gleichberechtigung fordern – und dabei geht es mir nicht darum den Frauen das Wahlrecht nehmen zu wollen oder das Recht auf freie Arbeitsplatzwahl o.Ä. – mir geht es eben darum Gleichberechtigung zu schaffen.

    Wie fühlt sich ein junger Mensch, wenn er von seinen Mitmenschen hört was für böse Meschen Männer doch wehren und wenn man ihnen nur Macht geben würde, diese Männer alles und jeden vergewaltigen würden? Wie fühlt man sich, wenn man von der Förderung da hört, von der Förderung hier – doch man hat das falsche Geschlecht, also soll man mal gucken wie man alleine zurecht kommt.
    Man kann einfach nur einen Hass auf diese Gesellschaft bekommen. Traurig aber wahr…

    Ich habe mich damals beschwert, dass es ungerecht wäre wg. der Wehrpflicht. Die Antwort einer „Feministin“: Frauen kriegen Kinder, stell Dich nicht so an. Antwort von mir: „1. Es gibt keine Gebärpflicht / 2. Ich fühl mich diskriminiert, ich kann keine Kinder gebären. / 3. Eine Ungerechtigkeit durch eine andere auszugleichen ist doppelte Ungerechtigkeit und nicht Gerechtigkeit im Ergebnis.“ Stille. 😉

    Später kam das Argument: „Die Männer können ja gerne für GLeichberechtigung kämpfen, sie sollen zu erst mal dafür sorgen, dass Frauen…“
    Wieso? Dafür gibt es doch viele Frauenverbände, diese kümmern sich um die Belange von Frauen, Männerinteressensverbände eben um die Interessen von Männern.

    MfG Lex

  4. Das Problem an dieser Debatte ist ja, dass sich die eindimensionalen „Männerrechtler“ eben nicht heraus halten, obwohl sie für diese abstrakte Debatte absolut unwichtig sind. Vor allem, wenn es dabei um alternative Rollen und Lebensmodelle geht. Die „Männerrechtler“ wollen ja nur die alten zemtieren und sind darum fast immer „Off Topic“, aber leider auch gänzlich schambefreit.

    Aber wenn jemand als „Männerrechtler“ derart eindimensional denkt, dann tut er es in aller Regel immer und zwar zu allen Fragen des Lebens und der Bildung. So verstehen die „Männerrechtler“ ihre simple antifeministische Weltsicht auch „nur“ als passende Reaktion auf den angeblich männerfeindlichen Feminismus. Sie empfinden Gleichstellung als Bedrohung ihrer tradierten Vorstellung klassischen Mannseins und verteidigen ihre „Männlichkeit“ gegen die Schmach der Gleichberechtigung. Während Schopenhauer zBsp. mit seinem Essay „Über die Weiber“ gern und oft zitiert wird, ist ein „Männer sind Schweine“-Song von einer Punkrockband „Staatsfeminismus“ und der Beginn anstehender Deportation nach Kastratshausen. Wer die Welt simpel beschreibt, nimmt sie auch simpel wahr.

    Diese „Männerrechtler“ fühlen sich dabei wirklich verunglimpft, wenn eine Frau mit ihnen am Konferenztisch sitzt (statt darunter), weil sie im festen Wissen und Wollen gelebt haben, sie wären als Männer die Mächtigeren und Wegweiser für Frauen. Sie haben bisher damit gelebt, ein männliches „Natur-Recht“ einzufordern, gegenüber Frauen privilegiert zu sein. Langsam verstehen sie aber, dass das so nichts mehr werden wird, sie erleben und fürchten schrittweise Gleichberechtigung. Das demütigt, beleidigt und frustriert sie. Leider schlußfolgern Männerechtler in ihrer Einfalt aber auch, dass es „den“ Frauen nun „genau so“ zu passieren hat, wie sie es selbst erleben, darum demütigen sie, setzen herab, beleidigen und zerstören, was sie mit Feminismus – Gleichstellung – verbinden. Und sie dominieren mit ihrem radikalen Off-Topc-Geplärr den Diskurs, denn „Männerrechtler“ können einfach nicht die Klappe halten. Gerade das Thema, das sie nichts angeht – Emanzipation aus tradierten Geschlechterrollen – attackieren sie am intensivsten, denn sie fürchten um die angenommene Homogenität der Männerschaft und behaupten zu diesem Zweck eine homogene Frauenschaft, sprich: „den“ Feminismus. Vom kindischen Trotzverhalten, seine eigene negative Empfindungen in Bezug auf Gleichberechtigung (ob nun berechtigt oder nicht) auf andere (Männer wie Frauen) zu übertragen und eben solche zwanghaft verursachen zu wollen, bringt man aber ausgewachsene „Männerrechtler“ nicht mehr ab.

    @Ben
    Und niemand, auch keine Schwester, muß sich an „aufmüpfige“ Männer gewöhnen (welch charmante Umschreibung für diese Einfaltspinsel), denn sie werden einfach aussterben. Da nämlich der Feminismus, der Wunsch nach Gleichberechtigung, die nachfolgende Emanzipation der klugen Männer doch tatsächlich auf ein entspanntes Miteinander hinaus laufen, wird das gnatzige Zetern der „männerrechtler“ auf den vermeintlichen Frauenhass im Feminismus, vor allem ihren individuellen Lebensweg gestalten.

    Als Feministin muß man keine Männer hassen, derartige Ambitionen sind sogar kontraproduktiv. Aber als „Männerechtler“ wird man trotzdem keine Kinder kriegen, auch wenn man die Frauen wieder unter den Tisch zwingt.

    😉

  5. Thomas Schmidt

    Sehr geehrte Frau Barbara Unmüßig,

    ersteinmal möchte ich mich bei Ihnen für diesen geglückten Beitrag bedanken. Insbesondere folgende Passagen sprechen mir aus der Seele :

    „Wir meinen: Geschlechterpolitische und feministische Akteur_innen sind herausgefordert den selbsternannten „Männerrechtlern“ Paroli zu bieten…“

    „All diese Argumente haben ein gemeinsames Feindbild: „den“ Feminismus. Zusammen gewürfelte Einzelbeispiele und Polemiken sollen undifferenziert und pauschal die Benachteiligung von einer homogen dargestellten Gruppe der Jungen und Männer beweisen….“

    Genauso kenne ich das auch.

    Dazu kommt, daß Männerrechtler und „Maskulisten“ eine hohe Toleranzunfähigkeit gegenüber Andersdenkende oder Kritiker aufweisen, der fast menschenverachtende und autoritäre Züge annehmen kann. „Lila Pudel“-Beschimpfungen sind dabei noch eher recht harmlos.

    Das undifferenzierte Feindbild „der Feminismus“, der an allem Schuld sein soll, ist immer wieder Gegenstand der Antifeministen und ich habe immer wieder hinter diesen Denkstrukturen recht konservative Denkmuster recherchieren können.

    Auch habe ich in radikalen Maskuforen Selbsteinräumungen wie „rechts“ oder „rechtslibertär“ recherchiert von Leuten, die sich auf den Maskulismus berufen.

    Ich war vor ein paar Jahren kurze Zeit Mitglied von MANNdat e.V. und habe diesen wg. Ausfälligkeiten des Vorsitzenden wieder verlassen. Ich persönlich stehe dem Konstrukt „Jungendiskriminierung“ äußerst kritisch gegenüber, da ich dieses in der Praxis in keinster Weise nachvollziehen konnte und ich den Eindruck habe, dass damit lediglich eine antifeministische Gedankenfracht und ggf. Geschlechterhierarchien transportiert werden sollen. Z.B. wurde jahrelang kritisiert, dass es kein Pendant zum girls-day gäbe. Ist ein boys-day im Gespräch, wird kritisiert es handele sich um „feministische Umerziehung“. M.E. prägen recht konservative Geschlechterrollenbilder solche Meinungsbildungen.
    Demgegenüber wird an konstruktiver Ideenbildung nichts entgegengesetzt außer eine sog. „Jungenleseliste“, die ich für ausgesprochen dünn und inhaltslos halte. Die Gefahr bei o.g. Annahmen ist m.E. die, dass das Geschlechterklima in den Schulen ganz erheblich beschädigt werden kann.

    Aus diesem Grunde sehe ich es als sehr bedenklich, wenn Privatvereine wie MANNdat e.V. in diesen Konstellationen auf unsere Jugend zugehen wollen oder in Schulen, wie es bereits im Deutenberggymnasium geschehen ist.

    Ich persönlich habe viel Literatur gelesen, u.a. auch Simone de Beauvoir, „das andere Geschlecht“. Einen Aufruf zum Geschlechterkampf habe ich dort nicht gelesen. Sie kritisiert Insitutionen und Sitten, nicht die Individuen. Ich denke, hier geschahen in den 70`ern kleine Pannen, die versehentlich in ein gelegentlich beobachtbares Gegnerdenken zum Kontinuum „Mann“ abgeglitten sind. Hier sehe ich leisen Korrekturbedarf – insbesondere, weil er den Antifeministen erhebliches Ansatzpotential bietet.

    Ein slash-back in die guten alten 50`er wird von Frauen UND Männern breitflächig abgelehnt. Ich sehe die Zukunftsvision so, wie ich sie seit Jahren publiziere : In einem Klima gegenseitiger Wertschätzung und Verständnisbereitschaft das Geschlechterverhältnis modern weiterzuentwickeln und für Frauen wie Männer größtmögliche Rollenfreiheit in der Wahl der Lebensentwürfe zu ermöglichen.

    Freundliche Grüße,
    Thomas Schmidt

  6. Die Gleichberechtigung der Geschlechter wird erreicht sein,

    – wenn bei der Gestaltung des Schulunterrichts die geschlechtsspezifischen Bedürfnisse der Jungen respektiert und berücksichtigt werden, statt sie zu zwingen, sich Unterrichtskonzepten zu unterwerfen, die ausschließlich auf Bedürfnisse von Mädchen zugeschnitten sind,

    – wenn Jungen und Mädchen in der Schule für gleiche Leistung gleich bewertet werden,

    – wenn besonders gefährliche und gesundheitsschädliche Berufe keine reinen Männerberufe mehr sind, und daher die Zahl tödlicher Arbeitsunfälle nicht mehr 90/10 zu Lasten der Männer verteilt sind, sondern 50/50,

    – wenn auf den Grabsteinen der Kriegsfriedhöfe genau so viele weibliche Vornamen stehen wie männliche,

    – wenn die medizinische Versorgung der Männer so gut ist wie die der Frauen und dadurch (und durch Erfüllung der beiden vorgenannten Voraussetzungen) der Unterschied in der Lebenserwartung verschwindet,

    – wenn Frauen ihren Lebensunterhalt grundsätzlich durch eigene Arbeit verdienen müssen und nicht mehr die Wahl haben, stattdessen als Unterhaltsschmarotzerinnen auf Kosten von Männern zu leben,

    – wenn Spitzenpositionen in Wirtschaft und Verwaltung nicht durch Quote, sondern ausschließlich durch Leistung erreicht werden,

    – wenn überhaupt Frauen keine Extrawürste und keinerlei Schonung mehr bekommen, weil alle Männer aufgehört haben, sich als Beschützer und Versorger der Frauen zu gerieren,

    – wenn Männer und Frauen für die gleichen Straftaten gleich hart bestraft werden,

    – wenn Bücher mit Titeln wie „Manifest zur Vernichtung der Männer“, „Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“ oder „Eine Krankheit namens Mann“ nicht mehr in Buchläden zu finden sind, sondern in der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft und die AutorInnen wegen Volksverhetzung bestraft werden,

    – wenn sexistische Hetz- und Hassparolen gegen Männer genau so verpönt sind wie die gegen Frauen,

    kurzum, wenn die Privilegien der Frauen abgeschafft und ersetzt werden durch eine Gleichberechtigung, die, selbstverständlich auch gleiche Pflichten umfassend, diese Bezeichnung verdient.

