Gleichberechtigung ist Frauen- und Männersache!

von Kai Gehring

Gleichberechtigung ist Frauen- und Männersache!

Gemeinsam mit einigen grünen Männern, die für gleiche Rechte und gleiche Pflichten zwischen den Geschlechtern stehen, habe ich das „Grüne Männer-Manifest“ verfasst, ein Anstoß zur Debatte um die Rolle der Männer in der Gleichberechtigungspolitik. Es enthält Visionen für eine Männerpolitik, die die Rolle der Männer neu denkt und damit die Ziele der Gleichberechtigung unterstützt. Wir wollen damit zeigen, dass bei Bündnis 90/Die Grünen Frauen und Männer für Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, neue Rollenbilder und gesellschaftlichen Aufbruch stehen. Als Autoren des Männer-Manifests wünschen wir uns eine breite Debatte – in der grünen Partei, in der Gesellschaft, bei und mit Männern und Frauen. Wir haben dabei nichts gemeinsam mit so genannten „AntifeministInnen“, sondern setzen uns im Gegenteil als grüne Feministen für eine emanzipierte Gesellschaft ein. Wir beziehen uns positiv auf die Pionierinnen der Frauenbewegung, sehen es jedoch als Mangel, dass „die Männer“ in den feministischen Diskursen nur selten eine Rolle spielen. Die Einschränkungen durch Rollenzwang und festgelegte Verhaltensmuster wollen wir auch für Männer aufbrechen.

Wir haben im „Grünen Männer-Manifest“ vielfältige Themen angerissen, von der Arbeitswelt, der Väterpolitik (Neue Väter statt „Vater morgana“) bis hin zu Fragen eines geschlechtersensiblen Gesundheitsbewusstseins. Gendermainstreaming gilt tatsächlich für die Betrachtung beider Geschlechter und der Möglichkeiten individueller Entwicklung der Einzelnen. Insofern ist die hier aufgeworfene Frage „was ist der Streit-wert?“ ganz klar mit „sehr viel!“ zu beantworten, weil es um die selbst bestimmten Entfaltungsmöglichkeiten jedes und jeder Einzelnen geht.

Die Herangehensweise beim Aufbrechen von Geschlechtsstereotypen möchte ich exemplarisch am Themenfeld der Jungenarbeit verdeutlichen: Mir als Jugendpolitiker ist gendersensible und emanzipatorische Bildung und Erziehung besonders wichtig. Jungen fallen besonders häufiger als „Verlierer“ aus dem Bildungssystem: Bei schulischen Leistungen und Abschlüssen stehen sie schlechter da als Mädchen. Je niedriger die Schulform, desto höher ist der Jungenanteil. Sie brechen die Schule öfter ab und sind häufiger schulmüde als Mädchen. Typisches Jungenverhalten gilt im Schulalltag oft als störend. Besonders ungünstig ist der Bildungsverlauf bei Jungen mit Migrationshintergrund. Daher brauchen wir eine geschlechtergerechte Umgestaltung des Schulalltags. Zu einer tatsächlich gendersensiblen Pädagogik an allen Schulen gehören individuelle Förderung und die Verankerung von Jungenarbeit. Lehrerinnen und Lehrer brauchen Aus- und Weiterbildungen in Genderkompetenz.

Eine emanzipatorische Erziehung und eine individuelle Förderung sind für Jungen und Mädchen gleichermaßen notwendig. Viel zu oft fehlen Jungen beispielsweise positive und vielfältige Rollenvorbilder als männliche Bezugspersonen. Es gibt zu wenig Männer in so genannten „klassischen“ Frauenberufen: zu wenig Erzieher und Grundschullehrer. Vor nunmehr fast 15 Jahren empfahl das Netzwerk Kinderbetreuung der Europäischen Kommission, das in Zukunft 20 Prozent der Erzieher männlich sein sollen. Passiert ist seitdem leider viel zu wenig. Wir brauchen endlich mehr Wertschätzung der pädagogischen Arbeit mit Kindern. Jungen Männern muss vermittelt werden, dass es sich um eine verantwortungsvolle und herausfordernde Aufgabe handelt. Dazu können auch die sozialen Jugendfreiwilligendienste beitragen.

Gerade in der Jugendhilfe müssen die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen berücksichtigt werden. Geschlechtersensible Jugendarbeit erfordert zusätzlich zu Angeboten der Mädchenarbeit auch eine umfassende Strategie zur Förderung benachteiligter Jungen. Wir wollen in allen Bildungs- und Jugendhilfeeinrichtungen Förderstrategien für Jungen, die ihnen neue Wege eröffnen. Neben der erfolgreichen Mädchenarbeit braucht geschlechtsbezogene Jugendarbeit verstärkt Jungenarbeit. Sie muss die Jungen vor allem in ihrer Bildungsbiografie, ihrer Berufs- und Lebensplanung, bei den Sozialkompetenzen und beim Wandel der Geschlechterrollen begleiten und unterstützen. Jungen sollen selbstbewusst ihren Interessen nachgehen können und nicht in tradierte Schemata gedrängt werden. Deswegen fordern wir neue Wege für Jungs, zum Beispiel durch die flächendeckende Etablierung von „Boys Days“. Die selbstverständliche Verankerung von Jungenarbeit trägt entscheidend dazu bei, dass sich jede und jeder Jugendliche selbstbestimmter entwickeln kann. Dieser Diversity-Ansatz gilt im Übrigen genau so für schwule, lesbische und transsexuelle Jugendliche.

Auch die Berufswahl junger Menschen ist immer noch stark von tradierten Rollenbildern geprägt und bewegt sich in einem sehr schmalen Spektrum: Mädchen wählen häufig typische „Frauen-Berufe“ mit geringeren Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten. Jungen hingegen streben meist klassische „Männer-Berufe“ im handwerklichen und industriellen Bereich an. Dass Jugendliche untypische Tätigkeitsfelder nicht im Blick haben, ist im Wandel zur wissensbasierten Dienstleistungsökonomie für beide Geschlechter riskant. Das Berufs- und Studienwahlspektrum von Mädchen und Jungen wollen wir deshalb verbreitern. Männliche Fachkräfte fehlen vor allem in den Branchen der Dienstleistungs-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe. Bei einer geschlechtersensiblen Jungenförderung geht es auch um die frühzeitige Begleitung von Jungen bei ihrer Lebensplanung, um die Reflexion von bestehenden Rollenvorstellungen und die Stärkung ihrer sozialen Kompetenzen.

Denn auch bei Jungen besteht der Bedarf, tradierte Rollenbilder als Alleinernährer und -verdiener zu überdenken sowie neue und attraktivere Rollenbilder zu finden. Projekte wie das unter Rot-Grün initiierte Netzwerk „Neue Wege für Jungs“ bündeln erfolgreich Aktivitäten in Schule und Jugendarbeit, die sich gezielt an Jungen richten. Sie müssen verbreitert und verstetigt werden. Neben der erfolgreichen Mädchenarbeit ist eine Orientierung auch auf neue Wege sowie Freiräume für Jungen nötig. Beide Bereiche sind auszubauen und nicht gegeneinander zu stellen. Jungenarbeit ist nicht zu verstehen als „Konkurrenz“, sondern sie sucht das solidarische Neben- und Miteinander zur Mädchenarbeit und will eine Sicherung und Erweiterung der Ressourcen in der geschlechtsbezogenen Jugendarbeit herbeiführen. Davon würde die gesamte Gesellschaft profitieren!

Kai Gehring ist Sozialwissenschaftler und MdB bei Bündnis 90/Die Grünen. Er ist sowohl Sprecher für Jugend und Generationen und Sprecher für Hochschulfragen der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen als auch Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung und im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien und stellvertretendes Mitglied im Unterausschuss für Bürgerschaftliches Engagement.

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Diskussion

  1. Holla,

    solche Stimmen von grüner Seite? Nicht schlecht.

    Warum hier noch der Genderbegriff genutzt wird erscheint allerdings fraglich. Warum brauchen Lehrer „Gender- und keine Geschlechterkompetenz“ – also nur der kulturell konstruierten Seite von Geschlecht und nicht dem Geschlecht als ganzem? Dazu habe ich schon oben bei Frau Unmüßig kommentiert.

  2. Thomas Schmidt

    Möchte sehr gerne eine Amerkung zum Diversity-Ansatz und zur männlichen Emanzipation machen :

    “Der Diversity-Ansatz, den auch im deutschsprachigen Raum inzwischen die großen Unternehmen statt einer gesonderten Gleichstellungspolitik betreiben, geht von dieser Differenz-Philosophie aus. Er versucht die unterschiedlichen Qualitäten von Frauen und Männern, die spezifischen Fähigkeiten einzelner Gruppen auch spezifisch zu nutzen. Männlichkeit ist nicht besser als Weiblichkeit, und umgekehrtes zu behaupten, wäre ebenso falsch. Weiblichkeit ist auch nicht moralischer als Männlichkeit und Männlichkeit nicht effektiver als Weiblichkeit. Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen, aber sie sind niemals Überlegenheitsqualität.”

    (Quelle : Geschlechterdemokratie, Frauen/Männer, besser miteinander leben, 2004, Prof. Hollstein, S. 266)

    Diese Feststellung widerspricht also nicht den Wunsch vieler Menschen auf Rollenzwangfreiheit und Vielfalt der Lebensentwürfe.

    Mehr und mehr Männer wollen sich von traditionellen Rollenzwängen befreien und eine authentische Männlichkeit leben, die über eindimensionale traditionelle Erwartungen hinausgehen. Hierzu gehören engagierte Vaterschäft, Elternzeiten, work-life-balance u.a.

    Da im Zusammenhang mit gender-mainstreaming auch schonmal vermutet wird, Geschlechtsunterschiede abschaffen zu wollen o.ä.(Stichwort : Genderismus), finde ich aus o.g. Gründen die manchmal etwas hitzig geführte Diskussion “Biologie vs. Soziokulturell” lediglich nur noch akademisch interessant.

  3. @Ben: Sie möchten wissen, warum der Autor Genderkompetenz (und nicht „Geschlchterkompetenz) verlangt. Ich finde seine Forderung richtig und teile Ihren (an andere Stelle so formulierten) „egozentrischen Genderbegriff“ nicht. Das Gegenteil ist ja wahr: Gender entsteht eben im sozialen Kontext, in den kollektiven Vorstellungswelten und Handlungen. Die Vorstellungen von Mann- und Frausein (& by the way auch die Feststellung, es gebe nur genau zwei Geschlechter) wandeln sind durch die Jahrhunderte & Generationen, Regionen, Klassen & Milieus, durch die Rahmenbedingungen des Arbeitens und sonstigen Lebens. Ich kann nicht sagen, dass mein Mannsein besonders viel mit dem meines Vaters zu tun hat. Und meine Werte, Vorstellungen und Kontexte sind den meisten Frauen in meinem Umfeld näher als jenem.
    Man(n) sollte vielleicht – und das zeigt, dass die Debatte nicht ganz so akademisch, sondern hochpolitsich ist – von der biologistischen Vorstellung ablassen, dass Stimmbruch und Menstruation per se das Entscheidende sind. Und sehen, dass der Umgang damit – medial, sozial, gruppenkolektiv, individuell – das eigentlich Interessante und letztlich auch prägende ist.

  4. „Auch die Berufswahl junger Menschen ist immer noch stark von tradierten Rollenbildern geprägt und bewegt sich in einem sehr schmalen Spektrum: Mädchen wählen häufig typische „Frauen-Berufe“ mit geringeren Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten. Jungen hingegen streben meist klassische „Männer-Berufe“ im handwerklichen und industriellen Bereich an.“

    Sehr geehrter Herr Gehring,

    Sie suggerieren hier, daß es etwas Negatives ist, wenn Jungen und Mädchen sich an von Ihnen als „tradierte Rollenbilder“ bezeichneten Sachverhalten orientieren.

    Wie begründen Sie denn solch eine Einschätzung?

    Können Sie Ihre Behauptung irgendwie plausibel machen? Also darlegen, inwieweit diesem Sachverhalt irgendwelche negativen oder illegitimen Gegebenheiten zugrundeliegen? Also eine Form von Mißstand oder Ungerechtigkeit, die behoben werden müßten?

    Dies ist für mich wichtig, denn sonst sind Forderungen wie die von Ihnen vorgetragene unseriös und erweisen sich als Ideologie.

  5. Andreas Biehler

    Sie wünschen den Dialog? Den können Sie gerne haben.