  7. „Selbst ernannte „Männer- und Väterrechtler“, viele aus dem rechts-konservativen Spektrum,..“

    Ein Vorwurf von Männergruppen die als linksradikal gelten. Aus einem linksradikalen Standpunkt betrachtet, bleibt rechts davon natürlich ein sehr großes Spektrum übrig. Ich weiß bis heute nicht was ich eigentlich mit einem Vorwurf, aus dessen linksradikalen Standpunkt selbst Links noch viel zu weit Rechts ist, anfangen soll?

    Zumal ich mich auch fragen muss, an wen ich mich eigentlich wenden muss um zum Männer- und Väterrechtler ernannt zu werden? Ich gehe mal davon aus, diesen Anspruch würden gerne die profeministischen Männergruppen und der Feminismus allgemein erheben. Wobei man gleich als nächstes fragen sollte, woher diese Gruppen sich ein alleiniges Recht nehmen sich einfach „emanzipatorisch“ zu nennen?

    Bisher ist an den profeministischen Männergruppen und am Feminismus völlig vorbei gegangen, dass auch Frauen Täterinnen häuslicher Gewalt und Männer Opfer häuslicher Gewalt sind. Für beide Gruppen, die sich selbst „emanzipatorisch“ nennen und den Anspruch erheben Gleichstellung und Gleichberechtigung mit Feminismus gleich zu setzen, zeigt es einmal mehr wie tief Geschlechterstereotype vom harten und aggressiven Mann und der passiven, schwachen Frau in den profeministischen Männergruppen und im Feminismus verankert sind. Es war schließlich nicht ein Feminismus der diesen offenen Brief geschrieben hat, sondern offensichtlich MANNdat. Der Feminismus hingegen hat sich nur an seinen Stereotypen vom aggressiven Mann und der schwachen Frau abgearbeitet. Kein gutes Zeugnis für einen Feminismus der mit Emanzipation gleich gesetzt werden möchte.

    Dafür taucht in solch einem Zusammenhang immer wieder das Argument auf, diese Arbeit könne man nicht leisten, dafür sollten sich die Männer selbst zusammen schließen und Vereinigungen gründen. Man könnte zwar sagen, egal wie man’s macht ist es Falsch, trotzdem haben es die grünen Männer mit ihrem Männermanifest vor gemacht wie man es machen sollte. Von den grünen Frauen wurde das schließlich gut aufgenommen, dass sich die Männer endlich bereit erklärt hätten, die Emanzipation von Frauen voran zu treiben. Frau Künast’s erste Idee für die Männermanifestler war dann, man könne sich für einen besseren Lohn von Erzieherinnen einsetzen. Man wird wohl fragen dürfen wo dann eigentlich die Belange und Probleme der Männer in der feministischen Emanzipation oder der grünen feministischen Politik ihren Platz haben sollen?

    Es ist wohl eher so, dass uns Männern der Feminismus nur eine „Auseinandersetzung mit Männerrollen/ männlichen Identitäten“ anbieten kann. Das war’s dann aber auch schon. Die grünen Männer kann man dann beruhigen, sie haben es verzüglich geschafft sich von Männerrechtlern abzugrenzen. Damit dann auch von Männerrechtlern abgegrenzt die sehr wohl schon längst Jungs aus bildungsfernen und sozial schwachen Migrantenfamilien als Bildungsverlierer Nr. 1 identifiziert haben (siehe ebenfalls MANNdat). Hingegen die grünen Männermanifestler werden den Jungs mit der „Auseinandersetzung mit Männerrollen/ männlichen Identitäten“ keine Lösung für strukturelle Probleme bieten können.

  8. Liebe Diskutant_innen,

    Thomas Schmidt schreibt:

    Ein slash-back in die guten alten 50`er wird von Frauen UND Männern breitflächig abgelehnt. Ich sehe die Zukunftsvision so, wie ich sie seit Jahren publiziere : In einem Klima gegenseitiger Wertschätzung und Verständnisbereitschaft das Geschlechterverhältnis modern weiterzuentwickeln und für Frauen wie Männer größtmögliche Rollenfreiheit in der Wahl der Lebensentwürfe zu ermöglichen.

    Das hoffe ich sehr. Ein Backlash ist das letzte, was wir heute gebrauchen können.
    Wie gut könnten alle Geschlechter gemeinsam an einer Verbesserung der Gesellschaft arbeiten, wenn die starren „Rollenkorsetts“ endlich abgelegt würden. Viele Männer – wie auch die grünen Männer mit ihrem Manifest – sind offenbar dazu bereit, Abstand von althergebrachten Konzepten der Männlichkeit UND Weiblichkeit zu nehmen. Und das ist sicher der richtige Weg.

    Nartülich gibt es die ewiggestrigen Maskulisten, so wie es auch ewiggestrige Frauen á la E.Herman gibt. Aber man kann das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen; an so etwas zu glauben, ist dumm.

    Und es würde auch unserer gesellschaftliche Entwicklung nachhaltig beschädigen, wenn wir wieder dahin zurück gingen, die Hälfte des Wissens, der Kreativität, des Könnens brach liegen zu lassen. Das darf und wird nicht geschehen – wenn sich genügend intelligente Menschen zusammenfinden, um Rückschritte zu verhindern.

    Viele Grüße,
    Piratenweib

  9. Peter Bosshard

    Das „grüne Männermanifest“ zeigt exemplarisch, woran die traditionelle, feministischen Idealen verpflichtete Männerbewegung krankt: Es werden keine eigenständigen Positionen entwickelt, sondern feministische übernommen.

    Es ist einigermassen naiv und frauenidealisierend, wenn die „grünen Männer“ nicht wahrhaben wollen, dass der Feminismus in all seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen eines doch eint: der Wille, die Interessen von Frauen zu vertreten.

    Das „grüne Männermanifest“ zeigt deutlich, dass die altbackene Vorstellung, Frauen müssten in jedem Fall von Männern in ihren Bestrebungen, auch in ihren Emanzipationsbestrebungen, unterstützt werden, für eine Männerbewegung mit emanzipatorischem Ansatz nicht taugt.

    Eine moderne Männerbewegung formiert sich autonom, abseits feministischer Vorgaben, und hat die Wahrung der Interessen von Männern im Blick, formuliert eigene Positionen und steht daher zwangsläufig im Konflikt mit Feministen, da die Interessen von Frauen und Männern nicht notwendigerweise die gleichen sind.

    Die Diffamierung der neuen Männerrechtsbewegung als rechtsradikal oder Ähnliches, die in der Tat oft in Opposition zum real existierenden Feminismus und seiner einseitigen Fokussierung auf weibliche Anliegen steht, die wird nicht verhindern, dass sich die Vertreter des etablierten, des institutionalisierten Feminismus sich der Kritik stellen müssen.

    Feministische Besitzstände werden durch die neue Männerrechtsbewegung fundamental in Frage gestellt. Das macht Angst und erklärt die zum Teil irrationalen Diffamierungsbemühungen der Vertreter des institutionalisierten Feminismus. Eine derart im wahrsten Sinne des Wortes reaktionäre Haltung wird aber auf Dauer nicht erfolgreich sein. Es wäre erfreulich, wenn sich diese Erkenntnis auch bei der Heinrich Böll Stiftung durchsetzen würde und damit einer konstruktiveren Auseinandersetzung Raum gäbe.

  10. @ Piratenweib:

    Nein, Sie irren sich. Die Grünen Männermanifestler sind alles andere als bereit sich von Rollenkorsetts zu befreien. Sehen Sie mal die dortige Diskussion zum Sorgerecht für Väter an, oder auch das Frauenstatut. Gerade die GRÜNEN halten im Zweifel am Feindbild Mann fest, sei es als Täter, als Drückeberger oder als Unterdrücker.
    Genau darum sind Männerrechtler ja notwendig geworden, eben weil der Feminismus es nicht schafft auch Männerbelange zu berücksichtigen.

    In Ihrer Aufzählung haben Sie leider ewiggestrige Feministinnen vergessen. Zufall?

  11. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

    Mit diesen Worten entsagte Michail Gorbatschow einst folgenreich jenen holzschnittartigen Feindbildern und untauglichen Kampfparolen aus der politischen Mottenkiste, die jenseits gesellschaftlicher Entwicklungen einer kleinen Gruppe Macht, Einfluss und Privilegien sicherte.
    Bürgerrechtler öffentlich als „Feinde des Volkes“ und „Chauvinisten“ zu diffamieren, erwies sich hier als nur kurzzeitig wirksam.

    Insofern, Frau Unmüßig, was sind Ihre den 70iger Jahren entlehnten „Argumente“ und „Studien“ à la Gesterkamp mit dem Ziel der Diffamierung heute wert?
    Die Antwort darauf erteilt das Leben selbst.

  12. Die Entstehung einer Bewegung resultiert meist daraus, dass sich die Vertreter dieser in anderen bestehenden Gruppen bisher nicht hinreichend vertreten gefühlt haben. Dies ist auch bei den Männern nunmehr der Fall und meiner Meinung auch gerade eine Folge der Lockerung der Geschlechterrollen. Nunmehr meinen Männer sich nämlich auch mal beklagen zu können und Rechte geltend zu machen, was ihnen vorher in dieser Form eben auch teilweise verboten war – der starke Mann darf sich nämlich nicht beschweren und von Frauen auch gar nichts fordern, er darf auch nicht zugeben, dass Frauen ihm etwas wegnehmen oder das er staatliche Hilfe gegen sie braucht.