    Sie möchten sich also für die Männer einsetzen und haben ein Männermanifest verfaßt. Wie stehen die grünen Männer denn zum geteilten Sorgerecht? Ist Ihnen eigentlich klar, daß ledige Väter noch immer keins haben? In Ihrem Männermanifest wird das Sorgerecht nicht mal erwähnt, ausgerechnet das Gesetz, mit dem sich die Männerdiskriminierung am deutlichsten manifestiert, zusammen mit den Männerzwangsdiensten, die Sie ebenfalls nicht mal erwähnen. Sie möchen Macht und Einfluß teilen? Na, dann fangen Sie doch beim Sorgerecht mal an.

    Sie beanspruchen, für ein neues Gesundheitsbewußtsein zu stehen. Wenn Eltern ihre Kinder ohrfeigen, machen sie sich strafbar. Wenn sie ihnen die Vorhaut abschneiden, ist das Religionsfreiheit. Fällt Ihnen was auf? Was tun Sie ernsthaft für die Gesundheit unserer Söhne?

    Sie möchten neue Wege für Jungs. Ich fände es schon mal einen Fortschritt, wenn unsere Söhne Jungs sein dürfen, ohne ständig die angebliche Minderwertigkeit ihres Geschlechts, die auch Sie unterschwellig in Ihrem Manifest zelebrieren, vor den Latz geknallt zu kriegen und ganz einfach die Anerkennung bekommen, die Mädchen mit aller Selbstverständlichkeit zuerkannt wird. Mädchen dürfen stark oder schwach sein. Tusschen oder Powerfrau. Haben Jugs bei Ihnen dieselbe Wahlfreiheit? Ihr Manifest läßt diesen Schluß nicht zu.

    Wie sieht’s aus mit häuslicher Gewalt? Gestehen Sie den Schutz von Männern vor häuslicher Gewalt zu? In Ihrem Manifest liest man keine Silbe davon? Wie finden Sie die Tatsache, daß es wesentlich mehr Zufluchtsstätten für Mädchen statt für beide Geschlechter gibt? Setzen Sie sich dafür ein, daß erstere auch für Jungs geöffnet werden? Dieses Thema scheint die Grünen nicht zu interessieren, zumindest liest man im Manifest nichts dergleichen. Sie möchten, daß wir schwach sind? Dann sorgen Sie bitte auch dafür, daß andere uns helfen, wenn wir es sind.

    Weder Männerzwangsdienste noch geteiltes Sorgerecht sprechen Sie an. Sie fordern für unsere Söhne weder gleichwertigen Schutz der körperlichen Unversehrtheit.
    Mein lieber Scholli, wenn ich das so alles in der Essenz vor Augen führe, was Sie sich für uns ausgedacht haben, wird mir regelrecht Angst. Sie möchten uns befreien? Machen Sie bitte bei mir eine Ausnahme.

  6. @ JT Kirk: Und warum sollte die Orientierung an etwas, nur weil es von Alters her so tradiert ist, keine Ideologie sein? Es ist doch logisch, dass hier
    a) Einengung und
    b) ungleiche Ressourcenaufteilungen zwischen den Geschlechtern (Löhne!)
    vorliegen.
    Das geht auch schon aus dem von Ihnen zitierten Ausschnitt hervor.

  7. Thomas Schmidt

    Ich finde es sehr interessant.

    Kaum ist dieser Blog eröffnet, schon sieht man dieselben Namen mit den immergleichen Argumentationen.

    Ich habe wirklich schon die unterschiedlichsten Richtungen (religiöse Fundamentalisten, Familienfundamentalisten, Antifeministen, auf Wunsch können gerne Quellen benannt werden) recherchiert, die das Geschlechter-/Männerthema für sich entdeckt haben.

    „… Ich fände es schon mal einen Fortschritt, wenn unsere Söhne Jungs sein dürfen, ohne ständig die angebliche Minderwertigkeit ihres Geschlechts…“

    Warren Farrel plädiert in „Befreiungsbewegung für Männer“ für einen gender-transition-movement und damit für Egalität, Gleichwertigkeit und Ablegung tradierter Geschlechterrollen.

    Wenn ich immer wieder lese, Jungs sollen Jungs sein oder „Neue Wege für Jungs“ seien „Umerziehungsmaßnahmen“, wie z.B. MANNdat das propagiert, dann kann ich persönlich nur den Schluß ziehen, dass hier tradierte Rollenstereotype die Meinungsbildung beeinflussen.

    Ich habe in der Praxis keinerlei „Jungendiffamierung“ o.ä. festgestellt, von daher ist das Jungendiskriminierungsbehauptung eine Unterstellung von Leuten, die keinen Bezug zur Praxis haben.

    Ich beobachte lediglich, das „Mädchen“ eher abgewertet werden als Jungs und ich bin mittlerweile der Auffassung, hier wirken Weiblichkeitsabwertungsmechanismen, wie sie für geschlechterhierarchische Gesellschaften mit all ihren Folgeschäden (insbesondere für Männer!)charakteristisch sind.

    Das grüne Männermanifest sehe ich als reflektorischen Schritt, gemäß der Farrell`schen gender-transition auch hierzulande altkulturelle „Zwangsmännlichkeiten“ durch eine moderne und authentische Männlichkeitsdefinition zu ersetzen.

  8. Andreas Biehler

    Thomas Schmidt:

    Ich bin auch für die Ablegung tradierter Geschlechterrollen. Wenn Sie also den Schluß ziehen, daß hier „tradierte Rollenstereotype die Meinungsbildung beeinflussen“, ist das Ihrer eigenen Phantasie oder Ihren Vorurteilen geschuldet. Was ich ablehne ist aber die ständige Aufforderung an Jungs und Männer, sie sollen sich ändern. Das prominenteste und deutlichste Beispiel dafür ist Ursula von der Leyen mit ihrer schon legendären „Drohung“: „Männer, die dazu [sich den feministischen Vorgaben anzupassen] nicht bereit sind, werden keine Partnerin mehr finden“ Na, da geht mir aber jetzt der Poppo auf Grundeis. Würde ein männlicher Minister umgekehrt sagen: „Wenn die Frauen sich nicht ändern, werden sie keinen Mann mehr finden“, wäre das ein Grund, ihn seines Amtes zu entheben.
    Was ich will, das ist die Freiheit, so zu sein wie ich bin. Also genau das, was die die Feministinnen für die Frauen einfordern. Und die steht uns zu. Und genau dieselben Forderungen, uns den Wünschen und Vorstellungen anderer anzupassen, sind im Kern auch im Männermanifest festgeschrieben. Auch dort wird lediglich der „weiche Mann“ propagiert. Freiheit für Männer, das bedeutet auch rauh, schroff und stark sein zu dürfen.

  9. Thomas Schmidt

    Andreas Biehler,

    „Was ich ablehne ist aber die ständige Aufforderung an Jungs und Männer, sie sollen sich ändern.“

    Ich stimme Ihnen hier 100% ig zu. Auch ich empfand es vor vielen Jahren etwas nervend, als der immer wieder den „neuen Mann“ publiziert wurde.

    Ich muß allerdings auch ergänzen daß auf dem Männerkongress 2010 ein Vortragender anmerkte „den Frauen gehen die Männer“ aus und auch von Dr. Woinoff wird in „Überlisten Sie ihr Beuteschema“ die Problematik klar benannt.

    Vor diesem Hintergrund sehe ich mittlerweile auch Aufforderungen von Politikerinnen, die vielleicht einfach persönliche Ansichten sind, wesentlich gelassener.

    Obwohl aufgrund bestimmter Konstellationen nicht ganz bedenkenlos, volle Zustimmung findet bei mir die Aussage einer Gleichstellungsbeauftragten : „Wir brauchen keine neuen Männer, aber wir müssen ihnen gestatten ihre volle Menschlichkeit zu leben.“

    Ich würde die Geschlechterthematik eher liberal in Form einen Lebensentwurfs-Vielfalt – als Erweiterungsstrategie formulieren. Der heutige technische Stand ermöglicht Frauen wie Männern den von Warren Farrell formulierten gender-transition movement.

    Wenn ein Vater gerne mehr Zeit mit seinen Kindern als nur am späten Abend verbringen möchte – soll er doch. Wenn eine Frau gerne im Top-Management mitgestalten und -entscheiden möchte – soll sie doch.

    Stoßen diese erweiterten Ambitionalitäten auf Widerstand in den Institutionen oder bewertenden Kommentaren aus dem Umfeld, sehe ich hier Handlungsbedarf für flankierende Maßnahmen.

    Diese Hilfen für selbstgeäußerte Lebensentwürfs-Wünsche sollten dann auch entsprechend bereitgestellt werden. Darin sehe ich den Sinn einer modernen Geschlechterpolitik.

    Ein identifiziertes „Lebensideal“, was dann mehr oder weniger „aufoktoyiert“ wird, kann nur genauso am Willen der Menschen scheitern wie die Susan Pinker`sche Normgeschlechtsorientierung, nach der viele Frauen dem vermeintlich emanzipatorischen Ideal männlicher Lebenswelten und -entscheidungen folgen sollten. Die reine Anpassung an tradierte männliche Lebenswelten scheint für viele Frauen unerwartet doch nicht so interessant und wurde scheinbar auch nicht wie erwartet angenommen.

    Prof. Hollstein beschreibt dies auf S. 77 in „Geschlechterdemokratie“ und ich bin der Auffassung, hier müssen sich ambitionierte Frauen ihren eigenen Stil und „way-of-life“ definieren, um dann für weitere Frauen eine Bresche zu schlagen und diese Felder somit für weitere Interessentinnen attraktiv zu machen.

    Vereinbarkeitsfragen für Mütter UND Väter sind dabei nur ein Teilaspekt.

    Ich erhoffe mir dabei auch z.B. den Effekt des „change agent“ – Agent_innen des Wertewandels.

  10. Andreas Biehler

    Ich sehe, Herr Schmidt, wir sehen in Einzelheiten die Sache gleichermaßen.
    Wenn „den Frauen allerdings die Männer ausgehen“ (Von der Leyen prophezeite es genau andersrum), wieso sollen dann die Männer sich ändern? Umgekehrt hieße es doch auch: „Es wird gegessen was auf den Tisch kommt“. Interessiert sich irgendeine Feministin dafür, ob die Männer mit den Frauen zufrieden sind?
    Genau das ist es doch, was die ganze Genderei ausmacht und ihre Glaubwürdigkeit zunichte macht: An die Männer werden pausenlos Forderungen gerichtet, für die Frauen werden die äußeren Umstände geändert. Wenn Mädchen in der Schule schlechter mitkommen, wird der Unterricht ihren Neigungen angepaßt. Wenn Jungs abkacken, müssen sie ihre „traditionellen Rollenverhaltensweisen“ ablegen. Wenn Frauen in den Führungspositionen fehlen, werden Quoten eingeführt, wenn Männer in den Kitas fehlen, werden sie aufgefordert, sich dorthin zu bewerben. Im Fordern sind sie gut, aber sonst haben sie nichts auf dem Kasten. Wenn Frauen sich unsicher fühlen, werden Männer aufgefordert, die besten Parkplätze für sie freizuhalten.
    Für Schülerinnen gibt es angebotene Selbstbehauptungskurse, schüchterne Jungs haben halt Pech. Dafür gibt es für Jungs, egal ob antisozial oder nicht, verpflichtende Sozialkurse, wo sie lernen, daß man anderen Kindern nicht das Handy klaut. Wenn Mädchen Handys klauen, ist das halt so. (Und da frage ich schon, wer hier Clichés auslebt und in Kategorien denkt: Die Männerrechtler oder die Genderpriester?)
    Für Frauen gibt es öffentlich geförderte Frauenwohnanlagen, für Männer (80 % Anteil an den Obdachlosen) gibt es versiffte Sammelunterkünfte, und die Genderer haben keinen Pfennig übrig, auch nur die Ursachen für diesen gewaltigen Überhang zu klären. Klar, sie müssen ja die andernorts von mir erwähnte und viel wichtigere Studie über die Gendergerechtigkeit von Nationalparks erstellen.
    Wenn eine Frau sich außerhalb des allgemeinen Geschmacks kleidet, hat das ihr gutes Recht zu sein. Trägt ein Mann Socken in Sandalen, ist das ein Thema für das Vormittagsradio, wo dann besserwisserische Frauen anrufen können und das Publikum damit langweilen, was Männer noch so alles nicht dürfen sollten: Weiße Socken, zu kurze Hosen, Trekkingsandalen, 3/4-lange Hosen und wenn kurze Hosen dann aber nur bei sportlich gestählten Beinen. Gut, das sollte einem Mann eigentlich am Allerwertesten vorbeigehen, aber bei der Seelenlage der heutigen Männer kann ich mir durchaus vorstellen, daß nicht wenige Männer sogar diese Aufforderung zu Herzen nehmen.
    Sie schreiben: „Wenn ein Vater gerne mehr Zeit mit seinen Kindern als nur am späten Abend verbringen möchte – soll er doch. Wenn eine Frau gerne im Top-Management mitgestalten und -entscheiden möchte – soll sie doch.“ Zustimmung. Ich möchte aber auch, daß das Paar es auch andersrum halten darf, ohne dafür von der Regierung als ewiggestrig abgestempelt zu werden. Freiheit bedeutet, wählen zu dürfen. Allerdings möchte das Kapital natürlich auch auf die Frau als „Humanressource“ zugreifen können, was erklärt, warum auch die CDU gendert wie besessen. Hausfrauen steigern die Aktienkurse nicht. Und ich möchte, daß Jungs wild, rauh und schroff sein dürfen, ohne von der Rektorin Ritalin verabreicht und zu Antiaggressionstrainigs verdonnert zu werden.