    Der Feminismus behauptet gern auch Männerinteressen zu vertreten, aber das ist so nicht der Fall. Bei den Grünen-Männern könnte man es auch so sehen, dass sie sich noch nicht genug von ihrer Geschlechterrolle freigemacht haben. Sie unterstützen zwar alternative Lebensentwürfe, aber sie vertreten gleichzeitig Frauenpositionen und keine eigenen und werben damit in gewisser Weise um die Gunst der Frauen. Eine eigenständige Männerpolitik muss aber auch bereit sein eigene Interessen zu vertreten, auch wenn dies nicht mit Frauenpolitik übereinstimmt. Die gerechte Lösung kann dabei dann eben in der Mitte liegen

  13. Trutzblankehans

    Ein guter Artikel. Ich finde aber, dass die Kritik an den Männerrechtlern zu kurz greift. Kein Rauch ohne Feuer. Ich denke dass das Entstehen dieser Gruppen ein gravierendes Problem aufzeigt. Der Feminismus hat ein neues Frauenbild hervorgebracht (auch wenn weite Teile der Gesellschaft immer noch daran arbeiten müssen) und hat klar gemacht, wie Männer nicht sein sollen. Es wäre für den Gleichberechtigungsprozess aber wichtig, dass mehr Männer sich darüber klar werden, wie sie sein wollen. Der männliche Teil der Bevölkerung braucht ein positives Männerbild, mit dem er den Anforderungen der modernen Gesellschaft gerecht werden kann und dabei Mann bleiben kann. Eine Frau ist nicht einfach ein schlechterer Mann, aber ein Mann ist eben auch keine schlechtere Frau. Man sollte biologische Determinatoren in die Überlegung mit einbeziehen.
    Ein zurückfallen in alte Rollenklischees wäre aber eine absolute Katastrophe. Ich finde es immer besonders peinlich, wenn Männer nicht in der Lage sind für sich selbst zu sorgen. Als Geschlechtsgenosse ist das auch für mich eine Herabsetzung. Mann muss doch in der Lage sein, wenigstens die simplen Arbeiten im Haushalt ohne weibliche Hilfe zu erledigen. Aber da sind die Machos absolute Weicheier. Nebenbei gesagt finde ich andersherum Frauen, die sobald die Gefahr besteht, dass der Nagellack schaden nimmt nach einem Mann rufen genauso fürchterlich. Ich mag keine „Weibchen“.
    Lange Rede, kurzer Sinn: Auch wenn die Ausprägung als Männerrechtler nicht das gelbe vom Ei ist, so sollte man die damit angezeigten Probleme nicht einfach abtun.
    Viele Grüße
    Peter

  14. Liebes Piratenweib,

    kannst Du denn mal beschreiben, wo es „starre Rollenkorsetts“ gibt?

    Ich kann so etwas nicht sehen. Ich halte dies für eine reine Behauptung.

    Mich würde interessieren, wie Du diese Behauptung seriös begründest.

    Ansonsten entsteht leider der Eindruck, daß es sich bei „Feminismus“, „Gender“-„Theorie“ und ähnlichen Phänomenen um Ideologie handelt.

  15. Andreas Biehler

    Was ist denn schlimm daran, daß Männer nun (seit über 10 Jahren) anfangen, sich selbstbestimmt und außerhalb feministischer Hegemonieansprüche für ihre Gleichberechtigung einsetzen. Ich sehe kein Problem darin, daß Männer das geteilte Sorgerecht, Schutz vor häuslicher Gewalt, bessere Gesundheitsfürsorge, Verbot der Beschneidung, Gleichbewertung ihrer Kinder in der Schule etc. einfordern. Das ist ihr gutes Recht. Und selbstverständlich dürfen wir dabei die Rolle des Feminismus dabei benennen. Wenn wir dabei Unrecht haben, sagen Sie klar, worin.
    Wer sonst sollte sich für Männerrechte einsetzen, wenn nicht die Männer selbst? Die Feministinnen? Wann immer ich einer Feministin gegenüber diese Probleme Feministinnen gegenüber ansprach, kamen stets die immer gleichen Worte: „Kümmert euch doch selbst darum“. Gut, das tun wir jetzt. Wieso stört Sie das? Überhaupt verspüren wir eine ganze Menge Gegenwind aus der Frauenbewegung, was ein Grund mehr ist, die Sache selbstbestimmt anzupacken.
    Aber immerhin, das möchte ich ausdrücklich positiv anerkennen, erkennen Sie Ungerechtigkeiten. Was haben Sie bisher dagegen unternommen? Nichts? Sehense, und genau deshalb gibt es die Männerrechtler. Ganz selbsternannt und ohne vorher irgendjemanden um Ernennung zu bitten.

  16. Thomas Schmidt

    Ich persönlich stelle immer wieder fest, dass in Diskussionen gerne von „dem Feminismus“ gesprochen wird.

    Es gab und gibt mehrfach integrative Ansätze und Bemühungen. In „Wir Alphamädchen“ ist dies diskutiert, die Feministin Susan Faludi beschrieb sehr empathisch Männer als „das betrogene Geschlecht“ und die italienische Feministin Adriana Cavarero und die französische Feministin Luce Irigaray füllten um 1990 den sog. Differenzfeminismus.

    Bei genauer Recherche der 900 Seiten Simone de Beauvoir, „das andere Geschlecht“ fand ich ebenfalls massenweise integrative Komponenten, insbesondere der Schlußsatz auf S. 900.

    Die historische Abhandlung zeigt, daß der Antifeminismus bereits 1617 eine konkrete Formulierung aufzeigte. Die Männlichkeitsdominanz innerhalb der Familie wurde 1576 vom Hexenverfolger Jean Bodin manifestiert.

    Daher halte ich die pauschale Formulierung „der Feminismus“ in Diskussionen für eindimensional feindbildschemenhaft besetzt, wie Fr. Unmüßig dies auch treffend formuliert hat :

    „…ein gemeinsames Feindbild: „den“ Feminismus. Zusammen gewürfelte Einzelbeispiele und Polemiken sollen undifferenziert und pauschal die Benachteiligung von einer homogen dargestellten Gruppe der Jungen und Männer beweisen. Mit dieser Analyse(un)fähigkeit und Argumentationslogik disqualifizieren sich diese „Männerrechtler“ selbst.“

    Ich denke, die Zukunftsvision sollte sein wie Gloria Steinem sie innerhalb der mythopoetischen Männerbewegung formulierte :

    “Damit keine Mißverständnisse aufkommen : Frauen begrüßen die Männerbewegung. Wir sehnen uns buchstäblich danach…Wir müssen unsere Instinkte einsetzen, um zu beurteilen, wem wir vertrauen können. Wir werden Fragen stellen müssen…Dann können Frauen tatsächlich Verbündete finden im Kampf für eine Zukunft, wie es sie noch nicht gegeben hat.”

    (Quelle : Zitat Gloria Steinem in “Männer auf der Suche”, Steve Biddulph, S. 25).

  17. Thomas Schmidt

    Sehr geehrte Frau Unmüßig,

    möchte Ihnen nur ein paar Äußerungen zu Ihrem Beitrag aus dem Hause MANNdat e.V. nahebringen :

    „..eine Propagandaabteilung, die so genannte Heinrich-Böll-Stiftung. Vorstand dieser selbsternannten „Stiftung“, tatsächlich schlicht ein eingetragener Verein, wie etwa MANNdat e.V., ist u. a. Frau Barbara Unmüßig, der offenbar das Hemd flattert, weil Männerrechtler morgen oder spätestens übermorgen die Bastionen des Politfeminismus schleifen werden….“Sie sucht nach Parteigängern für einen strikt profeministisch links-grünen Kurs, die ihr die Kohlen aus einem phantasierten Feuer holen sollen. Sie vertritt nämlich nicht die Toleranz oder die Geschlechterdemokratie oder Heinrich Böll, sondern das Propagandainstitut der grün gestrichene Feminismuspartei, sprich: Bündnis 90/Die Grünen.“

    Ich denke, solche Beiträge sprechen für sich und bedürfen keiner weiteren Kommentierung, außer dieser treffende Hinweis :

    „…Geschlechterpolitische und feministische Akteur_innen sind herausgefordert den selbsternannten „Männerrechtlern“ Paroli zu bieten.“

    Piratenweib schreibt :

    „Und es würde auch unserer gesellschaftliche Entwicklung nachhaltig beschädigen, wenn wir wieder dahin zurück gingen, die Hälfte des Wissens, der Kreativität, des Könnens brach liegen zu lassen.“

    Genau so ist es. Wir können es uns nicht leisten, weibliche Kernkompetenzen in den innerhäuslichen Bereich zu verbannen, nur weil es für die Identitätsfindung Einzelner von Wichtigkeit ist.

    Freundliche Grüße,
    Thomas Schmidt

  18. Andreas Biehler

    @ Thomas Schmidt:

    Wo steht das? Ich habe es auf der Webseite nicht gefunden, und es ist meilenweit vom sonstigen (meines Erachtens gelegentlich allzu) versöhnlichen Positionen des Vereins entfernt.

  19. Lieber Thomas,

    Dr. Eugen Maus schreibt in seiner Stellungnahme auch:

    „Gewiss, der Vergleich zwischen dem Heinrich-Böll-Stiftung e.V. und dem MANNdat e.V. hinkt ein ganz klein wenig. Frau Unmüßig kann immerhin über einen Etat von annähernd 40 Millionen Euro verfügen, der, ganz nebenbei gesagt, weitestgehend aus Steuergeldern abgezweigt wird. Wenn überhaupt, dann ist Frau Unmüßigs Etat somit also überwiegend von Männern ‚gestiftet‘ (vgl. http://manndat.de/fileadmin/Dokumente/Studien/Analyse_Gender-Budgeting.pdf) Der Jahresetat des MANNdat e.V. dagegen, vollständig von privater Seite erbracht, würde wahrscheinlich nicht einmal ausreichen, die Portokasse der Heinrich-Böll-Stiftung oder ein Monatsgehalt von Frau Unmüßig zu finanzieren.“

    Quelle und vollständiger Text: http://wp1131552.wp170.webpack.hosteurope.de/forum/index.php?id=2524

    Auf der einen Seite befinden sich also die Graswurzelaktivisten aus der Männerrechtsbewegung und auf der anderen ein Staatsfeminismus, der massiv von überwiegend von Männern erbrachten Steuergeldern getragen wird. Und diese Konstruktion wollen Feministinnen daraufhin als „patriarchale Frauenunterdrückung“ verkaufen …

    Davon abgesehen stellt sich sehr die Frage, ob Dr. Maus mit der von dir zitierten Argumentation nicht einfach Recht hat. Das Gunda-Werner-Institut tut in diesem Blog rein formal so, als ginge es ihm um eine Einladung zu einer konstruktiven Diskussion auf Sachebene. Diese wird von Barbara Unmüßig aber eingeleitet mit Äußerungen wie „Mit dieser Analyse(un)fähigkeit und Argumentationslogik disqualifizieren sich diese Männerrechtler“ selbst“ und: es ginge darum, ihnen „Paroli zu bieten“. Von einer Bereitschaft zu einer lösungsorientierten Diskussion auf Sachebene fehlt hier jede Spur. Tatsächlich scheint es ihr darum zu gehen, den früher von der Linken so gerne geforderten „herrschaftsfreien Diskurs“ um jeden Preis zu vermeiden. Nachdem die Strategie des Totschweigens jetzt endgültig gescheitert ist, sollen Männerrechtler nur noch als Feindbild dienen. So wie die bürgerliche Presse in den sechziger und siebziger Jahren versucht hat, den Feminismus mundtot zu machen. Wir wissen, wie das endete.