    Daß die „reine Anpassung an tradierte männliche Lebenswelten“ für Frauen nicht so attraktiv ist, braucht niemanden zu wundern. Ich finde das nicht so unerwartet wie Sie. Die meisten Männer finden es ja auch nicht gerade paradiesisch, als Fernfahrer die ganze Woche unterwegs zu sein, sich auf der Baustelle die Bandscheiben kaputtzumachen oder im Anu Mundi sich von Taliban erschießen zu lassen. Daß die Frauen das erst im Nachhinein erkennen, dürfte wohl daran liegen, daß unter „Männerdomänen“ nur die attraktiven und prestigeträchtigen Bereiche gelten. Aber selbst dort weht ein kalter Wind, von dem die „Emma“ nie berichten wird. Das Vorurteil vom Mann, der immer lebt wie die Made im Speck muß erhalten bleiben. Ihren „eigenen way of life“ haben sie definiert. Die angenehmen und schönen Aspekte der Männerwelten werden als Selbstverständlichkeit eingefordert, die unangenehmen dürfen bei den Männern bleiben. So viel Gleichstellung soll es dann doch nicht sein. Komm, die meisten Frauen finden sich ja nicht mal dazu bereit, beim Anbandeln den ersten Schritt zu tun.

  11. Thomas Schmidt

    „Und ich möchte, daß Jungs wild, rauh und schroff sein dürfen, ohne von der Rektorin Ritalin verabreicht und zu Antiaggressionstrainigs verdonnert zu werden.“

    Diesem bedingungslosen Freiheitstrieb kann ich nicht bedenkenlos stehenlassen :

    „Paul Whyte vom Men`s Network in Sydney hat sich eine sehr eindringliche Übung ausgedacht, um Frauen eine Vorstellung davon zu geben, was es heißt, sich als Junge in einer Schulhof-Kultur behaupten zu müssen. Er bittet die Damen, sich vorzustellen, daß ihre „Geschlechtszugehörigkeit“ davon abhinge, ob sie in der Lage seien, sich körperlich gegen die Angriffe von Geschlechtsgenossinnen zur Wehr zu setzen. Sie lernen also, sich vor Augen zu führen, ihr weiblicher Status würde sie dazu zwingen, sich mit jeder Frau, die zufällig daherkommt, herumzuprügeln, da sie andernfalls den Ansprüchen der Umwelt nicht genügten. Eine Frau, die das nicht kann oder will, würde folglich vermöbelt und noch dazu bezichtigt, gar keine richtige Frau zu sein.
    So sieht heute das Leben der Jungen in den Schulen aus. Ständig leben sie in der Gefahr, attackiert zu werden, und sie müssen unentwegt ihren Status durch die Bereitschaft verteidigen, sich auf tätliche Auseinandersetzungen einzulassen.“

    (Steve Biddulph, „Männer auf der Suche“, S. 238)

    Auch vor dem Hintergrund Auswüchse zwischenmännlicher Gewalt, wie sie auch auf Ameland deutlich wurden, sehe ich Schutzbedarf für die Jungen, die sensibler und kopforientierter sind und auch gerne zur Zielscheibe für „richtige Jungs“ werden.

    http://nachrichten.t-online.de/misshandlungen-von-ameland-im-sog-des-grauens/id_42341168/index

    „Im Prozess der Demütigung bilden sich eigene Hierarchien heraus, die Täter stehen oben im Ansehen, die Opfer unten. Zu solchen Abläufen kommt es immer dann, wenn Gruppen neu gemischt werden. Das Geschehen führt auf eine makabere Art zu einer eigenen Ordnung….“

    Die Kopfmänner haben die Zivilisation vorangebracht und sind m.E. besonders förderungswürdig, nicht die, die Mannsein mit Agressivität und dominanter Gewaltbereitschaft gleichsetzen.

  12. Andreas Biehler

    Ich habe nicht behauptet, daß Jungs stark sein müssen, sondern daß sie es dürfen müssen. Ferner habe ich nicht behauptet, daß sie nicht die Grenzen anderer ignorieren dürfen. Wenn ich vom Recht auf Wildsein rede, rede ich vom Recht auf Wildsein und nicht vom Recht, Gewalt auszuteilen, und auch nicht von der Pflicht, wild zu sein. Ich rede vom Recht eines Menschen so zu sein, wie er ist, daß seine Persönlichkeit anerkannt und nicht als „traditionell rollenorientiert“ abgekanzelt wird.
    Es läge mir ferner völlig fern, den Mißhandelten von Ameland Schutzbedürftigkeit abzusprechen. Im Gegenteil: ich (und Manndat) habe schon seit Jahren für mehr Zufluchtsorte für mißhandelte Kinder und für die Öffnung der Zufluchtsorte für Mädchen auch für Jungs eingesetzt. Ich bin der Letzte, der dagegen was einzuwenden hätte. Was haben eigentlich die Grünen et al. bisher dafür getan? Nix? Sehen Sie, deshalb unterstütze ich Manndat und nicht die Grünen.

  13. Thomas Schmidt

    OK, Ihrer Argumentation kann ich folgen.

    „..unterstütze ich Manndat und nicht..“

    Ich schlage vor, dies im Rahmen des demokratischen freien Meinungs- und Willensbildungsprozesses einfach so stehen zu lassen.

  14. Andreas Biehler

    Ich entnehme Ihrem letzten Satz einen gewissen Zweifel. Falls ja, worin liege ich denn falsch, und wie ist es richtig?

  15. @Spin:

    @ JT Kirk: Und warum sollte die Orientierung an etwas, nur weil es von Alters her so tradiert ist, keine Ideologie sein? Es ist doch logisch, dass hier
    a) Einengung und
    b) ungleiche Ressourcenaufteilungen zwischen den Geschlechtern (Löhne!)
    vorliegen.
    Das geht auch schon aus dem von Ihnen zitierten Ausschnitt hervor.