  20. Ich finde es imer wieder fazinierend wenn FeministInnen meinen Männern vorschreiben zu müssen wie Ihre Rolle auszusehen hat. Es stimmt Männer müssen sich Gedanken über Ihre Rolle in der heutigen Gesellschaft machen, aber das ist zu allererst Sache der Männer und da haben Frauen und oder Feministen NULL mitsprache Rechte. Frauen und FeministInnen haben Ihr Recht auf freie Selbstverwirklichung wahrgenommen und das ist gut so. Das gleiche Recht haben aber auch die Männer. Die Ganzen Komentare von seiten der FeministInnen oder dieser sogenannten linken Männerrechtler ala Gesterkamp, Schmidt usw. zielen doch nur darauf ab Männern eine Rolle aufzudrücken die den Frauen und FeministInnen genehm ist. Einen echten Diskurs kann es erst geben wenn die real existierende Diskriminierung von Jungen und Männern abgeschafft ist und man sich tatsächlich auf Augenhöhe gegenübersteht.

  21. Thomas Schmidt

    Lieber Uli Kessler,

    vielen Dank, daß Sie die Frage von Hr. Biehler schon mitbeantwortet haben.

    Zur Verdeutlichung möchte ich Ihnen ein Diskussionsbeispiel nennen :

    „…der FeministInnen oder dieser sogenannten linken Männerrechtler Männerrechtler ala Gesterkamp, Schmidt usw…“

    Ich kenne solche schnell persönlich abwertenden Reaktionen zu Genüge. Auch auf diegesellschafter.de sind immer dieselben Namen zu sehen die die ewiggleichen an MANNdat e.V. angelehnten Mantras kreisförmig wiedergeben. Daß dies der berechtigten Männersache alles andere als förderlich ist, dies zu reflektieren ist meist sinnlos darauf hinzuweisen. Dort wie auch in agressiveren Foren wie z.B. wgvdl (Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land) wird man gegenüber anderslautenden kritischen Meinungen schnell persönlich ausfällig, beschimpft und beleidigt. Einer äußerte : „Wir sollten darauf achten, wo wir unsere Feinde verorten.“

    Solche Auftritte sind m.E. keine „Bewegung“ berechtigter Anliegen, sondern m.E. eine Projektion ohne hintergrundrecherchierte Bodenhaftung.

    Weiterhin wird immer wieder auffällig dass man schnell mit Begrifflichkeiten aus der Zeit von 33-45 bei der Hand ist, wie z.B. Blockwart (ich wusste vorher gar nicht, was das ist), „Propaganda“ o.a.

    Ich kann hierzu genug Quellen zitieren.

    Auch das Auftreten von Hr. Dr. Maus kenne ich als ehemaliger Insider. Ich weiß, daß die BetreiberIn von wgvdl und Femokratie dort 2008 ordentliches Mitglied gewesen ist bzw. noch ist, was auch in einem kurzen Ausschnitt des SWR-Beitrages „Jungs auf der Kippe“ von 2008 zu sehen ist. Es wird meiner Erfahrung nach auch autoritär aufgetreten, was ich persönlich als antidemokratisch empfinde.

    MANNdat e.V. ist für mich vor diesem Hintergrund kein seriöser Ansprechpartner, sondern kommt mit seinen oskuren Auftritten m.E. eher sektenhaft und radikalisierend daher. Ich sehe in diesen Auftreten auch den Grund, warum im männerrechtlerischen Fahrwasser merkwürdige und ausfällige Meinungsbildungen mitschwimmen.

    Etwas kritisch da sehe ich mittlerweile auch AGENS e.V., den ich zunächst aufgrund der Begrifflichkeit „Geschlechterdemokratie“ befürwortete, der m.E. vorwiegend antifeministische Schwerpunktsetzungen vermittelt.

    Die Begrifflichkeit „der Feminismus“ ist mir auch zu undifferenziert und auch aus diesem Grunde halte ich einen banalen Antifeminismus für kontraproduktiv, wenig zielführend und weiterentwicklungshemmend.

    Auch kann ich die Behauptung der „Jungendiskriminierung“ in keinster Weise in der Praxis bestätigen. Ich sehe jedoch Handlungsbedarf, durch männliche Präsenzen in Kitas und Grundschulen positiv besetzte Leitbilder anzubieten, wie es in nordischen Ländern bereits Normalität ist (Quelle : Männliche Identitäten, Dammasch).

    Ich denke, hierzulande wirken da noch eher konservative Geschlechtersegregationen.

    Eine Männerbewegung und Entwicklung authentischer Männlichkeit ist m.E. überfällig, denn wie auch Gerald Hüther in „Männer“ auf S. 77 beschrieb, war Männlichkeit bisher eher Abrichtung und Dressur (Stichwort : Zwangsmännlichkeit).

    Björn Süfke und Steve Biddulph haben ebenfalls hervorragende Beiträge geliefert und ich beobachte hier u.a. verstärktes mediales Interesse.

    Auch ist die Umsetzung des gender-mainstreaming für Frauen UND Männer zu berücksichtigen, wie sie ja jetzt erfreulicherweise erfolgt. In der Vergangenheit war dies einseitig besetzt. Ob hier Befürchtungseffekte vor einem back-lash diese Vereinnahmungseffekte mitbegründet haben, sei dahingestellt.

    Von daher sehe ich viele Teilziele bereits realisiert und es besteht nicht der geringste Anlass für Radikalisierungseffekte.

    Vereine mit o.g. Konstellationen halte ich aus diesem Grunde für sehr bedenklich und ich sähe es mit Sorge, wenn diese Positionen in den Mainstream transportiert würden.

    Ich sehe Handlungsbedarf für eine Geschlechterkultur des Dialogs und Aufklärung sowie Kurskorrekturen, nicht für virtuelle Agressivitäten.

    Bei meinen Recherchen zu Simone de Beauvoir fand ich unerwartete und gute Positionen.

    Ich fasse ein Beispiel mal anschaulich zusammen :

    Sie beschreibt 1949 ein Geschlechterspiel, wo die Karten zuungunsten von Frauen UND Männern gemischt und für beide Geschlechter ungerecht verteilt sind. Sie verurteilt nicht die Spieler, sie will sie auch nicht geschlechtslos machen, sondern das Spiel, die Sitten und Regeln. Sie wollte die Karten neu mischen und gerecht für alle verteilen. Auch für Männer im Hinblick auf die sog. „Zwangsmännlichkeit“ – wie moderne Männerbewegte. Ein Gegnerbild „Mann“ oder Misandrie sehe ich im Gesamtkontext dort nicht begründet.

    Ich sehe also auch keinen Grund für irgendwelche Berührungsängste.

    Sie wollte den mehrtausendjährigen Geschlechterkampf beenden und die Wertebedingungen endgültig zum Vorteil beider Geschlechter ausbalancieren.

    Und das will ich auch.

  22. Andreas Biehler

    Lieber Herr Schmidt,

    Sie finden die Begrifflichkeit „der Feminismus“ zu undifferenziert. Da würde ich doch ganz gerne zurückfragen, was Sie tun, wenn Sie die autonome Männerbewegung (also die außerhalb der feministischen Hegemonie agierende) auf ein Schmuddelforum, Manndat und Agens reduzieren. Ich muß schon bitten, sich an die eigenen Standarts zu halten.

    Daß Männlichkeit bisher vor allem Abrichtung und Dressur war, dem stimme ich zu. Die von Ihnen verteufelten Organisationen streben authentische Männlichkeit an. Die servieren uns keine vorgefertigten „neuen Rollenkonzepte“, sondern überlassen uns selbst, wie wir sein wollen.

    Daß Sie die Umsetzung des GM für Männer UND Frauen anstreben, finde ich sehr positiv. Einige Punkte habe ich ja oben bereits genannt. Sie schreiben, daß das bereits in Angriff genommen wird. Davon ist mir nichts bekannt. Der Anteil der HIV-Infizierten ist nach wie vor nicht zurückgegangen, Studien über die Männerüberhänge bei Obdachlosen und Suiziden gibt es noch immer nicht. Die Männerwehrpflicht wird aus Spargründen (wahrscheinlich) ausgesetzt und ist nicht das Verdienst unserer Genderer, und Penisverstümmelung ist noch immer legal. Und daß Männer nun vor Gericht um das Sorgerecht klagen dürfen, kann selbst der Wohlwollendste nicht als Fortschritt bezeichnen. Habe ich etwas übersehen? Was wurde für die Männer bereits in Angriff genommen?

  23. Ich denke, das sind durchwegs interessante und wichtige Fragen! Vor allem halte ich es für zentral, diese Debatte nicht konservativen / reaktionären Kräften zu überlassen. Egal ob Feminismus, Gender Mainstreaming (das meiner Ansicht nach durchaus kritikwürdig ist) oder Männerbewegung – es kann im Grunde nur das gemeinsame Ziel geben, dass die Kategorie Geschlecht Menschen in ihren Lebensentwürfen nicht behindern und Ungleichheiten / Diskriminierungen / Machtgefälle produzieren darf. Den viel zitierten Gegensatz sehe ich hier (eigentlich) nicht.

  24. Ein Ansatz einer gerechten Geschlechterpolitik muss es meiner Meinung nach sein Denkverbote aufzuheben.
    Der Feminismus hat einiges an Denkverboten und dogmatischen Sichtweisen hervorgebracht, die für einem offenen Umgang von Mann und Frau nicht weiterführend sind.

    Das ist zum einen der Opfergedanke im Feminismus, der rauen aus der Verantwortung entlässt und meist die (männerdominierte) Gesellschaft als Schuldigen darstehen läßt.

    Eine vernünftige Geschlechterpolitik muss beide Geschlechter als selbstverantwortlich für ihre Taten sehen.
    Dabei sollte auch berücksichtigt werden, dass ein Großteil des Verhaltens der Männer durch Erwartungen der Frauen geprägt wird. Nach einer Umfrage von Sinus Sociovision sprachen sich 2007 nur zwei Prozent der Deutschen für das Modell der weiblichen Familienernährerin aus. Frauen wollen immer noch einen Mann mit einem soliden Beruf und zumindest gleichem oder höheren sozialen Status. Das dann die Männer (die im Gegenzug ja auch Partnerinnen wollen) sich dieser Erwartung anpassen ist nicht verwunderlich. Frauen halten damit Das Rollenbild Mann und das Rollenbild Frau aktiv und stützen es. Ebenso ist nicht verwunderlich, dass jemand, der nicht Haupternährer sein will eher bereit im Job kürzer zu treten. Hingegen ist jemand, der diese Position übernommen hat (und einen Hauskredit abzuzahlen und die Ausbildung der Kinder zu finanzieren hat) sich mehr um sein berufliches Vorkommen bemüht.
    Gegenwärtig ist für einen Mann das Aufgeben des Berufes zur Kindererziehung ungefähr das gleiche wie 30 Kilo mehr auf einer Frau – es macht ihn unattraktiv und senkt seine Chancen, wenn die Ehe scheitert.

    Zudem ist die „alle Menschen sind gleich – nur die Gesellschaft macht uns zu Mann und Frau“-Theorie eigentlich nur in den Gender Studies vertreten. Die meisten anderen Richtungen, insbesondere die Biologie lehnen sie mit guten Gründen ab. Es ist auch wenig vorstellbar, dass der Evolutionsdruck, der verschiedene Körper bei Mann und Frau geformt hat sich nicht auf das Gehirn ausgewirkt hat. Hier sollte ebenfalls offen über möglicherweise bestehende Unterschiede diskutiert werden können.

  25. @Klaus W.:

    Nein, Sie irren sich. Die Grünen Männermanifestler sind alles andere als bereit sich von Rollenkorsetts zu befreien. Sehen Sie mal die dortige Diskussion zum Sorgerecht für Väter an, oder auch das Frauenstatut.

    Ich irre mich nicht. Ihr angeführten Beispiele belegen das.

    In Ihrer Aufzählung haben Sie leider ewiggestrige Feministinnen vergessen. Zufall?

    Auch Feministinnen sind Frauen. Haben Sie das vergessen?

    @James T. Kirk:
    Ihr rhetorisches Fragen-Perpetuummobile kenne ich bereits zur Genüge aus zahllosen Blogdiskussion und Foren. Es lohnt nicht, darauf zu antworten.

    @Andreas Biehler:

    Was ist denn schlimm daran, daß Männer nun (seit über 10 Jahren) anfangen, sich selbstbestimmt und außerhalb feministischer Hegemonieansprüche für ihre Gleichberechtigung einsetzen.

    Theoretisch ist überhaupt nichts „schlimm“ daran, dass Männer sich für Gleichberechtigung einsetzen.
    Jedoch hat es ein „G´schmäckle“, wie die Schwäbin sagt, wenn die Mitglieder der normativen Herrenklasse von ihrer Unterdrückung sprechen.
    Natürlich gibt es Ungerechtigkeiten im persönlichen Rahmen, in Einzelfällen, in einigen (wenigen) Gesetzen. Daran sollte etwas geändert werden. Jedoch ist die Macht noch immer auf der patriarchal-männlichen Seite, daran ändert auch eine Bundeskanzlerin nichts. Der Normalfall ist noch immer „der Mann“, die Ausnahme, die Abweichung ist stets „die Frau“.

    Das Hauptproblem der maskulinistischen Backlash-Bewegung ist aber, dass es dabei nicht um Gleichberechtigung für alle geht, sondern darum, Frauen wieder in die zweite Reihe zu verweisen, um dadurch selbst besser dazustehen. DAS ist es, was Feminist_innen bemängeln und als falschen Weg deklarieren. Und dagegen werden Menschen, die für wirkliche Gleichstellung eintreten, stets ankämpfen (müssen). Dummweise werden dadurch viele Energien gebündelt, die eigentlich für sinnvolleres eingesetzt werden könnte.

    @Thomas Schmidt:

    Sie wollte den mehrtausendjährigen Geschlechterkampf beenden und die Wertebedingungen endgültig zum Vorteil beider Geschlechter ausbalancieren.

    Und das will ich auch.

    Das ist ein erstrebenswertes Ziel.
    Danke!

  26. „Etwas kritisch da sehe ich mittlerweile auch AGENS e.V., den ich zunächst aufgrund der Begrifflichkeit “Geschlechterdemokratie” befürwortete, der m.E. vorwiegend antifeministische Schwerpunktsetzungen vermittelt.“

    Lieber Herr Schmidt,

    können Sie mal darlegen, was an „antifeministischen“ Schwerpunktseztungen schlimm ist?

    Sie drücken damit aus, daß solche Orientierungen etwas per se Negatives seien, als ob also feministisches Gedankengut per se positiv sei und Kritik daran also etwas Schlechtes.

    Ihre Argumentationen bestehen zum größten Teil aus reinen Behauptungen, Suggestionen und Zuschreibungen, als ob damit alles gesagt wäre. Dies kann man an zahlreichen Ihrer Beiträge hier auf diesem Blog studieren.

    Mit Ihrer Beschreibung von Agens ist doch nicht im geringsten eine seriöse Kritik verbunden oder eine sachliche Auseinandersetzung.

    Es reicht Ihnen, diesen Verein als „antifeministisch“ zu diffamieren, was als solches rein gar nichts bedeutet.

    Ich fände es also schön, wenn Sie statt ständiger negativer Zuschreibungen mal auf ein argumentatives Niveau kommen würden.

    Also äußern Sie doch mal eine konkrete, sachliche Kritik an Agens, Manndat oder Ähnlichem, außer auf Irrelevantes oder schlichte Lügen abzustellen.

  27. Andreas Biehler

    @ Piratenweib:

    „Natürlich gibt es Ungerechtigkeiten im persönlichen Rahmen, in Einzelfällen, in einigen (wenigen) Gesetzen. Daran sollte etwas geändert werden. Jedoch ist die Macht noch immer auf der patriarchal-männlichen Seite, daran ändert auch eine Bundeskanzlerin nichts. Der Normalfall ist noch immer „der Mann“, die Ausnahme, die Abweichung ist stets „die Frau“.“

    Nun gut, da sind wir nun bei der Basis einer Diskussion angelangt. Sie ziehen die Grenzen zwischen den Geschlechtern, ich zwischen oben und unten. Sie sehen die Macht bei den Männern, ich bei den Reichen. In diesem Punkt wird eine Diskussion erst wieder sinnvoll, wenn wir uns auf eine gemeinsame Basis einigen. Ich bin mir allerdings sicher, daß z.B. eine Frau Zumwinkel über wesentlich mehr Macht verfügt als jeder Mann aus meiner gesamten Sippe.

    „Das Hauptproblem der maskulinistischen Backlash-Bewegung ist aber, dass es dabei nicht um Gleichberechtigung für alle geht, sondern darum, Frauen wieder in die zweite Reihe zu verweisen, um dadurch selbst besser dazustehen. “

    Wer soll das überhaupt sein, die maskulinistische Bewegung? Die ist so vielfältig, daß man von einer einheitlichen Bewegung überhaupt nicht sprechen kann. Sie verallgemeinern, werfen alles in denselben Topf und kleben das Etikett „Reaktionär“ darauf. Diese Vorgehensweise als „unfair“ zu bezeichnen ist noch schmeichelhaft.

  28. Sehr geehrte Frau Unmüssig,

    wenn rechtskonservative ode rechtsliberale Diskusisonsteilnehmer/Foren/Akteure eine gesellschaftliche Realität benennen, wird diese Realität deswegen nicht unwahr. Es zeigt eher, dass der Feminismus nicht in der Lage war und ist, Männer als Partner zu behandeln oder gar zu gewinnen.

    Eine Forderung des Feminismus an Männer ist doch, dass wir Gefühle und Gedanken äussern und mehr kommunizieren sollen. Dies tun wir jetzt. Die Folge: MANN wird wahlweise als Jammerlappen oder böser Maskulist verurteilt. Also bitte, was sollen Männer nun tun? Sie werden aktiv. Eigenständig und im Gegensatz zum Feminismus ohne finanzielle Unterstützung durch den Steuerzahler. Und vor allem: unabhängig von den feminismusbewegten Männergruppierungen a´la „Grünes Mannermanifest“ oder Herrn Gersterkamp. Diese erinnern mich leider zu sehr an die Hauswirtschaftsschulen der 50er Jahre. Darin wurden Frauen auf Ihr Rollenbild als brave Hausfrau trainiert. Jetzt läuft es bei den „feministischen Männern“ ähnlich, nur mit anderen Vorzeichen. Das Männer diesen Herren nicht trauen, sollten Sie verstehen. Zu lange hat der Feminismus das männliche Geschlecht per Definition diskriminiert und für alle gesellschaftlichen Übel verantwortlich gemacht. Und dies tut er noch heute.

    Lesen Sie doch mal das Interview mit Frau Steffens, neue NRW-Emanzipationsministerin, im letzten Focus. Der ganze Artikel drückt eine altbackene und inzwischen muffig wirkende Männerverachtung aus, die wirklich niemand ausserhalb der feministischen Zirkel mehr ernst nimmt. Im Gegenteil. Durch diese Überdrehung karrikiert sich die Dame mit ihren Zielen selbst. Und öffnet mehr und mehr Männern die Augen darüber, was sie vom Feminismus zu erwarten haben.

    Und Ihr Versuch, Männerrechtler abzuwürgen, ist ein verständliches, aber nutzloses Unterfangen, die Deutungshoheit über Geschlechtergerechtigkeit zurück zu gewinnen.
    Letztendlich wird dieser Versuch nach hinten losgehen. Da der Feminismus Männer nicht als Partner, sondern immer als Täter sieht, bleibt mir keine Wahl, als eigeständig und mit Gleichgesinnten in neuen Bürgerbewegungen zu agieren. Der Opferfokus des Feminismus ist auf Frauen gerichtet, Täter sind immer Männer. Und männliches Leid wird bestensfalls abgewertert, eher noch verhöhnt.

    Mein Fazit: nennt mich Maskulist, Antifeminist, Männerrechtler, mir ist´s wurscht. Ich weiss, wofür ich stehe und mich engagiere. Agens und Manndat sind Vorbilder, nicht zu vergessen ganz oben dabei Frau Monika Dittmer, Gleichstellungsbeauftragte von Goslar. Ich bin gegen Feminismus, jedoch für Gleichberechtigung.

    Mit freundlichen Grüssen
    Jörg Dreyer

  29. Herr Dreyer,

    Sie sprechen mir aus der Seele!

  30. Andreas Biehler

    wenn rechtskonservative ode rechtsliberale Diskusisonsteilnehmer/Foren/Akteure eine gesellschaftliche Realität benennen, wird diese Realität deswegen nicht unwahr.

    @ Jörg Dreyer:
    Dazu muß man gar nicht rechtskonservativ oder rechtsliberal sein. Es genügt ein gesundes Rechtsempfinden. Das ist doch ohnehin nur das Etikett, das die orthodoxen Feministen den Kritikern ankleben. Das klebt nun an der Stirn von bspw. Arne Hoffmann, seiner Definition nach linksliberal, an meiner Stirn, linksradikal, wahrscheinlich gilt sogar Monika Dittmer als „Rechte“, ihres Zeichens Gleichstellungsbeauftragte von Goslar und in der SPD, die trotzdem kapiert hat, daß Männern und Frauen gleichermaßen Würde zusteht. Es genügt ein gesundes Rechtsempfinden. Die anderen werden … Nein, das schreibe ich jetzt nicht zuende.

  31. @ Andreas Biehler:
    Natürlich, Sie haben recht. Das bringt mich auf zwei weitere Gedanken.