    Es ist ja schön, daß das für Sie „logisch“ ist. Jetzt wäre es noch schön, wenn Sie Belege für Ihre Behauptungen anführen.

    Können Sie belegen, daß Mädchen und Jungen Berufe wählen, „nur weil es von Alters her so tradiert ist“?

    Ich bin immer wieder schockiert über solch ein argumentatorische Niveau.

    Können Sie belegen, daß Mädchen und Jungen oder Männer und Frauen „eingeengt“ sind, ohne willkürliche Kausalitäten aufzustellen?

    Für ungleiche Löhne zwischen Männern und Frauen gibt es zahlreiche legitime Ursachen.

    Hier ein paar Links dazu:
    http://www.manndat.de/index.php?id=532
    http://www.manndat.de/index.php?id=43

    Wahrscheinlich verdient ein männlicher Krankenpfleger deutlich weniger als eine Allgemeinärztin, weil er ein Mann ist und nicht etwa, weil er in einem geringer entlohnten Beruf arbeitet.

    Hier kommt nämlich die schlimme Kategorie Geschlecht ins Spiel. Geringer Lohn, nur weil er ein Mann ist. Schlimm ist das.

    Sehr geehrter Herr Gehring,

    ich würde mich auch freuen, wenn Sie zu der Kritik Stellung nehmen, sich also für das, was Sie schreiben verantworten.

    Feministisch orientierte Menschen sind immer wieder verdutzt, was es für Argumente und Sichtweisen auf dieser Welt gibt, und reagieren dann meist mit Ignoranz, also verschließen einfach die Augen und machen weiter wie bisher.

  16. Till Westermayer

    Habe das grade bei Facebook kommentiert, aber warum nicht auch hier:

    Hmm – finde den Einsatz grüner Männer für Feminismus ja total richtig und unterstützenswert. Aber ist die Trennung in „Mädchen“ und „Jungen“ – scheint grade ein sehr dominantes Paradigma zu sein – in der Jugendarbeit wirklich die Lösung aller Probleme? Dass es entsprechende Angebote gibt, finde ich gut – aber nur, wenn gleichzeitig auch Wert darauf gelegt wird, Formen der Jugendarbeit zu finden, an denen Jungen und Mädchen partizipieren – und die trotzdem dazu beitragen, neue Geschlechterrollen zu finden.

  17. Andreas Biehler

    „Aber ist die Trennung in “Mädchen” und “Jungen” … in der Jugendarbeit wirklich die Lösung aller Probleme? “

    Ich würde sagen, es ist der zentrale Punkt. Denn wie schrieb die große Alice anno 1986 in der Omma: „Wenn wir wollen, dass es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen.“ Eine Trennung zwischen Jungen- und Mädchenarbeit ist im Feminismus unausweichlich. Wir Männer sind demzufolge das privilegierte Geschlecht. Um Gleichberechtigung zu verwirklichen, muß man uns etwas wegnehmen und den Frauen etwas geben.

  18. Denn auch bei Jungen besteht der Bedarf, tradierte Rollenbilder als Alleinernährer und -verdiener zu überdenken sowie neue und attraktivere Rollenbilder zu finden.

    ..und das, als Jugendkultur, schon seit 1950. Weshalb ja irgendwann der „Laddism“-Diskurs entstanden ist („keine Verantwortung für sich und Andere“)

    Interessant finde ich die sich extrem wandelnde und paradoxe Erklärung dazu, was „tradierte Männlichkeit“ (als „das Andere“ als das „progressive“) so alles (gewesen) sein soll. Das lässt tief blicken, und zeigt was alles eigentlich von Männlichkeit erwartet wird.

    Und damit will man auf die männlichen Kidz losgehen? Die sollen’s richten?

  19. „Und damit will man auf die männlichen Kidz losgehen? Die sollen’s richten?“

    Klar doch – die sollen zur eierlegenden Wollmilchsau mutieren, aber bitte ohne eigene Bedürfnissebefriedigungswünsche.

    Neulich las ich von einer feministischen Autorin (taz, glaube ich), dass unverheirateten Männern das Sorgerecht nicht zustehen sollte, wenn sie
    a). nicht Teilzeit arbeiten, um sich genauso wie die Mütter um die Kinder zu kümmern.
    b). nicht den Kindesunterhalt regelmässig zahlen.

    Es ist natürlich kein Wunder, dass Herr Gehring sich auf solche Feministen nur noch durch apolitischen Müll a la

    „Die Einschränkungen durch Rollenzwang und festgelegte Verhaltensmuster wollen wir auch für Männer aufbrechen.“

    positiv beziehen kann ( und offenbar auch will), all diejenigen, die hier aber nicht mehr mitspielen wollen ( und auch merken, dass sie das gar nicht können), als Antifeministen diskreditiert.

    Und die jugendlichen Bildungsverlierer? Da erklären uns die Feministinnen, dass die keineswegs an den überbordenden und unvereinbaren Erwartungen zerschellen, die unsere Gesellschaft speziell an ihr Geschlecht richtet, sondern dass die erstmal lernen müssen, ihre Lehrerinnen als Autoritäten anzuerkennen – schon wieder so ein Persönlichkeitsmakel, wie der „Rollenzwang“ und das „Verhaltensmuster“.

  20. „..jugendlichen Bildungsverlierer? Da erklären uns die Feministinnen..“

    Ich sehe hier ehrlich gesagt wieder lediglich die MANNdat`schen Mantras, die wiederkehrend kreisförmig im Kreis gedreht werden.

    Es gibt genug Ansätze, endlich eine authentische Männlichkeit und Lebensentwürfe zu entwickeln und progressiv vorzugehen, statt trollartig Diskriminierungen durch Feministinnen oder Frauen wiederzugeben, für die man in maskulistischen Foren sicherlich Beifall erntet.

    „Regierungsfähig“ sind solche Antipositionen nicht.

    „…die Feministinnen…“

    Und da ist es auch wieder, das schlimme Wort, die Ursachenerklärung allen Übels.

    Das grüne Männermanifest ist ein Ansatzpunkt für eine progressive Vorgehensweise genauso wie das Bundesforum.

    Wichtig ist erstmal, dass die Männersache in den Mainstream und in die Politik kommt. Ergänzungen, Anreicherungen zusätzlicher Aspekte und Nachjustierungen können immer noch vorgenommen werden.