    So wie Sie komme ich eher aus der linksliberalen Wählerschaft. Geboren in Ostdeutschland habe ich das „Bündnis 90“ gewählt und unterstützt, noch bevor diese sich mit den Grünen vereinigten. Und glauben Sie mir: Die Emanzipation war dort kein Thema. Sie war da und wurde gelebt. Den heutigen Zustand und die jetzige Erstarrung zum Thema Gleichberechtigung der vereingten Partei sehen wir täglich.
    Bei der SPD sieht es ähnlich aus. Im aktuellen Hamburger Programm findet sich der Satz: „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“. Ich kommentiere das mal nicht weiter.
    Mir ist das „Linke“ inzwischen abhanden gekommen. Hallo, Ihr lieben Grünen und Frauenfokussierte!? Vielleicht gehen Euch mehr m

  32. Vielleicht gehen Euch noch mehr (männliche) Wähler zukünftig verloren?

    Sehr geehrte Frau Unmüßig, Sie wollen eine offene und fruchtbare Diskussion? Dann laden Sie doch z.B. Frau Monika Dittmer als Autorin eines Debattenbeitrages ein. Bisher sind die hier Aktiven doch, gelinde gesagt, sehr einseitig ausgerichtet. Die SPD hat sich dies im „Vorwärts“ auch schon getraut.

    Glauben Sie mir, dabei gewinnen alle. Und vor allem Ihr Institut. An Glaubwürdigkeit, sich mit dem Thema Gleichberechtigung und Emanzipation wirklich auseinander zu setzen.

    Mit freundlichen Grüssen
    Jörg Dreyer

  33. Es ist schon bezeichnend: Während Frauen selbstverständlich zugestanden wird, sich selbst zu vertreten, wird, sofern Männer das gleiche für sich machen wollen, erst mal voller Bedenken mit dem Kopf geschüttelt. Dann fallen Bezeichnungen wie „Backlash“, „rechts“, „konservativ“, sogar „rechtsextrem“ oder „patriarchalisch.“ Die Panik unter den FeministInnen muß schon recht groß sein, wenn zu solchen Bezeichnungen gegriffen wird. Geschichte scheint sich zu wiederholen, heute sind die FeministInnen in der Rolle der damaligen Patriarchen, was nicht gerade für Lernfähigkeit spricht.
    Daß es für FeministInnen weitaus angenehmer war, wenn (linke) Männergruppen ihre Diskurse stets in Abhängigkeit vom Feminismus abhielten, ist verständlich, diese Zeiten sind aber vorbei, abgesehen vielleicht von den GRÜNEN oder den künstlich mit Fördergeldern installierten Männergruppen, die versuchen sollen in politisch korrekter Weise aufzuhalten was nicht mehr aufzuhalten ist. Der Mainstream hat längst verstanden, daß für FeministInnen der Mann alles mögliche ist, aber mit Sicherheit kein Mitmensch auf Augenhöhe, mit gleichen Rechten und Pflichten und geschlechtsspezifischen Bedürfnissen.
    Ich selbst war 15 Jahre lang profeministisch eingestellt. Heute weiß ich, daß ich als selbst als moderner links-liberaler Mann und Vater vom Feminismus nichts zu erwarten habe außer Umerziehung, sexistischer Benachteiligung und automatischer Zuweisung von Täterschaft für vielerlei Übel dieser Welt. Ich habe mich emanzipiert, nicht durch den Feminismus, sondern von ihm. Auch der Feminismus hat sich, sofern er es je war, längst von der Emanzipation abgekoppelt. Die wahren „Emanzen“ findet man heute bei manndat oder agens.
    Ginge es dem institutionalisierten Feminismus um einen emanzipatorischen Ansatz für beide Geschlechter, hätte er sich schon vor Jahrzehnten aktiv für Männer einsetzen müssen; für ein automatisches gemeinsames Sorgerecht, für eine gerechte Wehrpflicht, gegen Frauengewalt im häuslichen Bereich. All dies ist vorsätzlich unterblieben, und man kann vermutlich sagen, daß der Feminismus damit prächtig und ohne Problembewußtsein gelebt hat. Wie weit sich der Feminismus inzwischen von der Realität entfernt hat, zeigt die Tatsache, daß es in 2009 mehr als 300.000 Klagen von Vätern auf mehr Umgang mit ihren Kindern gab, während von feministischer Seite immer noch der mütterliche Alleinzugriff auf´s Kind verteidigt wird, obwohl dies in Straßburg als menschenrechtswidrig verurteilt wurde.
    Und wenn Sie, Frau Unmüßig kritisieren, daß Gewalt von Frauen an Männern zu stark in den Köpfen verankert ist, dann bitte ich Sie einmal den Frauenhaus-Verband zu kontaktieren. Dieser arbeitet nämlich längst mit den Polizeistationen zusammen, um genau das zu tun.

  34. So rum ist es natürlich richtig:

    Und wenn Sie, Frau Unmüßig kritisieren, daß Gewalt von Männern an Frauen zu stark in den Köpfen verankert ist, dann bitte ich Sie einmal den Frauenhaus-Verband zu kontaktieren. Dieser arbeitet nämlich längst mit den Polizeistationen zusammen, um genau das zu tun.

  35. Oh doch, es ist an der Zeit, dass man über den Mann als Opfer spricht. Es ist an der Zeit, den Mann als Opfer an zu erkennen.

    Erst jüngst hat sich wieder ein Mann selbst gerichtet. Seine Frau hatte ihn verlassen und hat ihn dann auch noch in der Pädophilie angezeigt.
    Im gesamten Umfeld gab es keinerlei Hinweise auf diese Aktivitäten, keine Beweise. Weder im Feundeskreis des 12 jährigen Sohnes, noch iim Sportverein. Es sieht alles danach aus, als hätten sie ihn damit unter Druck gesetzt. Die Mühlen der Exekutiven taten dann den Rest.

    Die Politik des Persilscheins für die Frauen im Falle der Ehe.
    Egal auf welchem Gebiet eine Frau in einer Ehe eine Konsensblockade betreibt, der Mann als Ernährer darf zahlen. Auch wenn er sich wirklich beziehungskonform verhält, darf er für seine Ex-Frau bezahlen. Überspitzt ausgedrückt: Sie kann ihn schlagen, ihn beschimpfen, ihn tyrannisieren, ihn isolieren, ihn diskreditieren und Nichts von dem as sie tut führt zu einer Aberkennung der Unterhaltsansprüche. Ich wurde seinerzeit betrogen und hätte gerichtlich beweisen müssen, dass die Ehe intakt war. Ausgeschlossen.

  36. „Einzelfälle werden häufig generalisiert.“ – als Vorwurf an „Männerrechtler“?

    Wie schnell Frauen, einmal mit Macht versehen, doch selber ihre eigene Geschichte vergessen!

    Ich erinnere mich daran, wie das Schicksal geschlagener Frauen vor dreissig Jahren privatisiert wurde, als persönliches Schicksal dieser einen Frau dargestellt, um dem nur ja den Bezug zur Gesellschaft, zum Rechtssystem, zu nehmen, damit sich die Gesellschaft um ihre Verantwortung drücken kann, damit die Sprengkraft rausgenommen wird.

    Heutzutage erlebt man das Gleiche, nur umgekehrt – Schicksale von Männern, die schon längst Stereotypen sind, wird die Bedingtheit in Gesellschaft und Rechtssystem abgesprochen, weil Frauen die Profiteure sind.

  37. @Piratenweib:

    „Theoretisch ist überhaupt nichts „schlimm“ daran, dass Männer sich für Gleichberechtigung einsetzen.
    Jedoch hat es ein „G´schmäckle“, wie die Schwäbin sagt, wenn die Mitglieder der normativen Herrenklasse von ihrer Unterdrückung sprechen.
    Natürlich gibt es Ungerechtigkeiten im persönlichen Rahmen, in Einzelfällen, in einigen (wenigen) Gesetzen. Daran sollte etwas geändert werden. Jedoch ist die Macht noch immer auf der patriarchal-männlichen Seite, daran ändert auch eine Bundeskanzlerin nichts. Der Normalfall ist noch immer „der Mann“, die Ausnahme, die Abweichung ist stets „die Frau“. “

    Sorry, Sie stehen, glaube ich, unter dem falschen Eindruck, dass männliche Politiker im wesentlichen Politik für Männer machen. Wäre dem so, bräuchte es in der Tat keine „Männerbewegung“, da gebe ich Ihnen Recht – und die Dinge, wo Korrekturbedarf zu finden wäre, wären sicherlich nur durch Unfälle zu erklären, die schnell korrigiert würden.

    Bloss – diese Sichtweise ist doch selber arg ideologisch. Der durchschnittliche deutsche Mann ist nicht Mitglied irgendeiner „Herrenklasse“, hat keine Macht und die „männliche Norm“ existiert nur, um Männern klarzumachen, wie weit sie vom Ideal entfernt sind und dass sie sich gefälligst noch anzustrengen haben.

    Die Tatsache, dass (noch) die meisten machthabenden Menschen Männer sind, wird doch ganz wesentlich auch von Frauen mitgetragen, natürlich gegen das Recht, den normalen nicht machthabenden Mann „aussaugen“ zu dürfen ( wie das Simon de Beauvoir genannt hat – siehe Diskussion im anderen Strang ).

    Also, als genauso grobes Gesellschaftsmodell, wie sie es kolportieren:
    Nicht die Männer unterdrücken die Frauen.

    Sondern ein kleinerer Teil der Männer unterdrückt mit Hilfe der Majorität der Frauen den größeren Teil der Männer – was Frauen sich erkaufen müssen, indem sie eben auf die Machtspitzen verzichten.

  38. PS.

    Ich hoffe, der Ersatz eines platten Gesellschaftsmodells durch ein nur unwesentlich weniger plattes geht wenigstens als Karikatur des Vulgärfeminismus durch …

  39. Liebe Barbara,

    mit deinem Beitrag hast du hier erfolgreich eine heftige Diskussion angestoßen. Leider sind jedoch einige hier nicht an einer inhaltlichen Auseinandersetzung interessiert, sondern wiederholen Vorurteile und Parolen.

    Dabei kann es doch nicht ernsthaft bestritten werden, dass in unserer Gesellschaft die Gleichberechtigung von Frauen und Männern immer noch nicht erreicht ist. Der äußerst geringe Anteil von Frauen in den Führungspositionen von Politik und Wirtschaft zeigt dies deutlich.
    Um hier etwas zu ändern, müssen sich aber die Bedingungen der Arbeitswelt und der Politik so ändern, dass sie mit Familie – also Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen – vereinbar werden. Darauf hinzuarbeiten ist für viele Männer außerhalb ihrer Vorstellungswelt.
    Darum wird die Entwicklung sich ab einem gewissen Zeitpunkt selbst beschleunigen. Wenn mehr Frauen in den Vorständen von Aktienunternehmen sitzen, werden immer mehr dieser Firmen dafür sorgen, dass es bei ihnen neue Arbeitszeitmodelle gibt. Wenn immer mehr Frauen in Regierungen über die Verteilung der öffentlichen Investitionen entscheiden, werden Kinderbetreuungseinrichtungen Priorität bekommen.

    Um dies zu erreichen, muss ein Anfang gemacht werden. Dafür haben sich in der Politik Quotenregelungen sehr bewährt. Es ist Zeit, dieses Erfolgsmodell auch auf die Wirtschaft zu übertragen.

    All dies richtet sich, anders als manche Publizisten glauben machen wollen, nicht gegen „die“ Männer. Wenn künftig Familie und Beruf vereinbart werden können, heißt dies eben auch für Väter, dass sie sich nicht zwischen Karriere und Kindern entscheiden müssen. Dies stellt einen sehr großen Gewinn an Lebensqualität dar, der mit dem „Verzicht“ auf das Privileg der bisher allzu deutlichen Überrepräsentanz in Führungsämtern nicht zu teuer erkauft wäre.

    Viele Grüße

    Till Steffen (Hamburg)

  40. @Till Steffen:

    „Dabei kann es doch nicht ernsthaft bestritten werden, dass in unserer Gesellschaft die Gleichberechtigung von Frauen und Männern immer noch nicht erreicht ist. Der äußerst geringe Anteil von Frauen in den Führungspositionen von Politik und Wirtschaft zeigt dies deutlich.
    Um hier etwas zu ändern, müssen sich aber die Bedingungen der Arbeitswelt und der Politik so ändern, dass sie mit Familie – also Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen – vereinbar werden.Darauf hinzuarbeiten ist für viele Männer außerhalb ihrer Vorstellungswelt.“

    Vor allem müssen sich die Bedingungen der Familienwelt ändern, damit Mann überhaupt die Freiheit gewinnt, noch etwas anderes zu tun, als zu arbeiten.

  41. Die Tatsache, dass so wenig Frauen in Führungspositionen sind, deutet eventuell auf eine Ungleichheit hin – aber auf der Nachfrageseite ( wer muss sich anstrengen ), nicht auf der Angebotsseite ( wer bekommt die tollen Jobs ).

  42. Till schrieb:

    „Dabei kann es doch nicht ernsthaft bestritten werden, dass in unserer Gesellschaft die Gleichberechtigung von Frauen und Männern immer noch nicht erreicht ist. Der äußerst geringe Anteil von Frauen in den Führungspositionen von Politik und Wirtschaft zeigt dies deutlich.“

    Sie machen den üblichen Denkfehler und machen mangelnde Gleichberechtigung an relativ wenigen Führungspositionen fest, und ignorieren dabei den sehr geringen Anteil von Frauen in knüppelharten und lebenszeitverkürzenden Jobs, die immer noch nahezu ausschließlich von Männern ausgeübt werden.

  43. Ich versuche die ( simple und naheliegende ) Schlussfolgerung aus der Tatsache, dass „dem sehr geringen Anteil von Frauen in knüppelharten und lebenszeitverkürzenden Jobs, die immer noch nahezu ausschließlich von Männern ausgeübt werden“ korrespondiert mit dem geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen noch einmal unterzubringen:

    Das ist ein ziemlich klares Indiz dafür, dass die „Benachteiligung von Frauen“ in Wirklichkeit durch die Nachfrageseite getrieben wird – die Gründe für „Benachteiligung“ also in der Antwort auf die Frage „Wer muss sich in Deutschland anstrengen, wem wird das erlassen?“ zu suchen sind.

  44. Mal allgemein als Frage in den Raum gestellt :

    Wie würde die gängige Umgebung reagieren, wenn ein Mann sagen würde :

    „Ich schule gerade um zum Kindergärtner“
    „Ich gehe zwei Jahre in Baby-Pause“
    „Ich werde Auto-Mechatroniker“
    „Ich werde Grundschullehrer“
    „Ich mache gerade meine Pilotenprüfung“
    „Ich bin Raumpfleger“
    „Ich werde Altenpfleger“
    „Ich werde Zahnarzthelfer“
    „Ich bin Bauingenieur“

    Wie fühlen sich diese Sätze an?

    Welche Sätze rufen Gefuhlslagen von „Normalität“ hervor, und welche vermitteln ein gewisses Unbehagen?

  45. Ich finde es erstaunlich, welche Debatten hier immer noch zu einem solchen Thema abgehen. In wichtigen Einflusspositionen der Gesellschaft – Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirchen – ist der Frauenanteil noch immer unter zehn Prozent, in der Wirtschaft sinkt er sogar wieder ab. Das weist doch mehr als eindeutig auf strukturelle Probleme hin.

    Auch dass in dem ersten Kommentar einer doch zumindest fachlich orientierten Debatte auf die eigene Erfahrung von Samenergüssen – mit Link zu Vaterschaften – verwiesen werden kann, zeigt an, auf welchem Niveau Argumente eingebracht werden. Hier wäre es doch zumindest mal schön zu lesen, wie viele Menschen denn in der derzeitigen Gesellschaft Kinder haben wollen; und wie vielen Menschen mit der ihnen unterstellten Fortpflanzungsfähigkeit ein Problem gemacht wird, weil sie sie nicht erfüllen können. Immerhin haben 15 Prozent + „hohe Dunkelziffer“ der heterosexuellen fortpflanzungswilligen Paare nach „Expertenschätzungen“ („Experten“: tatsächlich fast ausschließlich Männer, denen zudem meist an eindeutiger Geschlechtlichkeit gelegen ist) ein organisches Problem, sich fortzupflanzen… Könnten sie – gern können wir sie auch als „Frauen“ und „Männer“ bezeichnen – nicht viel besser leben, wenn sie nicht durch einen extrem starken gesellschaftlichen Diskurs stets gefordert würden, Kinder haben zu sollen?

    Und „Dekonstruktion“: Sie sagt doch nichts anderes, als dass ein Mensch stets in Gesellschaft ist und somit mit „gesellschaftlichen Augen“ liest. Daran ist nichts radikales. Es ist schlicht eine Feststellung, die nicht bestritten werden kann, schließlich würde ein Kleinkind doch verhungern, wenn sich keine anderen Menschen um es kümmern würden…

    Also: Anstatt immernoch zu diskutieren, ob die 1949 noch starke These von Beauvoir „Kein biologisches […] Schicksal bestimmt die Gestalt, die das weibliche Menschenwesen im Schoß der Gesellschaft annimmt“* Berechtigung hat, gehen wir doch endlich weiter, fordern mehr! Und eine Gesellschaft, die keine Stereotype von „dem Mann“ und „der Frau“ zeichnet, bringt doch allen mehr – unter anderem ein intensiveres Kennenlernen von Menschen, weil man sie nicht von vornherein schon in die Schubladen „Frau“ oder „Mann“ stecken müsste, sondern sie offener kennenlernen könnte.

    *Und sie untermauerte diese These eindeutig: Die „‚weiblichen‘ Qualitäten sind also nicht angeboren, sondern resultieren aus unserer Unterdrückung. Aber wir könnten sie auch nach der Befreiung bewahren – und die Männer müssten sie erlernen. Aber man darf nicht ins andere Extrem fallen: sagen, die Frau habe eine besondere Erdverbundenheit, habe den Rhythmus des Mondes und der Ebbe und Flut im Blut und all dieses Zeug … Sie habe mehr Seele, sei von Natur aus weniger destruktiv et cetera. Nein! Es ist etwas dran, aber das ist nicht unsere Natur, sondern das Resultat unserer Lebensbedingungen. Die so ‚weiblichen‘ kleinen Mädchen sind fabriziert und nicht geboren! Zahlreiche Untersuchungen beweisen es! Eine Frau hat a priori keinen besonderen Wert, nur weil sie Frau ist! Das wäre finsterster Biologismus und steht in krassem Gegensatz zu allem, was ich denke.“ (Beauvoir in: Schwarzer, A. (1986 [1983]): Simone de Beauvoir heute. Gespräche aus zehn Jahren. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, S.77) – Analog ist dies für Jungen zu formulieren. Machen wir doch was besseres aus Geschlecht!

  46. „Eine Frau hat a priori keinen besonderen Wert, nur weil sie Frau ist! Das wäre finsterster Biologismus und steht in krassem Gegensatz zu allem, was ich denke.“ (Beauvoir in: Schwarzer, A. (1986 [1983]): Simone de Beauvoir heute. Gespräche aus zehn Jahren. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, S.77) – Analog ist dies für Jungen zu formulieren. Machen wir doch was besseres aus Geschlecht!“

    Abgesehen von der hervorragenden Quelle, die ich noch nicht kannte (vielen Dank!)möchte ich hierzu sehr gerne eine Idee aus dem strategischen Marketing in die Diskussion bringen :

    Innerhalb des Marketingbereichs lassen sich zwei Kategorien unterscheiden. Während die marktökonomischen Ziele die härteren wirtschaftlichen Messziffern beinhalten, liegen die marktpsychologischen Ziele weichere Zielgrößen fest. Aber auch hier besteht die bereits beschriebene Mittel-Zweck-Beziehung zwischen den beiden Zielkategorieren, denn die marktpsychologischen Ziele unterstützen in einem hohen Maße die marktökonomischen Ziele.

    (Quelle : Marketingziele aus „Marketing“, Runia/Wahl/Geyer/Thewißen, S. 67)

    Wie könnte man diese z.B. für einen renommierten Sportwagenhersteller mit Erfolg angewandte Strategie auf die gender-Thematik anwenden?

    Z.B. durch die Definition von 2 Gender-Zielen wie gender-ökonomische Ziel- und Kennzahlen und gender-psychologische Ziele.

    Gender-ökonomische Ziel- und Kennzahlen wären z.B. der gender-pay-gap, Präsenz in Führungspositionen u.a., also greifbare konkrete Zahlen.

    Gender-psychologische Zielgrößen wären z.B. Lebenszufriedenheit, Elternschaft, work-life-balance, Arbeitszufriedenheit u.a.

    Focussiert man lediglich auf die konkreten Zahlen, kommen sehr schnell Benachteiligungsempfindungen und Emotionalitäten auf.

    Wenn man z.B. speziell sog. „Trendsetter“ für die gender-Themati interessieren will, wäre die interessanteste Zielgruppe das Milieu Sinus C12 Performer, C2 Experimentalisten und BC3, Hedonisten, zumal die Prognosen darauf deuten dass diese „jungen“ Milieus zukünftig wachsen, konservative eher deutlich schrumpfen.

    Ich denke, die männlichen Lebenswelten könnten im Hinblick auf die gender-psychologischen Aspekte vom weiblichen Feld eine Menge lernen, obwohl im Mainstream ein leichter Wandel beobachtet wurde, z.B. das erhöhte Körperbewußtsein der Männer, was in der aktuellen Werbung mit Pflegemitteln vermarktet wird.

    Wenn man z.B. eher unangenehm konnotierte Begrifflichkeiten wie „Aufbrechen traditioneller Männlichkeiten“, die m.E. zudem noch Identitätsverlustängste stärken und damit Renitenzen reproduzieren, ersetzen würde durch angenehme und positive Begrifflichkeiten wie
    „Loslassen von einengenden Rollengefängnissen“, Erweiterung von Lebensoptionen u.a. insbesondere die o.g. Zielgruppe erreichen könnte, als „Wellness-Phänomen“ und Erfolgs-Attributs-Ergänzungen, könnte m.E. diese Strategie innerhalb 1 Generation erfolgreich sein.