  21. Kai Gehring und das Verständnis für Gleichberechtigung

    Die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen hat am 13.10.2010 einen Antrag eingebracht, demzufolge der Bundestag beschliessen soll, die Bundesregierung aufzufordern, den nicht ehelichen Vätern wie bisher ein gemeinsames Sorgerecht nur mit Zustimmung der Mutter einzuräumen.

    Begründet wird dies unter anderem mit der schlechten Zahlungsmoral der Väter und dem hohen Gut der Unversehrtheit für Frauen und Kinder. Ich kommentiere das mal nicht weiter.

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/032/1703219.pdf

    (Mit)Antragsteller Kai Gehring.

    Übrigens drückt sich in der Namensgebung des Antrags aus, dass man sich der Ungerechtigkeit sehr wohl bewusst ist. „Nichtehelichen Vätern das gemeinsame Sorgerecht geben“ heisst es so schön progressiv in der Überschrift.

    „Gleichberechtigung ist Frauen- und Männersache!“ – so lautet die Überschrift Ihres Artikels.Danke für die Lektion, Herr Gehring, wie Sie Gleichberechtigung verstehen.

    Ich schliesse mich einem Kommentar von Andreas Biehler weiter oben an. „Sie möchten uns (Männer) befreien? Machen Sie bitte bei mir eine Ausnahme.“

  22. Ich habe den Entwurf vom 5.10.2010 sehr genau durchgelesen.

    „die Bundesregierung aufzufordern, den nicht ehelichen Vätern wie bisher ein gemeinsames Sorgerecht nur mit Zustimmung der Mutter einzuräumen.“

    Kann ich in dieser Form so nicht bestätigen.

    Auf S.1/2 wird formuliert, dass Väter das Recht auf Antragstellung der gemeinsamen Sorge bekommen sollen. Dem Antrag wird stattgegeben wenn die Mutter innerhalb von 8 Wochen nicht widerspricht. Falls doch, entscheidet das Familiengericht. Bei Widerspruch der Mutter kann eine Entscheidung beim Familiengericht beantragt werden, das dem entsprechen soll, wenn die gemeinsame elterliche Sorge dem Kindeswohl nicht widerspricht.

    S. 3 fordert die Einrichtung von Mediationsangeboten. Finde ich sehr sinnvoll, Eskalationen zwischen den Elternteilen nach dem Cochemer Modell entgegenzuwirken.

    Etwas konservativ wirkt der Antrag auf mich, wenn es in paternalistischer Konnotierung heißt „Für Frauen und Kinder steigt das Gewaltrisiko während der Trennungszeit stark an“.(S.4) Genauso bewerte ich die reine Focussierung auf „unterhaltssäumige Väter“. Die Realität, dass auch Mütter ggf. Unterhaltsleistungen einem alleinerziehenden Vater schulden, wird gedanklich versehentlich gar nicht erst in Betracht gezogen.

    Vervollständigend finde ich die Darstellung auf S.4 oben, dass es auch Väter gibt, die ihrer Umgangspflicht nicht nachkommen genauso wie : „Gleichzeitig beklagten Väter, dass Mütter ihnen die Ausübung dieses Rechts schwermachten.“

    Ich kenne aus der Praxis mehrere Facetten :

    Väter, denen der Umgang behindert wurde, Väter, die den Kontakt von sich aus abbrachen (neue Partnerin und Kinder o.a. Konstellationen wie Umzug), Mütter, die ebenfalls von PAS und Umgangsboykott betroffen waren, wo der Vater das alleinige Sorgerecht innehatte.

    Gut finde ich die Betonung des neuen Selbstverständnisses vieler Väter, denen rechtlich Anerkennung gezollt werden muß.

    Ggf. wäre m.E. noch sinnvoll zu prüfen, ob der automatische Eintritt gemeinsamer Sorge sinnvoll wäre und nur im wichtigen Falle (Kontaktabbruch zum Kind durch Vater oder Mutter, häusliche Gewalt Vater oder Mutter, Vernachlässigung der Fürsorgepflicht durch Vater oder Mutter) widersprochen werden sollte.

    Diese Regelung favorisiert z.B. der Väteraufbruch.

    M.E. würde dies Signalwirkung haben für eine selbstverständliche, aktive Vaterschaft durch Umgang/Betreuungsleistungen. Aus Gesprächen ist mir z.B. die Grundhaltung der Focussierung auf Geldleistungen vertraut – bei Frauen wie bei Männern infolge „drohende“ finanzielle Einbußen wie z.B. durch Unterhalt, wobei die Elternschaft in den gedanklichen Hintergrund rückt.

    Aber ich denke, solche erweiterten Regelungen bewirken derzeit noch einen „Rückhaltereflex“ mit der Mentalität „erstmal schauen, wie sich das in der Praxis bewährt“, was m.E. eine starke konservative Fixierung hierzulande offenbart.

    Hier hilft ggf. ein Blick in die nordischen Länder genauso wie beim Aspekt der Frauenquote in Aufsichtsräten UND Vorständen, was m.E. wünschenswert wäre, um hier konservative Unternehmenskulturen zu verändern.

  23. Eine gute Kritik zu der Nichtgleichberechtigung von Männern und Frauen, die Herr Gehring, ein Mitverfasser des „Grünen Männermanifests“, hier im Interesse der vornehmlich weiblichen grünen Wählerschaft festschreiben will, findet sich bei dem Grünen Herr Rupp:

    http://joergrupp.de/grune-familienpolitik/

    Wie immer geht es den Grünen um Schadensbegrenzung, sprich, die eindeutigen Urteile des EGH sollen möglichst so umgesetzt werden, dass Männer nur den geringstmöglichen Spielraum, der noch so eben mit dem EGH vereinbar ist, hinzugewinnen.

    Dasselbe Spielchen gab es schon einmal, bei der Aufspaltung des alten Sorgerechts auf das heutige, nun mehr ausgehöhlte Sorgerecht und das wichtigere Aufenthaltsbestimmungsrecht, welches Männern mal eben so entzogen werden kann – nachdem der EGH urteilte, dass die Aberkennung des Sorgerechts nach Scheidung nicht den Menschenrechten entspricht.

    Meine Güte- wer braucht solche „Gleichberechtigung“ ?

  24. Ich hatte mich natürlich gefragt wie es zu der Fehleinschätzung „Grüne wollen Sorgerecht für nichteheliche Väter nur auf Antrag“ kam und sah mal nach in einem Blog, den ich eigentlich seit Wochen gemieden habe, und wurde prompt fündig :

    http://femokratieblog.wgvdl.com/grune-sorgerecht-fuer-vater-auf-antrag/10-2010/

    Das erklärt m.E. alles.