    Ich versuchte in der Vergangenheit z.B. eine Männerzeitung mit der mythopoetischen Männerbewegung als Beispiel und Vehikel vertraut zu machen, quasi als anreichernde und selbstreflektorische, emanzipatorische „Wellness“-Bewegung, statt die üblichen beobachtbaren extrem daherkommenden Rechtlereien aus den hochemotional vom Familienrecht Betroffenen oder den Feminismus-Protestlern.

    Oder eine empathische Männer-/Väterpolitik – gemeinsam mit den Frauen.

    O.g. Marketing-Aspekte sollten m.E. eine zielführende Strategie ermöglichen, die eindimensionale männliche Lebensdefinitionen um moderne Aspekte anreichert – ohne Identitätsverlustängste.

    Insbesondere, wenn sie von modernen erfolgreichen Trendsettern vorgelebt werden…

  47. Zitat: „All diese Argumente haben ein gemeinsames Feindbild: „den“ Feminismus. Zusammen gewürfelte Einzelbeispiele und Polemiken sollen undifferenziert und pauschal die Benachteiligung von einer homogen dargestellten Gruppe der Jungen und Männer beweisen.“

    Die Aussage ist natürlich nicht grundsätzlich falsch, allerdings ausgesprochen eindimensional gedacht, denn es sind seit mehr als 40 Jahren die Feministinnen, die an Einzelfallbeispielen und Polemiken die Benachteiligung von Frauen fest machen und dabei eben von jeher die Mädchen und Frauen als homogene Gruppe darstellen die benachteiligt würde.

    Zitat: „Mit dieser Analyse(un)fähigkeit und Argumentationslogik disqualifizieren sich diese „Männerrechtler“ selbst.“

    Eine Frage: Disqualifizieren sich Ihrer Meinung nach, Frau Unmüßig, damit auch die „Feministinnen“ selbst?

  48. @jochen:

    „denn es sind seit mehr als 40 Jahren die Feministinnen, die an Einzelfallbeispielen und Polemiken die Benachteiligung von Frauen fest machen und dabei eben von jeher die Mädchen und Frauen als homogene Gruppe darstellen die benachteiligt würde“

    Na sicher, deswegen hat sich der Feminismus auch 40 Jahre gehalten, und deswegen gibt es -aus dieser Entwicklung heraus- Lehrstühle für Geschlechterforschung etc. Deswegen kann man eine Entwicklung verschiedener Feminismem feststellen. (Ein heutiges „Alphamädchen“ sieht die Welt mit ganz anderen Augen als eine Alice Schwarzer.)

    Ich schlage vor, Sie gehen in eine Bibliothek und in ein Gender Seminar Ihrer Wahl, damit Sie nicht länger mit dem Irrtum, es sei alles nur Polemik, durchs Leben gehen müssen.

    MfG,
    Christian Lange.

  49. @Christian Lange: Sie haben die Gabe des selektiven Lesens? Ich habe nirgends behauptet, es sei alles nur Polemik, sondern diese Aussage an den Äußerungen einer Frau Unmüßig festgemacht, die Männerrechtlern nur Polemik zu betreiben und ihnen damit Analys(un)fähigkeit „nachweisen“ will. Dabei sind es eben die Feministinnen, die seit Jahrzehnten davon sprechen, dass „DIE“ Frauen benachteiligt seien – gesellschaftlich, strukturell, statistisch oder sonstwie – und dabei genauso lange Frauen als homogene Gruppe ausweisen, die sie ebenfalls nicht sind, und sich nicht ansatzweise die Mühe machen so zu differenzieren, wie es eine Frau Unmüßig von den Männerrechtlern fordert. Im Endeffekt fällt diese Aussage “Mit dieser Analyse(un)fähigkeit und Argumentationslogik disqualifizieren sich diese „Männerrechtler“ selbst.” in mehrfacher Stärke auf die Feministinnen zurück.

  50. @Christian Lange:
    Nun ja, die zahlreichen Bibliotheken, Gender-Seminare und Lehrstühle haben wohl nicht verhindern können, dass in einem quasi offizellen Statement einer mittlerweile großen, sich Feminismus auf die Fahnen schreibende Partei sich der an völkische Diskurse erinnernde Begriff der „männlichen Lebensweise“ einschleicht. Das sagt leider sehr viel über hegemoniale Feminismen aus. Die hier vertretene Akademia hat ja daran offenbar ziemlich wenig auszusetzen.

    Aber vielleicht sollte man, um der weit verbreiteten Unkultur der Ungebildtetheit zu begegnen, die gültigen Sprachregelungen kommunizieren:

    „Der Feminismus“ (ausdrücklich im singular) – immer dann, wenn es darum geht Errungenschaften sich als Kollektiv zu Eigen zu machen.

    „Feminismen“ – immer dann, wenn es darum geht nicht mehr abzuwendende Kritik zu externalisieren, und dabei gleichzeitig das Gegenüber als unbeholfenes Nichtmitglied der intellektuellen „In-Group“ zu markieren.

  51. @Nick:

    Oder aber: „der Feminismus“ als die Idee, die zum ersten Mal das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit konsequent verfolgen wollte und auch im Rückblick als absolut notwendig erscheint. (So man denn die Gleichbehandlung von Menschen als erstrebenswert hält.)

    Und dann: „die Feminismen“ als Vielzahl von Strömungen, die aus der oben genannten Idee entstanden sind, und die -wie die meisten gesellschaftlichen Denklinien- einer zeitlichen Änderung unterliegen. Selbst Männer- und Männlichkeitsforschung etc. sind Strömungen, die aus der obigen Idee entstanden sind. In vorfeministischen Zeiten waren das jedenfalls keine Themen. Diese Einzelströmungen kann man gern einer Kritik unterziehen, und sie können sich sicher sein, dass das auch von „feministischer“ Seite aus passiert. Das ändert aber nichts an der Notwendigkeit und der Richtigkeit der Idee des „Feminismus“. (So man denn die Gleichbehandlung von Menschen als erstrebenswert hält.)

    Deswegen erregt ein Kampf gegen „DEN FEMINISMUS per se“, der in meinen Augen auch von ihrer Seite aus statt findet, so viel Widerstand.
    Ist doch eigentlich gar nicht so schwer. 😉

    CL.

  52. „Oder aber: “der Feminismus” als die Idee, die zum ersten Mal das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit konsequent verfolgen wollte und auch im Rückblick als absolut notwendig erscheint. (So man denn die Gleichbehandlung von Menschen als erstrebenswert hält.)

    Zum ersten mal? In der Geschichte der Menschheit? Oje. Als ob der Begriff „Gerechtigkeit“ etwas absolutes und geschichtslos-statisches wäre, den die Gruppe mit der Sie sich identifizieren in einem historisch einzigartigen Quantensprung der Erkenntnis erfunden hätte. Nochmal: Der Diskurs um die Frauenfrage ist so alt wie die Aufklärung.

    „Konsequent“ – das „Übel bei der Wurzel packen“, Radikal, von Radix lat.: Wurzel. Das „Patriarchat“ als Prototyp jeder Unterdrückung, allen Elends auf der Welt. Das kam Anfang bis Mitte der 1970er auf, da war die „2nd Wave“ schon fast zehn Jahre alt. Man merkt deutlich, dass Ihr Geschichtsbild das Ende des „finstren Mittelalters“ ins Jahr 1975 verlegt.

    Mit der „kritischen Männerforschung“ haben Sie natürlich recht, sie ist derjenige Rest der am kulturellen/radikalen Feminismus orientierten „antisexistischen Männerbewegung“ in den USA, der sich in der Reagan – Ära in der Akademia verschanzen konnte. Analog zum kulturellen Feminismus, der in der damaligen Frauenbewegung noch eine ziemliche Minderheitsposition war, mit der die meisten Frauen nichts zu schaffen haben wollten. Erst das anknüpfen an protesantisch-konservative Prüderie brachte Erfolg.

    Häretiker und andere Gruppenmythosidentitätsverweigerer lieben ihre Frauen und Kinder niemals, das ist lange bekannt. Da haben Nathanson und Young wohl gar nicht so unrecht mit ihrer These einer Quasireligion. Oder wie kommen Sie darauf, dass ich jeden Feminismus und „die Gleichberechtigung“ „bekämpfe“? Nur die Annahme der Existenz eines alleinseligmachenden, „wahren“ Weltbildes kann imho zu dem Schluß verleiten.

  53. Sehr geehrte Frau Unmüßig,

    zu diesem Punkt :

    „Und: Wie sollte (grüne) Geschlechterpolitik aussehen, die Perspektiven von Jungen und Männern von vorneherein mit einbezieht? Ist Identitätspolitik der richtige Weg oder ist eine Öffnung zu queeren Perspektiven vonnöten?“

    möchte ich noch sehr gerne m.E. beachtenswerte Denkansätze zum Thema „Integratives Konzept von Männlichkeit“ einbringen :

    „Eine stabile männliche Identität braucht die eigene Weiblichkeit nicht zu fürchten.Im Gegenteil: Eine reife männliche Geschlechtsidentität basiert auf dem im Körperbild verankerten sicheren Gefühl der Konstanz der eigenen phallischen Geschlchtlichkeit, welche gleichzeitig die Integration von männlichen und weiblichen Objektrepräsentanzen in das Selbstbild ermöglicht. Dies beinhaltet die Fähigkeit, auf der Ebene der Geschlechtsrollenidentität flexibel zwischen weiblich und männlich konnotiertem Verhalten hin und her changieren zu können, ohne dass die Geschlechtsidentität infrage gestellt wird.

    (Quelle : Männliche Identität, Dammasch/Metzger/Teising, S.12)

    Ich kenne noch die eher typisch männlich-martialische Jungensozialisation (Stichwort : Zwangsmännlichkeit) und finde vor diesem Hintergrund diese Aussage bemerkenswert :

    „Ich vertrete die Auffassung, dass die unausweichlichen Identitätsschwierigkeiten des Mannes im mittleren Alter ihm häufig dabei helfen, seine geschlechtsspezifische Ientität zu transformieren, indem er sich mit den Rätseln seiner Männlichkeit aussöhnt (Diamond 2004a,2006). Diese Entwicklung ist vor allem für solche Männer wahrscheinlich, die sich vorwiegend auf defensiv-phalische, weniger pluralistische Konstruktionen ihres subjektiven Männlichkeitsgefühls gestützt haben.“ (ebd.,S.189)

    Vielleicht kann durch Berücksichtigung o.g. Aspekte unserer Jugend integrative moderne Sozialisationsmuser angeboten werden, die u.a. positive Auswirkungen auf die frühere Sterblichkeit von Männern von derzeit 5,4 Jahren haben müsste genauso wie die mitransportierte integrative Gelassenheit, Machtaufgaben mit Frauen zu teilen.

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