    Das Impressum ist selbsterläuternd :

    http://wgvdl.com/_Impressum.htm

  25. Konsequentes zum Thema gemeinsames Sorgerecht bieten dagegen die „rückwärtsgewandten“ Konservativen.

    „Die Fraktionen der Parteien CDU und FDP im Sächsischen Landtag hatten beantragt, der Landtag möge beschliessen, die Staatsregierung zu ersuchen, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass das Recht der elterlichen Sorge derart geändert wird, unverheirateten Eltern ein gemeinsames Sorgerecht einzuräumen und sich in diesem Zusammenhang für Regelungen einzusetzen, die

    1. das gemeinsame Sorgerecht beider Eltern gesetzlich begründen,

    2. ein gesetzliches Widerspruchsrecht der Mutter nur vorsehen, wenn die gemeinsame Sorge nicht dem Kindeswohl entspricht und

    3. auch ledige Väter berücksichtigt, deren Kinder vor dem Inkrafttreten der neuen Vorschriften geboren wurden.

    Im Gegensatz zum Antrag der Grünen wird der unverheiratete Vater hier automatisch sorgeberechtigt, der Mutter ein Wiederspruchsrecht eingeräumt. Also steht hier eine Wiederspruchlösung gegenüber einer Antragslösung (für den Vater) bei den Grünen.

    Ich bin ratlos. Wer ist denn jetzt progressiv und fortschrittlich?!?

  26. Wer, was ein Rekurs auf antimoderne Weiblichkeits- Hexen- und Muttermythen insbesondere der Deutschnationalen Romantik darstellt, das transhistorische Weltübel in der „männlichen Lebensweise“ (vulgo: Patriarchat; Patrilinearität) verortet, der wird wohl auch ein abgrundtiefes Ressentiment gegen jede Bezugnahme auf biologische Vaterschaft hegen.

    Geschockt vom Nationalsozialismus hatte man sich in der Nachkriegszeit wieder stark am Christentum orientiert. Diesen Konservativismus interpretierten viele ab ’68er fälschlicherweise als Kontinuum der NS-Gesellschaft, und wandten sich wieder den Ideen der Romantik zu – „zurück zur Natur“ (völlig übersehen wurde, dass gerade der NS reichlich aus diesem Fundus geschöpft hatte)

    Gerade der Feminismus blieb von dieser Rückbesinnung ebensowenig verschont wie die Grüne Partei, und deshalb findet man gerade dort – neben solchen Erklärungen des Weltübels wie „die männliche Lebensweise“ und einer untergelagerten tiefen Huldigung von deutschen Muttermythen (in Form von Matriarchatsheilslehren) – ein zutiefst ambivalentes Verhältnis und subtiles Ressentiment zu biologisch begründteter Vaterschaft.

  27. Es geht doch eigentlich um das Recht des Kindes auf beide Eltern, warum sollte es dann nicht gesetzliche Norm sein dass beide Eltern erstmal eine Sorgepflicht (jenseits von Zahlunspflichten) haben?

    Um die Streitfälle können sich immer noch zunächst Mediatoren und anschließend, wenn wirklich nichts mehr zu retten ist, die Gerichte kümmern. Gesetze bilden aber stets Normen ab, und die Norm ist doch hier das Recht des Kindes auf beide Eltern.

    Es ist imho eine enorme Abwertung der Bedeutung eines erfahrbaren Vaters für das Kind, wenn nach dem Motto verfahren wird: „Na, wenn nicht, dann stellste einfach keinen Antrag. Subtext: Du bist ja eigentlich auch nicht wichtig, deine Kinder werden auch ohne dich groß“

  28. „Die Fraktionen der Parteien CDU und FDP im Sächsischen Landtag..“

    Obwohl ich von der FDP eigentlich gar nichts halte, in diesem Punkt finde ich den Antrag wesentlich progressiver.

    Und über die rückwärtsgewandte Konnotation „Frauen und Kinder“ muß ich mittlerweile etwas schmunzeln, weil sie eigentlich ein wesentlicher Bestandteil traditioneller Männlichkeitsidentität ist.

    Ich war doch etwas überrascht, diese Begrifflichkeit in o.g. Antrag der Grünen zu lesen. Aber der Beitrag von Hr. Rupp zeigt, dass auch parteiintern unterschiedliche Kräfte wirken und Diskussionen wie Kompromissversuche darüber geführt werden.

    Ich denke, da ist hierzulande wirklich ein interessantes Nebeneinander-Wirken moderner Weiterentwicklungsversuche und traditionell-deutscher Muttermythen zu beobachten, was noch nicht als solches erkannt wurde bzw. noch nicht ganz aufgearbeitet ist.

    In diesem Zusammenhang neige ich deswegen gerne auf Simone de Beauvoir rückzubesinnen, weil sie genau diese Frauen-Mythologisierung für die „Immanenz des Ewigweiblichen“ hauptverantwortlich machte.

  29. Es sieht so aus, als würde der natürliche Bündnispartner des gynozentrischen (kulturellen) Feminismus – die Konservativen – sich besinnen und sich den Idealen der Aufklärung und des Humanismus zuwenden.

    Wie die Historikerin und Feministin Alice Echols fundiert darlegt, ist der ursprüngliche radikale Feminismus ja mitte der 1970er ausgestorben. Das meiste, was fortan unter der Fahne „radikaler Feminismus“ segelte ist nach ihrer Auffassung – die ich teile – unter kulturellen Feminismus zu subsummieren.

    So verwundert es auch nicht, wenn einerseits allenthalben die Norwegische Quote in Aufichtsräten lautstark propagiert wird, andererseits aber Forderungen nach einem Familienrecht wie es Norwegen hat als „rechtsmaskulistisch“ disqualifiziert werden. Es hat sich offenbar im Grünen Parteifeminismus seit den 1980ern ziemlich wenig bewegt.

    Es ist in meinen Augen sehr bedauerlich, dass eine Partei die imho sehr lobenswerte Grundsätze zur innerparteilichen Demokratie aufgestellt hat sich in ihrer Willensbildung in puncto Frauenpolitik (die offenbar auch hier gleichbedeutend mit Familienpolitik ist) per Statut auf Strukturen festlegt, die offenbar nur Groupthink hervorbringen können.

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